Jugend forsch

Vier nette junge Menschen vom SKJB stellten sich am 23. August  2011 in der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses vor und wurden natürlich mit höflichem Applaus bedacht. Wenn sie nur früher gewusst hätten, dass sie sich mit ein paar Worten vorstellen sollten, wären sie auch vollzählig aufgetreten. Dass sie es nicht wussten, zeigt für meine Begriffe auch bereits, dass man in der Öffentlichkeit zwar tunlichst freundlich tut, ansonsten aber gut und gerne auf dieses Gremium verzichten könnte. Die Kraft, zur Not auch öffentlich zu unpopulären Maßnahmen und Entscheidungen zu stehen, spreche ich den politischen Gruppierungen dieser Stadt aber ohnehin ab.

Symptomatisch zeigt sich das allein schon an dem kühnen Ansinnen des SKJB-Vorsitzenden, doch bitte auch am nicht-öffentlichen Teil der Sitzung teilnehmen zu dürfen. Wir erinnern uns, dass dieses Recht den bürgerlichen Mitgliedern der Parteien und Wählervereinigungen verwehrt ist. Melf Johannsen wird es wie selbstverständlich gewährt. Herr Moldenhauer ruft gar in den Ausschuss, notfalls könne man ihn ja als Sachverständigen einladen. Hahaha, wie putzig muss das in den Ohren z.B. der Schulleiterin der Centa-Wulf-Schule klingen, die bereits während des öffentlichen Teiles damit leben musste, dass der oberste Jugendliche zu Fragen dieser Schule spricht, während sie als einfache Besucherin schweigen muss. Abgesehen davon, dass natürlich auch geladene Sachverständige nur ihren Part zu bringen und ansonsten nicht-öffentliche Sitzungen zu verlassen haben, geht dieser Jugendwahn eindeutig zu weit. Und alles nur, damit nicht am nächsten Tag in der Zeitung steht, man habe den Kindern ein Leid getan.

Unzumutbare Unterbringung?

Und so hält man natürlich auch an dem Wahnsinn eines nicht gegenfinanzierten und – mit Verlaub – sauteuren Umzugs fest. Für diesen Umzug und die offenbar unverzichtbaren Umbauten wird die Stadt nun 250.000 € aufwenden und trotz der geplatzten Finanzierung hat niemand den Mut, diesem Irrsinn Einhalt zu gebieten, nur weil der SKJB wie instrumentalisiert den Umzug zur wichtigsten Frage der Kinder und Jugendlichen in Schwarzenbek stilisiert? Welche Mitglieder des SKJB frequentieren den Jugendtreff und können daher verlässlich beurteilen, wofür sie so einsatzfreudig streiten? Und ist es wirklich eine gute Idee, dass der SKJB vom Stadtjugendpfleger betreut wird und diesen als einzige sonstige wichtige Person auf seiner Homepage führt? Das wäre ein wenig so, als wenn der Bürgermeister oder eine/r der Amtsleiter/innen gleichzeitig Fraktionsvorsitzende/r wäre. Aber gut, soll der SKJB Partei ergreifen und meinetwegen auch sein. In die Stadtvertretung gewählt ist er nicht und daher sollten Stimme und Antragsrecht im öffentlichen Teil aller Ausschüsse (!) mehr als ausreichend sein. Andere Beiräte würden sich solchen Einfluss wünschen.

 Der Wahrheit zuliebe und auch auf die Gefahr hin, dass man den Blog bisweilen für die Pressestelle der FWS halten könnte, muss hier noch gesagt werden, dass eine der Fraktionen eben doch den Mut zu haben scheint, gegen den dringenden Wunsch des SKJB zu stimmen. Die FWS will den Umzug nach wie vor an den Verkauf des Gebäudes knüpfen und sperrt sich gegen die Verlegung auf erneuten Pump. Die anderen Fraktionen scheinen das nicht vorhandene Geld weiterhin mit vollen Händen ausgeben zu wollen. Und wenn man auch für keinerlei Kultur und Soziales mehr etwas ausgeben will, bei Immobilien geht immer etwas, zumal wenn sie von Kindern und Jugendlichen genutzt werden (siehe Gymnasium et al.). Wobei ich überzeugt bin, dass die eine oder andere Partei einfach nur blauäugig und naiv ist. Ich prophezeie noch einmal: Am Ende wird der Gebäudebestand entfernt und der Baugrund zu Lasten der Stadt saniert werden und das Grundstück anschließend für einen läppischen Preis einem  „Investor“ überlassen werden. Und dann schauen Sie einmal genau hin, wer das ist und welcher politischen Provenienz er entstammt. Selbst die Kinder  und Jugendlichen sind letztlich wohl nur Mittel zum Zweck.

2 Responses to Jugend forsch

  1. Blogfan Nr. 1 says:

    Die 250.000 € ergeben sich wahrscheinlich aus dem Verkauf des alten Bauhofes – nur heißt es in Top 23 der HAPL-Tagesordnung, dass die Einnahme „erwartet“ wird. Auf Deutsch: Es ist entweder noch kein fester Interessent am Haken, oder falls sich doch einer anbietet, ist es mehr als unsicher, welche Verkaufssumme tatsächlich herausspringt; wer in einer klammen Kommune investiert, besitzt schließlich eine ausgezeichnete Verhandlungsbasis für einen Schleuderpreis…

    Die Auftritte von Melf würde ich allerdings nicht ganz so harsch auslegen. Klar, für einige Zoten (so die Bitte an Frau Francke, den SPD-Vertagungsbeschluss zurückzunehmen), hätte ich ihm als Spontanreaktion erst einmal einen mehrwöchigen Stubenarrest aufgebrummt – aber irgendwie hatte das Ganze auch einen sehr erfrischenden Charakter. Und ich denke schon, dass der SKJB dank der Anleitung von Norbert Lüthjens ziemlich genau weiß, was an dem Jugendtreff hängt; und zwar weitaus mehr als eine Aufsichtsanstalt für verhaltensauffällige Jugendliche, die von dem Großteil der Bürger vermutet wird. (Ein Spontanbesuch vor wenigen Wochen eröffnete mir ganz andere Einsichten…)

    Zu derartigen „Frechheiten“ sollten sich eigentlich weitaus mehr Bürger durchringen, da die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Gesamtheit (wenige ausgenommen) ihren Autoritätsbonus restlos verspielt hat. Das gilt besonders für den SPD-Ortsverein (eine ausgenommen), der sich einstmals als Streitbollwerk für die Kinder und Jugendlichen S´beks verstanden hat, mit seiner unsäglichen CDU-vorgeschriebenen Hinhaltetaktik aber nun als Verein der unverlässlichen und finanziell inkompetenten Sprücheklopper darsteht.

  2. Gerd Heinrich says:

    Übrigens der Auszug des Jugendtreffs ist die beste Lösung.

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