Der Weltfinanzkrieg und seine (letzte?) große Schlacht

Von Rupert Talia

Sparen auf Teufel komm raus oder untergehen. So der Schlachtruf. Aber wenn Sie hinsehen, was vorgeht, dann erkennen Sie die Lüge. Was Sie sehen ist dies: Sparen auf Teufel komm raus und untergehen – denn dieser Tage zeigt Er sich wirklich – und seine Fratze. Es wird auch Zeit – die Heuschrecken haben die vielen kleinen Felder schon verwüstet, dort wächst nichts mehr oder viel zu langsam, nun muss es den Kornkammerverwaltern richtig an den Kragen gehen.

Gekauft vielleicht, investiert noch nicht so viel: Der Showroom des Investors Zhu

Das ist ganz folgerichtig. Jedenfalls wenn man noch in der Lage ist, Sein und Schein zu unterscheiden. Wenn Sie noch im Sein leben und nicht im Schein, dann sehen Sie rund um sich zu, dass es der kleinen Wirtschaft nicht gut geht, der realen nämlich, die um Sie herum hörbar produziert, mit anfassbaren Waren handelt und sichtbare Dienste aller Art leistet. Aber prosperiert und investiert sie? Sehen Sie vieles / mehreres / etwas wachsen? Falls ja, dann sehen Sie wahrscheinlich Exportgüter und Windkrafträder, kaum mehr und kaum etwas anderes. Vielleicht sehen Sie auch bereits Chinesen, die in Ihrer Umgebung etwas bauen – was allein noch nicht gegen sie spricht.

Aber das ist nicht „die Wirtschaft“ im Ganzen. Hinter dem, was man sehen, riechen und hören kann, existiert eine Schatten- und Scheinwirtschaft, die ausschließlich virtuelle Innovationen generiert, die man weder anfassen noch verzehren kann. Mit denen sie aber große Renditen erzielen will, Renditen, die es sonst nirgends gibt. Denn sie ist die Einkommensmaschine der wahren Schmarotzer, der Anteilseigner und Guthabenkönige, deren Gier nach leistungsloser Rendite unersättlich ist, deren Wachstum – auf Teufel komm raus – zweistellig sein muss, alles darunter ist für uns Krauter, die es nicht in die feudale Großfinanzwelt geschafft haben. Deren Spielgeld ist spottbillig, unsere reale Kauf- und Investitionskraft dafür desaströs teuer. Geld ist Macht. Und Macht schafft an. Alle sieben Sekunden verhungert vielleicht ein Kind in dieser kalten Welt, aber niemand kann das sicher wissen…

Sein Name ist Legion, denn er ist viele

Wenn nirgends mehr etwas wächst, oder nur noch viel zu langsam für den großen Hunger der Unersättlichen, dann müssen die Teufel auf die Staaten, auf das Ganze losgehen. Das ist das Gebot der Stunde, aus ihrer Sicht (und das ist wohl die einzige, die noch zählt). Wenn es den – bislang noch tolerierten – Staaten mit ihren Demokratietheatern nicht gelingt, den Kapitaleignern mindestens 15 Prozent (wenn schon nicht 25 Prozent) Rendite dauerhaft zu garantieren, dann müssen diese privatisiert werden. Wer sich als so unfähig erweist, den großen Vermögen der leistungslosen Eliten einen solch bescheidenen Zehnten dauerhaft zu leisten, der gehört enteignet und davon gejagt. Die Welt also muss endlich ganz in die privaten Hände der Wenigen. Darum der Krieg. Schluss mit Lustig.

Die Zeitung "Die schwäbische Hausfrau" wählte ihn gerade zur "Hausfrau des Jahres"

Kommandostab „Fitch“ straft Griechenland ab, Kommandostab „Moody’s“ stuft Irland auf Ramsch und droht den USA, Kommandostab „Standard & Poor’s“ hält Griechenland schon für gewonnen, zu Dritt gehen die Stäbe auf Italien los – alles dieser Tage, eine große Offensive, vielleicht die ultimative. Die Front wankt, der Euro-Kurs wird „volatiler“, beginnt zu taumeln und zu oszillieren – und das macht ihnen, den Masters of the Universe, noch mehr Freude, denn Schwankungen versprechen Rendite, je größer und heftiger desto besser. Nur so kann man aus Scheiße richtig Geld machen. Früher war Krieg gut für’s Geschäft, heute nennt man es Krise. Es gibt kein besseres als virtuelles Wachstum. Die wirkliche Welt, die geschüttelt und erschüttert wird, ist für Loser. Friss oder stirb. Je schneller desto besser. Dieser Wettbewerb ist die wahre Nächstenliebe – denn die Vielen leiden kürzer, wenn die Wenigen endlich richtig zugreifen. Denken Sie auch so unbedarft wie Martin W.? Und halten es mit der „Schwäbischen Hausfrau“? Dann sparen Sie – auf Teufelchen, komm raus! Der Zeitpunkt ist zu günstig, die Zivilgesellschaft macht gerade Urlaub (oder hält das schlicht für typisches Sommerlochtheater, denn wer kann sich Urlaub heute schon noch leisten).

Fotos:
Martin Walser – Author: A.Savin – This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.

One Response to Der Weltfinanzkrieg und seine (letzte?) große Schlacht

  1. „Wenn nirgends mehr etwas wächst, oder nur noch viel zu langsam für den großen Hunger der Unersättlichen, dann müssen die Teufel auf die Staaten, auf das Ganze losgehen.“

    Und dieser Hunger lässt verhungern, weil die Joes dieser Welt jetzt auch in Getreide, Mehl und Zucker machen, um ihren gerechten Hunger zu stillen. So schlimm ist es aber auch nicht, liebe Bürger und Bürgerinnen, denn es verrecken ja doch nur der Mob, die Hartzer und die doofen Menschen.

    PS: Der Showroom ist cool.

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