Wahlfreie Alternativlosigkeit

oder: Die geschlossene Gesellschaft

Von Rupert Talia

Auch diesem Spam folgte nur weiteres

Wir haben keine Wahl, ja derzeit nicht einmal ein verfassungskonformes Wahlrecht. Ich mag Zyniker nicht, aber was soll ich als selbständiger Kleinunternehmer denen jetzt erwidern, die unseren Staat als „Bananenrepublik Deutschland“ schmähen? Und das nicht erst seit gestern.

Ob Sie es glauben oder nicht ‐ die alles überragende Regierungsveteranin seit Gründung der Bundesrepublik ist die Fast.Drei.Prozent.‐Partei, die seit über 44 Jahren in Regierungsbeteiligung mitverantwortlich zeichnet. Mehr muss man eigentlich nicht sagen: Gönnen wir ihr und vor allem uns doch endlich eine nicht zu knapp bemessene Regenerationszeit, die letzte (1998‐2009) war eindeutig viel zu kurz . Als Froschkiller.Demaskierte.Partei. gehört sie selbst mitsamt ihrer Riege halbgarer Frösche sofort ins Abklingbecken, quasi als alternativlose humanitäre Nothilfe.

Müssen wir andererseits über das Schwarzgeld der einen Schwarzen und das mafiöse Amigotum der anderen Schwarzen wirklich noch reden? Ja, müssen wir. Schwarzgeld in Koffern aus Luxemburg ‐ unsäglich dreist und atemberaubend zynisch als anonymes Vermächtnis von jüdischen Familien ausgeben? Dunkle Millionenbeträge, die aus Liechtenstein zum CDU‐Chef fließen? Schreiber’sche Waffendeals? Nicht zu vergessen: In allen diesen Geschichten kommen auch Todesfälle vor, nicht selten bis heute gänzlich ungeklärt. Sie erinnern sich sicher (oder lesen noch einmal nach) ‐ aber können Sie aus dem Stehgreif auch sagen, wie diese Dinge ausgingen? Kann man das alles zugunsten der Schwarzen als ordentlich erledigte Fälle zu den Akten legen? Es rollen doch schon wieder Panzer durch Bundestagsdebatten, an einer schweigenden Regierung vorbei.

Wie Fett, das immer oben schwimmt

Und Rot‐Grün? Auf deren Konten liegen ziemlich sicher und ziemlich bleiern zwei Kriegslügen im Äußeren (Jugoslawien 1998 und Irak 2003) und im Inneren der Krieg gegen den Sozialstaat (lesen Sie hierzu einmal Artikel 20 Absatz 1 Grundgesetz). Während sich das aus den rot‐grünen „Arbeitsmarktreformen“ resultierende Arbeits‐Unrecht in eine immer breiter werdende Bevölkerungsschicht hinein frisst und bei einer zunehmenden Zahl Noch‐nicht‐Betroffener (beabsichtigte) Ängste verbreitet, sodass der Sozialfrieden im Land schon deutlich spürbar gestört ist, genießen die Macher dieses Szenarios derweil exzellente und hochdotierte Ruhestandsposten, unter anderem bei Gazprom, RWE, AWD und Adecco, bei der Deutschen Bank und der Albright Stonebridge Group. Schröder, Fischer, Riester, Schlauch, Rürup, Clement. Echte Reformgewinner. Und ist es wirklich fast schon vergessen, dass das Sozial‐Übel mit Namen „Hartz IV“, aus dem heute bereits in menschenverachtender, wenn nicht volksverhetzender Weise die Bezeichnung „Hartzer“ in den stetig verrohenden Sprachgebrauch gekrochen kam, um die Verlierer gründlicher noch in den abgründigsten der Abgründe zu stoßen, dass dieser Name auf einen ‐ immerhin verurteilten ‐ Kriminellen zurückgeht? Hat wenigstens der auch verloren? Nein, „Prof. Dr. h.c. Peter Hartz“ macht privat weiter, mit „Hartz V“, was denn sonst (http://www.minipreneure.de/impressum).

Wenn Sie das alles nicht glauben mögen, dann helfen Ihnen die unten zusätzlich angegebenen Links vielleicht weiter. Oder Sie schärfen daran Ihre Argumente für eine fundierte Gegenposition. Audiatur et altera pars: Noch eine kritische Stimme zu den Grünen, gleichfalls eine (gewesene) Top‐Insiderin, Anti‐AKW‐Aktivistin, Bundesvorsitzende der Grünen, bevor sie 1991 austrat, danach die Ökologische Linke in Frankfurt gründete und sich 2008 vorläufig ganz zurückzog (allerdings wohl eher zermürbt als wirklich freiwillig):

„Die bürgerliche Moral war stets labil, jetzt ist sie ganz weg. Soziale Ungleichheit macht diejenigen, die an ihrer Verschärfung mitarbeiten und von ihr profitieren, bösartig. Sie enthemmen sich, die Maske fällt. Und sie fällt exakt in den Milieus, in denen sich die Grünen heute verorten: In der „Mitte“ und „links der Mitte“. Wie weit rechts das immer sein mag. Die Grünen sind ein ganz spezieller Motor des neokonservativen Rollbacks.“
(in: Krieg, Atom, Armut. Was sie reden, was sie tun: Die Grünen, S. 255, Rotbuch)

Ich kann die Positionen von Frau Ditfurth weder einnehmen noch kritiklos teilen, aber ihre Stimme wenigstens zu hören ist etwas von dem Wenigen, was wirklich alternativlos ist, auch wenn nach all dem meine Botox‐Vorräte endgültig aufgebraucht sind, um die tiefen Zweifelsfurchen auf der Stirn noch zu glätten. Zumal, wenn ich parallel dazu die tatsächlich grausige Sozial‐Hetze des „Professor Dr. Dr. Gunnar Heinsohn“ (Soziologe und Ökonom an der Universität Bremen) in der FAZ.net vom 16.03.2010 lesen muss:

„Solange die Regierung das Recht auf Kinder als Recht auf beliebig viel öffentlich zu finanzierenden Nachwuchs auslegt, werden Frauen der Unterschicht ihre Schwangerschaften als Kapital ansehen.“

Aus dem Kapitalbeutel der Frau Heinsohn geworfen

Ich habe sehr lange gezögert, dem Herrn hier auch noch per Zitat weitere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Aber denken Sie an die Frösche des „netten Herrn“ Rösler ‐ Hinhören tut not, sonst merken Sie am Ende wirklich nicht, dass die Temperatur steigt. Und wie soll man da nun fundiert gegen Frau Ditfurths Schlussfolgerung noch argumentieren? Achtung: Ich meine wirklich gegen ihr Argument, nicht gegen ihre Person! Schließlich haben die Grünen eilfertig die Grundlage gelegt, aus der später des gelben Westerwelles unfassbar zynische „Dekadenz“‐Hetze entsprang.

Wir sahen: Rot‐Grün hat die sozialen und militärischen Bomben in unser Nest gelegt und Schwarz‐Gelb sie gezündet ‐ und weitere hinzugefügt. Bliebe theoretisch nur eine Alternative. Aber diese eine Alternative sorgt im hermetischen Club der Etablierten fleißig mit dafür, dass erst gar keine weiteren Alternativen hochkommen können. Und wenn sie mit regiert (wie in Berlin und Brandenburg), dann fällt das folgerichtig auch nicht groß weiter auf. Und Hand aufs Herz: Das würden Sie sowieso nicht fertig bringen, oder? (Aber fragen Sie sich doch einmal, wenn niemand Sie beobachtet oder beeinflusst, warum das eigentlich so eindeutig ist ‐ Sie werden gute Gründe finden, aber wohl auch ziemlich schlechte, wenn Sie mit sich ehrlich sind).

Also wählen Sie ‐ mit Volker Pispers ‐ „das kleinere Übel ‐ aber muss das denn immer so groß sein?“. Ja leider, Volker, möchte man ihm zurufen, Du weißt doch, mit Deinen eigenen Worten: „Das ist wie Scheiße am Schuh“. Die Hessen konnten ja nicht einmal ihren Erzherzog Koch loswerden, obwohl sie ihm demokratisch sehr deutlich den Schuh zeigten, und der hinterließ ihnen dann zum Dank höchstselbst seinen Statthalter Bouffier, mitsamt dessen Schläger‐Neffen. So geht Dynastie.

Visionär: George Orwell

Ich muss zum Schluss kommen, sonst ufert das hier vollends aus. Also ganz kurz und knapp, mit George Orwell: „Und wenn alle die … verbreitete Lüge glaubten ‐ wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit“ (aus: 1984). Und im echten Jahr 1984, in den Zeiten der „geistig‐moralischen Wende“ (sic?) legte Schwarz‐Gelb unter Kohl tatsächlich viele Grundsteine der besonderen Umstände, unter denen wir heute leben. Und mit seinem breiten Pfälzer Hintern sitzt er noch heute auf der Wahrheit und über dem Recht. Vielleicht beruft er sich in seinem Innern ja darauf, dass er nie gesagt hat, wohin die Wende wirklich gehen sollte? Die ihm folgten mussten auf dem Fundament dann nur noch die Wände hochziehen und fertig war, mit Jean‐Paul Sartre, die „Geschlossene Gesellschaft“ (auch sehr lesenswert). Visionen von Künstlern haben es also offensichtlich doch häufig in sich, oder, mit Helmut Dietl: „Das Volk sieht nichts“ (Baby Schimmerlos in Kir Royal, 1986).

Noch Abwehrkräfte übrig? Dann versuchen Sie sich argumentativ doch an diesen starken Stücken (in ungeordneter Folge):

Fotos:
FDP – Author:  Unbekannt – Fundstück im Internet
Peter Hartz – Author: Alexander Kowalski – This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.
Gunnar Heinsohn – Aus einer Sendung des ZDF.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: