Teilweise erkennbar

Wo der Auftritt des Dipl-Ing. Andreas Breitling am 6. Mai 2010 schon nicht für Klarheit sorgte, setzte die unabhängige Sachverständige Dr. Regine Reimann-Önel noch einen oben drauf. Auch bei ihr war die Ausdrucksweise so wolkig wie verräterisch. Auch wenn das jetzt als „riesengroßer Befall“ dargestellt würde, wäre der „teilweise“ nur erkennbar, wenn man die Fußleisten abschraube. Das sei zwar in mehreren Räumen der Fall, aber auch da sähe das nur das „Fachauge“. Wie blind kann dieses sein, wenn es den Fachmund dann zu solchen Aussagen bringt: „In erster Line kann man jetzt nicht sagen, die Wände sind alle schwarz“. Schreibt sie solche Sätze auch in ihr Gutachten und wenn ja, was bezahlt man dafür? Jedenfalls wurden dann „in Abstimmung mit Breitling und Seliger diverse Räume gesperrt“. Und selbstverständlich habe keine Gefährdung und zu keiner Zeit“ bestanden, da der Pilz „im Wesentlichen … kaum bis gar keine Sporen in die Luft absondert“. Was heißt das alles? Ich lese daraus: Der Befall ist groß. Selbst bei Wänden, die nicht schwarz vor Schimmel sind, kann das Fachauge dennoch Schimmel erkennen. Die Sache ist gefährlich genug, um die Räume sofort zu sperren, da der Pilz zumindest teilweise Sporen in die Luft absondert. „Ich will das hier nicht verharmlosen“, sprach sie, aber urteilen Sie selbst, ob sie es nicht doch versuchte. Die Maßnahmen, die sie einleitete, las sie dann auch getreulich von den einschlägigen und gängigen Merkblättern u.a. des Umweltbundeamtes ab. Beruhigend, nicht wahr?

Mangels Bildern muss man sich selbst ein Bild machen

„Sind Sie Mikrobiologin?“ wollte Herr Prinz dann wissen und selbst wer nicht dabei war, ahnt die Antwort: Ingenieurin. Aber sie habe durchaus Kenntnisse, beeilte sie sich zu versichern. Die führten aber nicht so weit, dass „der Schimmel“ benannt und spezifiziert werden konnte. Wes Lied sie sang, wurde ohnehin immer deutlicher, wenn sie anschließend von einem schmalen Grat zwischen „ganz schneller Realisierung“ und der Fortsetzung des Schulbetriebes einerseits und den technischen Notwendigkeiten andererseits sprach. „Wegen der Frage der Gewährleistung müssen alle Beteiligten die Ursachen zunächst vollständig in Schriftform klären“. Das war dann spätestens der Satz, der verdeutlichte, warum man ein ganzes Jahr herumdokterte und der zudem ein klares Indiz dafür ist, dass man sich trotz gegenteiliger Versicherung aus dem Rathaus bei der PPP-Finanzierung eben doch auf einen Einredeverzicht eingelassen hat. Warum sonst sollte einen Mieter die Ursache des Problems bekümmern? Warum muss er sündhaft teure Anwälte beschäftigen und bezahlen, wenn doch Ursache und Wirkung so klar auf der Hand liegen, wie das Wasser, welches bestimmungswidrig ausgtreten ist und die Sache zudem zu einem glasklaren Versicherungsschaden der Police macht, die Schwarzenbek mittelbar bezahlt!? Es konnte auch nicht trösten, als die Hobby-Mikrobiologin ausführte, alles ginge „noch viel, viel schlimmer“, denn die entsprechende  Untersuchung liege ihrem Auftraggeber vor. Aber „irgendwann“ wird sie der Stadt sicherlich zur Kentnis gegeben. Man sei aber in der Entscheidungskette „ganz vorn“, denn die Aussage der Laboruntersuchung habe die Unternehmensleitung dazu bewogen, die betroffenen Räume innerhalb einer halben Stunde zu sperren. Das habe sie noch nie erlebt. Alles ganz harmlos? Warum liegt diese Untersuchung dann bis heute nicht öffentlich vor und warum antwortet man Herrn Prinz nicht?

Die tief sitzende Obrigkeitshörigkeit und Feigheit, die solche Abläufe ermöglicht, zeigte sich auch in den weiteren Fragen bzw. darin, mit welch oberflächlichen Antworten man sich zufrieden gab. So führte z.B. Herr Böttel als betroffener Vater aus, dass „Lehrer, die nicht genannt werden sollen“, sich der Schüler bedienten, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Die Frage, wem man da seine Kinder anvertraue, wurde nicht gestellt. Allerdings fragte er zu recht, warum man erst am 30.04.2010 informierte und diese Information auch nur zufällig bei den Eltern ankam? „Schulleitung und Schulträger könnten die Fragen nicht zufriedenstellend beantworten“, antwortete der Bürgermeister. Man habe sich entsprechender Experten bedienen müssen. Die Frage ging nach Information, nicht nach Antwort. Warum die Eltern allerdings nur zufällig Wind bekamen, blieb unbeantwortet, schließlich ging der Brief Müller-Altvatter auch an die Elternvertretung. Im April 2009 war doch bereits Schimmel im Musikraum, zitierte Frau Francke und fragte, wann denn darüber informiert worden sei. „Werden jetzt alle Räume überprüft und was ist, wenn die verbliebenen unbelasteten Räume nicht ausreichten?“ Die Antwort des Ing. Breitling war erneut entlarvend: „Keine Ahnung“ habe er, inwieweit da überhaupt Informationspflicht bestehe. Da war Schimmel feststellbar. Ob der Begriff Schimmel gefallen sei, wisse er aber nicht. Wollen wir zur Erinnerung in sein eigenes Schreiben vom 30.04.2009 schauen? „Die Feuchtigkeit hat zur Folge, dass sich … Schimmel bilden konnte. … Wir haben diese Stellen … freigelegt und den Schimmel in einer ersten Maßnahme abgewaschen“. Schau an, da fällt der Begriff Schimmel gleich zwei Mal. Selbstverständlich ist es hanebüchen, wie man mit dem Problem umgeht, aber noch einmal: Das Schreiben vom 30.04.2009 ist auch an den „Schulelternbeirat der Europaschule“ adressiert. Leider war offenbar weder der, noch der Schulleiter anwesend und letzteres ist unentschuldbar. Ach ja, was die Untersuchung der Räume angeht: „Wo Feuchtigkeit festgestellt wurde“, wird entsprechend untersucht.

Erneut ahnungslos, was in der Stadt passiert: Delfs

Herr Bettin fragte, ob man sich vielleicht besser einen eigenen Sachverständigen nehmen sollte und Herr Ruppert hielt das für eine sehr gute Anregung. Wenn die Stadtverordneten das beschlössen, würde er das sehr gerne umsetzen. Bis dahin aber würde er das vorliegende Protokoll veröffentlichen, da die meisten Fragen doch zufriedenstellend beantwortet worden wären. Herr Schmüser vom Bauamt wies darauf hin, dass nicht nur sein Amt, sondern auch das des Kreises und das Gesundheitsamt die Maßnahmen begleiteten. Ein Gesundheitsingenieur Werner sei ebenfalls beteiligt. Doch fragt sich jemand, warum der nicht dabei war und warum man bis heute nichts von dem Mann lesen durfte? Herr Delfs (CDU) kam zu einer ganz abenteuerlichen Schlussfolgerung: „Wenn man nicht PPP gemacht hätte, hätte man die selben Materialien verbaut und hätte jetzt die Kosten am Hals“. Insofern sei er sehr froh, dass man PPP gemacht hätte. Das entbehrt zwar jeglicher Logik und widerspricht eigenen früheren Aussagen (von wegen der selben Materialien), aber man ließ es offenbar unwidersprochen stehen. Vielleicht war man aber auch nur starr vor Entsetzen ob seiner nachträglichen Offenbarung: Er hätte erwartet, dass alle Gutachten und Feststellungen an den Schulträger gehen. Schließlich hätten er und sein Hauptausschuss noch 2 Tage zuvor „keine Ahnung gehabt“, was vorgefallen ist. Herr Schröder monierte, die Kommunikation zwischen Bürgermeister und Müller-Altvatter habe nicht funktioniert, weil Müller-Altvatter die Sache offenbar „unter sich“ ausmachen wollte. Der Schulträger sei aber vorn, mahnte der Fraktionsvorsitzende der FWS. Wie lange denn die „Notmaßnahmen“ nun noch gingen, wollte er wissen: „Sagen Sie heute Abend, wie lange das noch dauert!“ Antwort Breitling: „Die Ursache wird nun von 3 Seiten geprüft. Das sollte reichen, um entsprechend einen aussagefähigen Bericht zu bekommen“.

Fazit: Von Februar(?) 2009 bis zum 30.04.2009 hat man sicher versucht, das Problem klein zu machen und schnell unter den Teppich zu kehren. Allerdings wurden auch da bereits Räume gesperrt. Das bedeutet, der Schulleiter wusste Bescheid und hat nicht informiert. Offenbar wurden weder Schulträger, noch die Eltern darüber in Kenntnis gesetzt. Am 30.04.2009 war das Problem jedoch so groß geworden, dass Müller-Altvatter (nicht die Schule!) zur Information der Öffentlichkeit schritt. Spätestens seit diesem Schreiben an die „Stadt Schwarzenbek, Bürgermeister Frank Ruppert, Herrn Dr. Seliger und den Schulelternbeirat der Europaschule“ gibt es keine Entschuldigung mehr, warum die Kommunikation auf Seiten der Betroffenen nicht funktionierte. Können Sie sich vorstellen, dass Sie in ihrem frisch geleasten Häuschen sitzen und das nach einem Jahr zu schimmeln beginnt, ohne dass Sie sofort den Vermieter in Haftung nehmen? Die Juristen sprechen gerne von Haftungsgrundlagen und je mehr man davon habe, desto besser. Schwarzenbek hatte eigentlich drei, uneigentlich wird es aber wohl doch an dem PPP-Konstrukt und eben diesem Einredeverzicht liegen, dass man sich dennoch so schwer tat. Die Sache ist also keineswegs ausgestanden. Und auch die Fragen des Herrn Prinz sind nicht beantwortet. Auf beides sollte die Öffentlichkeit dringen, aber es wird wohl Herrn Prinz überlassen bleiben, ewig zu mahnen. Und die Redakteurin der Lübecker Nachrichten kann dann wieder gequält seufzen, wenn der unbequeme Bürger zum Mikrofon in der Einwohnerfragestunde greift, anstatt endlich auch einmal darüber zu berichten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: