Wer ist der Schwarze Peter?

In Bedrängnis: die Kirche

Entgegen anderslautenden Berichten hat der Patronatsvertreter der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Schwarzenbek, Herr Eberhard Schröder, den potentiellen Projektentwickler Frank Kiefaber aus Hamburg nicht beschuldigt, ihn verleumdet zu haben. Er fühle sich durch Aussagen dieses Herrn verleumdet, hatte Schröder auf der Gemeindeversammlung statuiert und das ist ein feiner, aber wesentlicher Unterschied. Daran, dass Herr Kiefaber getrickst hat, um sich die Zustimmung zur Eintragung der Baulast zum Nachteil der Kirche zu erreichen, kann wohl kein vernünftiger Zweifel bestehen. Wen die Aussage in dem Brief des Kiefaber, die sich auf Äußerungen von Stadtvertretern aus dem Dunstkreis der Kirche bezieht, tatsächlich verleumdet, muss hingegen offen bleiben. Natürlich ist es unappetitlich von Herrn Kiefaber, darüber zu spekulieren, wer wie abstimmt. Dass Teile der FWS eher gegen das Projekt sind, ist dabei auch nicht überraschend. Frau Jennrich dürfte am Ende des Tages aber wohl tatsächlich gegen das Projekt stimmen und das dürfte dann weniger der Solidarität mit ihrem Mann, als vielmehr dem genauen Einblick in das Geschäftsgebaren dieses Verhandlungspartners geschuldet sein. Herr Jennrich, als stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands hat hingegen klar geäußert und wurde von seinem Vorsitzenden darin bestätigt, dass der Vorstand sogar grundsätzlich bereit war, auf die Forderung des Projektentwicklers einzugehen und die 3 Meter Abstand, die er eigentlich einzuhalten hat, zu ihren Lasten in das Grundbuch zu nehmen!

Nun mag der eine oder andere denken, es ginge nur um eine theoretische Frage, da der Abstand zwischen beiden Gebäuden auch bei Grenzbebauung mehr als die mindestens 6 Meter betrage und wohl kaum wahrscheinlich ist, dass die Kirche einen Anbau zu tätigen wünscht. Aber an genau dieser Stelle setzt Herr Schröder an und verweist eben darauf, dass diese Last im Grundbuch verankert und sich auch nicht durch göttlichen Beistand in Luft auflöste, wenn die Kirche in 50 oder hundert Jahren vielleicht doch Bedarf anmelden muss. Dann wäre das kirchliche Grundstück, mindestens die zu bebauende Fläche um ein Beträchtliches gemindert. Und das kann, das darf er nicht zulassen. Das kann auch niemand von der Kirche erwarten und wer es doch tut, sollte in den Spiegel schauen und sich überlegen, ob er sein eigenes Grundstück zu Gunsten seines Nachbarn verkleinern lassen würden, weil es für die Stadt um ein wichtiges Projekt gehe. Nein, würde man nicht, es sei denn, die Stadt (oder der „Investor“) unterstriche die Wichtigkeit durch ein entsprechendes Angebot. Man kann eine Baulast ja auch kaufen und verkaufen, daran ist nichts Ehrenrühriges. Aber die Kirche sollte Herrn Kiefaber offenbar „for free“ entgegenkommen. Insofern kann kein Zweifel daran bestehen und das hat der Patronatsvertreter ja auch deutlich gemacht, dass er unter diesen Umständen immer sein Veto eingelegt hätte und daher kann zumindest nicht Herr Schröder als verleumdet angesehen werden. Da spekulierte Herr Kiefaber (und viele andere auch) wohl zurecht, dass von diesem kein Placet zu erwarten wäre.

Herr Schröder zitiert aus dem Brief des Projektentwicklers (wie vor ihm auch Frau Francke (SPD) und die Bergedorfer Zeitung.

Ist also Schröder der Schwarze Peter, der in diesem gegenseitigen Beschmutzungsverfahren gesucht wird? Wohl kaum, denn er ist nicht im Kirchenvorstand bzw. hat dort keine und ist nicht deren Stimme. Herr Schröder hat daher in den entsprechenden Beratungen in Hauptausschuss und Stadtverordnetenversammlung lediglich immer wieder darauf hingewiesen, dass er den Optimismus hinsichtlich der Planungen nicht teile und zur Vorsicht gemahnt. Nun konnte auch Herr Schröder den Verhandlungen zwischen Kirchenvorstand und Kiefaber nicht vorgreifen bzw. nicht einmal genau wissen, wie der Verhandlungsstand jeweils war. Und wer weiß, vielleicht hätte Schröder der Entscheidung sogar zugestimmt, wenn man neben den erreichten Zugeständnissen des Entwicklers auch eine Kaufsumme verabredet hätte. Schließlich hat die Stadt Herrn Kiefaber im Zuge der Verhandlungen angeblich einen Zuschlag von 100.000€ auf den ursprünglichen Kaufpreis abtrotzen können. Warum sollte die Kirche nicht auch eine solche Summe als angemessenen Kaufpreis für das zusätzliche Bauland erzielen? Herrn Kiefaber hat es jedoch gefallen, der Stadt einen einseitig veränderten Vertragsentwurf vorzulegen. Damit konfrontiert, hat die Kirche sich beeilt, in einem Schreiben noch einmal deutlich festzuhalten, wie es um den Verhandlungsstand tatsächlich beschaffen sei. Vor allem hat man offenbar darauf hingewiesen, dass die Zustimmung zur Grenzbebauung noch nicht spruchreif sei, da man noch nicht einmal einen konkreten Plan über die Beschaffenheit dieser Bebauung vorliegen habe. Lediglich der Mindestanforderungskatalog war zusammengestellt, aber auf einer solchen Basis gibt niemand eine Zustimmung zu einem Projekt. Dieser Brief wurde nun aber öffentlich als Rückfall in alte Positionen dargestellt und nahm Herr Kiefaber scheinbar zum Anlass, sich von dem Projekt zurückzuziehen. Hier hätte sich also der Kirchenvorstand deutlich als verleumdet ansehen können und wie es scheint, musste Herr Jennrich dann auch Spießruten laufen.

Der Pastor ist zurecht geknickt: Die PR-Aktion kam zu spät

Ist also der Projektentwickler Schuld an der Misere und dem empfindlich gestörten Gemeindefrieden? Man mag über dessen Verhandlungsstrategie streiten, aber er sitzt wohl kaum am längeren Hebel. Selbstverständlich ist es ein Unding, dass ein vertraulicher Vertragsentwurf einseitig verändert in Umlauf gebracht wird, um die Gegenseite auf diese Art und Weise zu weiteren Zugeständnissen zu bringen. Doch hätte die Kirche spätestens zu diesem Zeitpunkt alle Verhandlungen abbrechen und die Vorgänge deutlich öffentlich schildern müssen. Pastor Schöer, der auf ihn einzuprügeln empfahl, wenn man denn prügeln müsse, hätte an dieser Stelle sein breites Kreuz vor Herrn Jennrich stellen müssen. Immerhin war die Kirche ja bereit gewesen, bis zur Preisgabe erheblicher Werte dem Entwickler und der Stadt entgegenzukommen. Festzuhalten ist, dass Herr Kiefaber sich unmöglich und die Kirche sich naiv verhalten hat. Wer also dann? Die Verwaltung, vulgo: der Bürgermeister, wird sich fein auf die Position zurückziehen, dass hier zwischen Kirche und Kiefaber verhandelt worden wäre und man höchstens begleitend tätig war. Durfte man sich öffentlich erklären? Wohl kaum. Ob der Bürgermeister mit spitzen Bemerkungen dem Affen Zucker gegeben hat, bleibt Geschmackssache. Deutlicher sind da die Damen und Herren der schwarz-roten Koalition geworden, obgleich die sich natürlich auch das Hintertürchen offen gehalten haben. Herr Delfs zieh die Kirche zwar öffentlich der schlechten Nachbarschaft, sah sich aber auch von Herrn Kiefaber belogen. Und Frau Francke wollte dem Projektentwickler lediglich nicht die alleinige Schuld an der verfahrenen Situation zuweisen. Dennoch tendiere ich zum Schwarzroten Peter, denn die Politiker/innen haben es zugelassen, dass ausschließlich mit Kiefaber verhandelt wurde, selbst als dessen Anhandgabe doppelt und dreifach abgelaufen war, ohne dass der Mann auch nur einen konkreten Plan vorlegen konnte. Spätestens nach fruchtlosem Ablauf der verängerten Anhandgabe war es hohe Zeit, sich einem anderen Plan zuzuwenden. Stattdessen hat man die Last, sich mit Kiefaber auseinanderzusetzen, an die Kirche delegiert und die war dumm genug, sich das gefallen zu lassen.

One Response to Wer ist der Schwarze Peter?

  1. Meyer says:

    Rückschlag für Schwarzenbek ?
    Wohl oder Untergang der Stadt hängt von einem Herrn Kiefaber ab ? Die Stadtverordneten und die WVS sollten endlich aufhören zu träumen und die leeren Schaufenster im Ort und in den Nachbarstädten Lauenburg und Mölln zählen. Wir brauchen keine zusätzlichen Leerstände in Schwarzenbek. Frau Reinhold sollte einmal früh morgens auf dem Bahnhof die Pendler zählen, die täglich Richtung Weltstadt fahren. Diese Fahrgäste können am Wochenende „umsonst“ mit ihren Familien nach Hamburg fahren, um zu shoppen. Dagegen ist kein Kraut gewachsen! Die Politiker in Hamburg haben doch die Erweiterung des HVV doch nicht beschlossen, um den Pendlern etwas gutes zu tun.
    Die Posse um den Kaiserhof kommt mir außerdem sehr bekannt vor, denn mit der alten Marktschule lief das seinerzeit genauso. Alles schon vergessen ?
    Wenn die „großen“ Investoren von außerhalb, nachdem sie (absichtlich?) lange genug von unseren Politikern hingehalten wurden, endlich abspringen, taucht als Retter und Wohltäter wohl wieder ein Schwarzenbeker Investor auf ? Wird die marode Immobilie dann auch wieder zum Schnäppchenpreis an den Investor mit Insiderwissen aus nichtöffentlichen Stadtverordnetensitzungen „verschenkt?“
    Sicher ist jedoch, dass Schwarzenbek wohl zunächst einmal weiterhin mit Parteienklüngelei, mit politischem Sumpf und mit noch nicht aufgedeckten Skandalen leben muss.
    Hut ab vor Bürgern, sie ihre Freizeit opfern für Vereine und auch Kirche. Traurig ist jedoch, wie mit Herrn Jennrich umgegangen wird, der aufgrund seines Berufes und seiner langen Tätigkeit mehr Ahnung von den zur Diskussion stehenden Dingen hat, als alle Stadtverordneten und dem Bürgermeister zusammen.

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