Vom Tricksen, Verleumden und Erschleichen

Wurde sehr deutlich: E. Schröder

Zum Verdruss manchen Gemeinde-, aber auch Kirchenvorstandsmitglieds geriet die gestrige Gemeindeversammlung nach dem Jahresbericht des Vorstandsvorsitzenden Schöer zu einer Pressekonferenz und zunehmend auch zu einer Generalabrechnung mit den vermeintlichen Praktiken des bis gestern evtl. noch möglichen Investors Frank Kiefaber. Nachdem Pastor Schöer mir am Dienstag einen Interviewtermin für Mittwoch Abend zugesagt hatte, erhielt ich am Mittwoch diese Pressemitteilung und die Absage des Interviewtermins. Gerne könne ich mich aber am Donnerstag um 20 Uhr zur Vorstandssitzung einfinden und dort meine Fragen stellen. Da war mein Erstaunen natürlich groß, als ich feststellen musste, dass es sich um eine Gemeindeversammlung handelte und insofern Pressefragen in diesem Rahmen gar nicht vorgesehen waren. Insofern fragte ich also als Gemeindemitglied und berichte heute von den Antworten. Mir ist bewusst, dass ich spätestens an dieser Stelle den Status als neutraler Beobachter verletze, wenn ich selbst zur Nachricht werde, über die ich anschließend berichte, aber ich halte es ausnahmsweise wie Doc Emmet Brown in „Zurück in die Zukunft“, als er entgegen seiner eigenen Predigten eben doch in das Raum-Zeit-Kontinuum eingriff: „Pfeif drauf!“

Der Nachbar sollte näher rücken. Das macht der Kirche Angst.

Sorgte eher nicht für Klarheit: Pastor Schöer

„Hinter dem ganzen Projekt steckt eine komplexe Materie“, betonte Pastor Schöer, um anschließend trotz seiner diesbezüglich erklärten Absicht, nur wenig Klarheit zu vermitteln. In der Hauptsache bestand sein Vortrag in eben der Presseerklärung. Und die ist offensichtlich ebenso schwammig wie unzutreffend und stellt keineswegs einen Durchbruch dar, der jetzt das Projekt vielleicht doch noch ermöglichte. Pastor Schöer war es zusammenfassend sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Presseerklärung kein weiteres Entgegenkommen sei, sondern lediglich dazu diene, Missverständnisse aufzuklären. Und danach scheint es so zu sein, dass sich die Kirche im Laufe der Verhandlungen mit Kiefaber tatsächlich bewegt hatte. Nach dem Abriss des früheren Imbisses war die Grenzmauer im Bereich Markt 6 nicht mehr standsicher und hätte von der Kirche saniert werden müssen. Die hat die Mauer stattdessen abreißen lassen, sich aber einen Wiederaufbau durch einen späteren Investor sichern lassen. Auf diesen Wiederaufbau hätte man nun verzichtet und sogar eine Grenzbebauung zugelassen. Das bedeutet – und hier liegt der Hase im Pfeffer! -, dass der Mindestabstand von eigentlich jeweils 3 Metern zu beiden Seiten, dann als Grundlast alleine der Kirche zufiele!

Erschüttert: Klaus Jennrich

Die hatte sich dafür einiges ausbedungen, nämlich einen eingeschossigen Grenzbau und auf diesem keinen Balkon und Brüstung bis zur Grenze. Zusätzlich sollte der Investor für einen behindertengerechten Zugang zur Kirche, klare Formulierungen der Gebäudefluchten und des Weges, keine Schaufenster an dieser Grenze sowie die Fluchttür in der Struktur der Fassade Sorge tragen.  So ist es seinerzeit zu Lübeck zwischen Kirchenaufsicht und Kiefaber ausgehandelt worden. Diesen Vertragsentwurf wollte die Aufsicht dem Kirchenvorstand zur Unterschrift empfehlen und bis dahin war selbstverständlich Vertraulichkeit vereinbart. An dieser Stelle soll nun Herr Kiefaber den Entwurf ohne weitere Abstimmung redigiert und der Verwaltung als vermeintliches Ergebnis vorgelegt haben. Die Darstellung seitens Politik und Verwaltung, dass die Kirche etwa immer neue Forderungen aufstellte, sei definitiv falsch. Vielmehr sei es ohnehin ein Unding gewesen, dass man immer mit dem Investor hätte verhandeln sollen, ohne dass der jemals konkrete Pläne vorgelegt hätte. Weder habe es einen Bauvorantrag, noch konkrete Zeichnungen gegeben, denen man hätte zustimmen können. Und schließlich wollte Kiefaber quasi eine Blankovollmacht haben, sprich: eine Zustimmung für die Eintragung der Baulast nach Landesbauordnung auf dem Grundstück der Kirche. Das habe man abgelehnt, wobei der Kirchenvorstand grundsätzlich dazu offenbar bereit war. Nur wäre es Sache des Investors gewesen, einen konkreten Plan vorzulegen. Und daher sei jede in Aussicht gestellte Zustimmung noch ein Muster ohne Wert, denn noch habe der Kirchenvorstand nichts beschlossen.

Mit eigenem Kopf ausgestattet: C. Bethien

Nun war die Reihe an Eberhard Schröder und der war wütend und machte daraus auch keinen Hehl. Während Herr Jennrich bis ins Mark erschüttert war, dass er nun Spießruten laufen müsse, obgleich er nichts anderes getan hatte, als die Interessen der Kirche fast bis zur Selbstaufgabe zu vertreten, gab sich der  Patronatsvertreter kämpferisch: Er habe zwar keine Stimme im Vorstand, aber auf das Vermögen der Kirche zu achten und genau das werde er tun. Man könne gewiss sein, dass er Einspruch gegen einen Beschluss des Kirchenvorstands einlegte, der die Baulast eintragen ließe. Eine solche bekäme man nicht mehr los und bedeute zudem nichts anderes, als eine Vergrößerung und damit Wertsteigerung des städtischen Grundstücks zu Lasten der Kirche. Das werde er nicht zulassen. Und dann zitierte er aus dem Brief des Herrn Kiefaber, der in dem vorliegenden Ergebnis seinen Eindruck verfestigt sähe, dass das Projekt von Seiten des Kirchenvorstands weiter abgelehnt würde. In Anbetracht diverser Äußerungen einiger Stadtverordneter erwarte er zudem keine Veränderung und zöge sich daher zurück. Mit diesen Aussagen verleumde Herr Kiefaber aus Sicht des Patronatsvertreters nicht nur ihn, Schröder, sondern auch Frau Jennrich. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Kirchenvorstand mit einem solchen Trickser, der sich die Zustimmung für die Baulast unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu erschleichen suche, einen Vertrag schlösse. Er könne sich ebenfalls nicht vorstellen, dass der Bürgermeister einen Vertrag schließt und die Gemeinde dadurch zwingt, sich mit Kiefaber über die Baulast zu einigen. Als sich dann auch noch die erfrischend junge Stimme der Christina Bethien aus dem Kirchenvorstand zu Wort meldete, dass ja noch alles offen sei und jede/r im Vorstand ihren/seinen eigenen Kopf habe, stand wohl endgültig fest, dass der Kaufhaus-Deal geplatzt ist.

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