Gepokert, genötigt und gewonnen

Das war der Kirche anscheinend doch zu viel. Die veröffentlichte Meinung ging in die gewünschte Richtung, stellte den frommen als den bösen Nachbarn dar, der auf seiner Grenzmauer bestand, weshalb der wichtigste Investor Schwarzenbeks abgesprungen sei. Ob nun noch mehr Kirchenaustritte als in der Vergangenheit drohten oder Pastor Schöer ein fortdauerndes Imageproblem sah, kann ich leider nur spekulieren, denn nicht alle akkreditierten Medien waren zu dem gemeinsamen Pressegespräch eingeladen worden. Jedenfalls ist man nach drei Jahren plötzlich und unvermutet umgefallen und will nun doch die Grenzbebauung gestatten. Festzustellen bleibt, dass die Rechte der Kirche erheblich verletzt wurden. Üblicherweise wird ja auch und gerade in Schwarzenbek darauf geachtet, dass bauliche Aspekte nicht-öffentlich behandelt werden und das hat ja auch seinen guten Grund. Hier schien man nun aber eine Ausnahme zu machen und es hat ja auch funktioniert: Der Nachbar sah sich durch öffentlichen Druck genötigt, der Grenzbebauung zuzustimmen, auf sein Recht zu verzichten. Wie es aussieht, wird die Kirche die Stadt auch nicht etwa auf Schadensersatz in Anspruch nehmen. Die PR-Fotos mit Bürgermeister Ruppert und Pastor Andreas Schöer in den Lübecker Nachrichten und der Bergedorfer Zeitung sind der Kirche eventuell Entschädigung genug.

Nun darf das Kaufhaus entlang der Mauer hochgezogen werden

Ein Missverständnis sei das alles gewesen und innerlich habe man sich längst mit der Grenzbebauung angefreundet und diese „gedanklich schon länger akzeptiert“, das aber vielleicht nicht ausreichend kommuniziert, versucht man die 180°-Drehung jetzt schönzureden. Und prompt will Herr Kiefaber sich den neuen Vertrag auch anschauen und selbstverständlich habe er nach wie vor den ersten Zugriff, auch wenn sich, folgt man dem Bürgermeister, noch genügend andere Investoren interessieren. Gestern hatte man noch niemanden und sah auch für die Zukunft keine Chance auf andere und heute stehen sie Schlange? Vielleicht liegt das ja auch an der entfallenen Verpflichtung, drei Meter Abstand zur Mauer halten zu müssen? Jetzt darf jedenfalls bis an die Grundstücksgrenze heran gebaut werden und wem die hohle Gasse zwischen Jugendtreff und Kirche bereits als schmal und dunkel erschien, der darf sich jetzt auf eine Fortsetzung bis an die Straße heran freuen. Die Parkplätze entfallen dann natürlich auch, inwieweit nun auch Schaufenster in diese Gebäudeseite eingefügt werden dürfen, wird sich weisen. Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch noch, dass der Bürgermeister nun auch über eine europaweite Ausschreibung nachdenkt. Warum hat man das vorher nicht getan?

„Nach drei Jahren zu der Erkenntnis zu kommen, am Scheitern hat der Nachbar Schuld, klingt nicht sehr glaubwürdig“, wird der FWS-Fraktionsvorsitzende und Kirchenpatron Schröder in den Lübecker Nachrichten zitiert und wirkt mit seinem Nachsatz, das Urteil der Jugend werde vernichtend sein, wie ein schlechter Verlierer des Pokerspiels. Denn die Frage muss ja erlaubt sein, wie es überhaupt angehen kann, dass sich angeblich alle einig sind, wie wichtig das Projekt für Schwarzenbek ist und man sich dennoch nicht einigen konnte. Wie so oft beim Pokerspiel musste offenbar ein Bluff her, um das Blatt zu wenden. Die schwächsten Nerven in diesem schmutzigen Spiel hatte offenbar die Kirche, jedenfalls seitdem man mehr oder weniger öffentlich spielte und die einen oder anderen Spieler die Karten untereinander austauschten. Denn wer mag jetzt noch an Zufälle und einen Spieler glauben, der eben noch passte und jetzt wieder im Spiel ist? Wie kam es denn, dass zufällig die Bergedorfer Zeitung Wind von dem Schreiben bekam? Wie konnte und durfte der Bürgermeister den Inhalt bestätigen, wo das doch ein nicht-öffentlicher Tagesordnungspunkt ist? Wird mit gezinkten Karten gespielt oder ist die Verzweiflung einfach nur groß genug, dass man auch die letzte Zurückhaltung über Bord wirft? Ob die Kirche nun aber gut beraten war, auf diesen offensichtlichen Bluff hereinzufallen und eine Forderung sausen zu lassen, die man drei Jahre lang aufrechterhalten hatte, darf bezweifelt werden. Warum trifft man sich überhaupt noch zu einem Gespräch, wenn der Investor sich bereits öffentlich von dem Projekt distanziert hat?

One Response to Gepokert, genötigt und gewonnen

  1. von Interesse says:

    Da dem Investor ja nun eine größere Fläche zur Bebauung zur Verfügung steht, das Grundstück quais größer geworden ist, wäre es doch nur gerechtfertigt, nun auch einen höheren Kaufpreis zu verlangen.

    Ich bin der Meinung, man sollte zunächst die europaweite Ausschreibung abwarten, wenn diese tatsächlich gewollt ist und durchgeführt wird. Problm: die Stadt steht so gewaltig unter finanziellem Druck, das man umgehend den Verkaufserlös benötigt zwecks Umzug Jugend in die Compeschule.

    Herr Pastor Schoer ist freizusprechen. Er ist ja noch nicht lange in Schwarzenbek. Das man sich aber vom Kirchenvorstand rausredet es sei ein Missverständniss (drei Jahre??) das wundert mich. Aber vielleicht verliert man den Überblick, wenn einzelne Personen nach zu vielen Ämtern jagen.

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