„Ich muss auch in den Spiegel gucken können“

Der Lauenburger Bürgermeister und noch amtierende Geschäftsführer der Schwarzenbek Marketing GmbH über eben diese, das Schüren von Spekulationen, Grundstücksgeschäfte in China und den zweifellosen Standort des European Textile Center in Schwarzenbek.

blackbekblog: Herr Thiede, Sie haben die Fragen gelesen, was sagen Sie dazu?

Thiede: Die Fragen sind für die Öffentlichkeit sicher interessant, aber die Frage ist auch, inwieweit die Marketing GmbH dazu überhaupt Auskunft gibt.

blackbekblog: Immerhin wurde ich an den Geschäftsführer und an den Aufsichtsratsvorsitzenden verwiesen. Nur liegt der eine im Krankenhaus und der andere ist jetzt Bürgermeister in Lauenburg. Und wenn der dann Schwarzenbeker und Lauenburger Politiker und den Herrn Zhu zum Essen ausführt, überlegen die Menschen, ob das Geschäft jetzt in Richtung Lauenburg geht. Wenn dann noch Herr Ruppert im Interview sagt, die Kontakte des Herrn Thiede sind für Schwarzenbek verloren, dann verstärkt das diese Ängste noch.

Thiede: Ich habe jedenfalls klar, aber wirklich in aller Deutlichkeit und immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass es einen Wechsel des European Textile Center von Schwarzenbek nach Lauenburg nicht geben kann. Das würde ich auf gar keinen Fall unterstützen, geschweige denn betreiben. Ich würde es sogar verhindern, wenn das von dort gewollt würde. Aber auch das ist unwahrscheinlich, weil es ja allein durch die Partnerschaft Schwarzenbeks mit Haimen dazu gekommen ist. Aber auch wenn es das nicht wäre, könnte man sich so nur ein Mal im Leben verhalten. Ich muss ja auch in meinen Spiegel gucken können.

Hier soll einmal das ETC entstehen: Die Fette Schafweide

blackbekblog: Wenn Herr Zhu aufgrund der Verbindung zu Ihnen sagte, er macht das entweder in Lauenburg oder gar nicht, dann kann man sich hinterher auch noch im Spiegel angucken, weil man ja gar keine andere Wahl hatte.

Thiede: Nein, das würde die Öffentlichkeit nicht verstehen. Und ich hätte damit auch meine Probleme.

blackbekblog: Das kann also auf keinen Fall passieren.

Thiede: Auf keinen Fall. Aber das sind ja Gedanken, die teilweise auch geschürt werden, die teilweise auch durch Sie geschürt wurden.

"Ich hätte meine Probleme damit"

blackbekblog: Wenn man nicht antwortet, schürt man selbst jede Art der Spekulation.

Thiede: Ja, aber nun habe ich zum Beispiel viele Monate etwas über mich lesen dürfen, ohne dass Sie überhaupt jemals den Versuch gemacht hätten, mit mir zu reden.

blackbekblog: Für mich ist die Politik hauptverantwortlich und ich kann nicht begreifen, wieso die Politik dafür stimmte. Auch jetzt noch dafür stimmt, wo selbst der Bürgermeister sagt, dass nicht nur der Geschäftsführer, sondern auch die Geschäftsidee, abhanden gekommen ist, denn die besteht aus den Kontakten.

Thiede: Zu den jetzigen Entwicklungen kann ich nichts sagen, das weiß ich tatsächlich nicht.

blackbekblog: Der Geschäftsführer war für mich insofern bislang völlig uninteressant. Sie sind städtischer Angestellter gewesen und dann wurden Sie nolens volens außerdem zum Geschäftsführer einer GmbH gemacht.

Thiede: Mein Dienstherr kann mich zu etwas verpflichten. Ich bin Beamter und wenn der sagt, du bist das jetzt, dann bin ich das. Entscheidend ist, das Ganze ist ohne zusätzliche Bezahlung gewesen, rein ehrenamtlich, wenn Sie so wollen.

blackbekblog: Es hat Ihnen aber auch nicht gerade bei dem Vorhaben geschadet, Bürgermeister in Lauenburg zu werden. Allerdings wäre es wohl auch idiotisch, nicht zu kandidieren, weil die eigene erfolgreiche Tätigkeit einem zugute kommen könnte.

Thiede: Genau.

blackbekblog: Aber ich würde gerne Ihre Einschätzung kennen lernen wollen, ob das Vorhaben noch klappen kann. Herr Ruppert führt jetzt die Verhandlungen und der hat wohl nicht den persönlichen Draht zu Herrn Zhu, den Sie offenbar haben.

Thiede: Vermutlich verbindet man meine Person mit diesem Vorhaben. Und natürlich gibt es da persönliche Kontakte. Aber wenn das nichts wird, dann ist das doch auch für mich persönlich eine Niederlage, ob ich nun in Lauenburg, in Schwarzenbek oder sonst wo sitze.

blackbekblog: Geht es nicht zu weit, von einer Niederlage zu sprechen?

Thiede: So empfände ich das. Wenn man in seiner Arbeit so verwurzelt ist und so viel Zeit investiert hat, dann ist das eine Niederlage. Von daher habe ich ein starkes Interesse, dass das etwas wird. Und wenn ich das in irgendeiner Art und Weise unterstützen kann, dann mache ich das natürlich auch. Aber das ist natürlich nicht mehr in diesem Ausmaß möglich, wie es vorher war.

blackbekblog: Was empfänden Sie denn, falls die Stadt eine Provision für ein Geschäft erhielte, welches ohne einen entsprechend zu beschließenden Bebauungsplan gar nicht zustande käme?

Thiede: Wo Sie das mit der Provision immer her haben, ist mir nicht klar.

blackbekblog: Herr Ruppert hat Provisionen als hauptsächliche Einnahmemöglichkeit der Marketing GmbH bestätigt. Einen Aufsichtsratsbeschluss, wonach Grundstücksgeschäfte wieder ausgeschlossen worden wären, wollte er indes nicht bestätigen.

Thiede: Also das habe ich weiß Gott anders gesehen bisher. Ich bin auf den Reisen immer wieder auf Unternehmen getroffen, die sich nicht etwa in  Deutschland ansiedeln wollten, aber durchaus an Kooperationen interessiert waren. Wenn wir dann eine Firma aus China mit einer aus Deutschland zusammenbrachten, dann sind da Leistungen entstanden, die wir aber nicht berechnen konnten. Und dafür war das gedacht. Allerdings ist das am Ende auch schon nicht mehr dazu gekommen, weil die Marketing GmbH bei den ersten, die wir gemacht haben, noch lang nicht so weit war und nachher kam dann in diese Richtung nichts mehr.

blackbekblog: Hat die Marketing GmbH die ganze Zeit die Kosten für die Anbahnung des Geschäftes mit Herrn Zhu getragen, z.B. auch die Kosten für das bewusste Essen in Lauenburg im Restaurant Möller?

Thiede: Dieses Essen in Lauenburg hat nicht die Stadtmarketing GmbH gezahlt. So viel kann ich sagen.

blackbekblog: Herr Delfs hat gesagt, der Bürgermeister von Lauenburg hat bezahlt.

Thiede: Ich war derjenige, der das an der Kasse bezahlt hat. Da gibt es auch nichts zu verheimlichen. Herr Zhu wollte mich unbedingt hier in meiner ersten Arbeitswoche besuchen. Das war ihm wichtig, u.a. weil er auch schon meinen Vorgänger hier in Lauenburg besucht und die Stadt ihm so gut gefallen hat. Zudem hatte er ausländerrechtliche Angelegenheiten zu erledigen und wollte diese beiden Dinge miteinander verbinden. Wie sollte ich nun diesen Besuch zulassen, ohne dass der Eindruck entsteht, ich könnte ihn etwa auch geschäftlich nach Lauenburg lotsen? Ich rief also meinen Bürgermeisterkollegen an und fragte, ob er nicht dabei sein wollte. Der schlug dann vor, die Fraktionsvorsitzenden der Politik von beiden Seiten auch einzuladen, damit das ganz offen und transparent ist. Und so geschah das dann, nicht mehr und nicht weniger. Wir waren nicht einen Moment alleine, sondern es war die ganze Zeit eine offene Kommunikation unter allen Beteiligten. Es gibt da wirklich keine Geheimnisse.

blackbekblog: Erstaunlich nur, dass alle anderen Befragten vor dieser Frage fast wie Kaninchen vor der Schlange erstarrten. So schürt man Spekulationen.

Thiede: Vielleicht sollte man sich häufiger persönlich unterhalten, um das eine oder andere auch noch aus dem Weg räumen. Denn ich glaube, wie Sie schon sagen, wenn man um die Dinge genau weiß, dann sieht manches anders aus.

Im Showroom soll bald deutlich mehr zu sehen sein

blackbekblog: Ein wunder Punkt bleibt und daraus mache ich auch kein Geheimnis: Man kann nicht von einem Investor Geld einnehmen und dann noch unbefangen über den Plan des Investors entscheiden.

Thiede: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass da Provision fließt. In China werden die Grundstücke nur gepachtet und zudem gibt es eine höhere Nachfrage, als tatsächlich Grundstücke vorhanden sind. Wenn man eine Zuweisung erhält, dann akzeptiert man die Bedingungen wie sie sind. Herr Zhu musste erst einmal von uns erklärt bekommen, wie man hierzulande ein Grundstück kauft. Die ganzen Begleitumstände, sprich Grundsteuer, Notar, Grunderwerbssteuer etc. mussten ihm erst einmal genau definiert werden. Und dann musste man ihm auch noch die Bedeutung von Bebauungsplänen oder Flächennutzungsplänen erklären. Und da hat er gesagt, damit könne und wolle er sich gar nicht befassen.  Er wollte nicht die einzelnen Positionen, sondern nur die Gesamtkosten je m² wissen. Und dann hat man ihm einen Betrag gesagt, In dem all diese Nebenkosten enthalten waren. Und insofern ist es schon falsch von Provision zu sprechen, sondern man muss eigentlich von den Nebenkosten sprechen. Um nichts anderes geht es.

blackbekblog: Und dann akzeptierte er den Preis grundsätzlich und man sah die Gelegenheit, diese Nebenkosten inklusive Courtage zu verwirklichen?

Thiede: Nicht die Courtage! Man hat diesen Preis inklusive dieser Nebenkosten ohne Courtage zusammengerechnet und ihm benannt. Und das war die ganze Zeit die Rechnungsgröße.

blackbekblog: Herr Bürgermeister, vielen Dank für das Gespräch.

One Response to „Ich muss auch in den Spiegel gucken können“

  1. Robert T. says:

    „Thiede: Ja, aber nun habe ich zum Beispiel viele Monate etwas über mich lesen dürfen, ohne dass Sie überhaupt jemals den Versuch gemacht hätten, mit mir zu reden.“
    Na, dann fragt man sich doch, warum nur eine Holeschuld der Bürger gesehen wird und nicht eine Bringeschuld der Politik. Wer ein Interesse hat, transparent zu arbeiten, wird doch wohl per Mitteilungen an die Presse gehen oder in öffentlichen Sitzungen mal das Wort ergreifen. Warum ist das denn nicht geschehen? Schwarzepeterspiele sollten lieber unterbleiben. Sonst hat man doch schon wieder das Gefühl, dass sie als Ablenkungsmanöver fungieren.

    „Thiede: Ich war derjenige, der das an der Kasse bezahlt hat.“
    Na, dann mal gut hingeschaut bei der nächsten Kassenprüfung in Lauenburg.

    „Thiede: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass da Provision fließt.“
    Na, dem Terminus Technicus nach zu urteilen, wird vermutlich aus einem Bürgermeister schneller ein Politiker als man vermutet.

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