Man müht sich bisweilen redlich

Die Brüggemannsche Koppel in der Beplanung

Bei aller notwendigen Kritik an der Arbeit der Verwaltung und Selbstverwaltung soll nicht vergessen werden, dass die dort zu verrichtende Arbeit bisweilen sehr mühsam, aufwändig und wie Herr Ruppert vielleicht sagen würde: wenig spannend ist. Selbst eine grundsätzlich so interessante Aufgabe wie die Planung eines neuen Stadtviertels oder Quartiers, mithin die Aufstellung eines Bebauungsplanes, zumal für ein Wohngebiet, kann zu einer relativ quälenden Materie werden. Die interessierten Leser sollten die Anlagen zum Entwurfs- und Auslegungsbeschluss nur einmal durchblättern, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was dabei alles bedacht und beachtet werden muss. Es kann dann nicht verwundern, wenn die einen oder anderen Verantwortlichen angesichts später Fragen oder Änderungswünsche auch einmal leicht irritiert mit den Augen rollen. Dabei hatte die für den grünordnerischen Fachbeitrag verantwortliche Frau Jakobs den etwas leichteren Part. Der für den Bebauungsplan im Einzelnen zuständige Projektentwickler Joachim Schultz sah sich einer intensiveren Befragung durch den Ausschuss ausgesetzt.

Ein gewisses Interesse war vorhanden

Dieser war nicht nur mit den Mitgliedern besetzt, sondern von weiteren 6 Stadtverordneten und 8 Einwohnern besucht und auch die Presse war weitgehend angetreten. Zwar hatte nicht nur die FDP zusätzliche Anträge eingebracht, sondern auch die FWS noch Beratungsbedarf angemeldet, dennoch sollte die erste Lesung abgehalten werden. Das grüne Thema war dabei weitgehend unstrittig. Das infragestehende Gelände an der Brüggemannstraßesei zwar eine relativ artenreiche Grünfläche, führte Frau Jakobs aus, aber neben den ohnehin entweder unter Biotopschutz stehenden Knickbeständen oder unter die Schwarzenbeker Baumschutzsatzung fallenden Eichen und Linden gäbe es auf dem stetig Richtung Süden abfallenden Niederungsrand der Schwarzen Beke keine wesentlichen prägenden Elemente. Eine besonders mächtige Eiche muss wohl weichen, ansonsten waren im Plan aber extra markierte Stellen, an denen besondereSchutzmaßnahmen für die Knick- und Baumbestände zu beachten sein werden. Die Pflege des Knicks an der Brüggemannstraße verbleibe in öffentlicher Hand, die übrigen Knicks werden mangels Erreichbarkeit von den späteren Anwohnern zu pflegen sein. Durch den südlich angrenzenden Bahndamm fehlten ca. 1,3 ha. Ausgleichsfläche, das werde jedoch durch eine südlich des Bahndamms noch deutlich hinter der Kleingartenkolonie liegende 2,5 ha. große Fläche entlang des Hegegrabens ausgeglichen. Bemängelt wurde seitens einer Stadtverordneten die Reglementierung, wonach die Anwohner maximal 100 cm hohe Hecken oder 120 cm hohen Sichtschutz um ihr Grundstück ziehen dürften. Frau Jakobs versicherte zwar, dass das nur für die an öffentliches Gelände grenzenden Grundstücksseiten gelte, warum das die Fragerin besänftigen konnte, erschloss sich nicht.

Frau Binder hakt nach

Joachim Schultz hatte da einen schwereren Stand. Auch wenn er versicherte, alle Vorschläge incl. der Bürgeranregungen seien eingearbeitet, jedoch verändere sich dadurch nichts in der Frage, was wo gebaut wird. Zusätzlich muss aber offenbar ein Pumpwerk errichtet werden, da eine vollständige Entwässerung ansonsten nicht möglich sein würde. Es wurde zwar nicht erwähnt, aber auf den Aspekt einer funktionierenden Drainage sollten künftige Häuslebauer achten, denn der Boden scheint nicht besonders aufnahmefähig zu sein.  Was den Lärmschutz angeht, sollten künftige Anwohner ebenfalls eigene Hörproben vornehmen: Es ist nicht etwa der Schall, der lediglich 30 bis 35 dB betragen soll, wie die Lübecker Nachrichten heute zu berichten wissen. Der Schall sei lediglich 5 db geringer als gedacht, weshalb als Dämmmaß grundsätzlich nur 30 bis 40 db nötig wären. Trotz der Lärmschutzwand (laut Unterlagen 2 m, laut Herrn Schultz‘ Vortrag aber 3 m hoch) müssten die Außenwände der zu errichtenden Häuser eben dieses Dämmmaß einhalten, weshalb Leichtbauweisen auch nicht zulässig sein werden. Gänzlich offen blieb, wie laut es dort tatsächlich ist, zumal außerhalb der geschlossenen Häuser auf Terrassen und in Gärten. Beruhigend für die Kleingärtner gegenüber könnte sich auswirken, dass die Schutzwand den Schall nicht etwa reflektiere, sondern „hoch“ absorbiere, mithin offenbar eine Schallschluckwand sein soll.

Keine Lust auf neuen Stress mit der Bahn

Die Grundstücksgrößen habe man nicht festgesetzt, im Schnitt betrügen diese 650 bis 700 m², einige kleinere habe man eingestreut. Die Bebauung erfolge von Nord nach Süd etwas dichter und von eingeschossiger zu zweigeschossiger Bauweise, was dem Gebiet nicht nur Struktur verleihe, sondern sich auch hinsichtlich des Schallschutzes für die dahinter liegenden Gebiete positiv auswirke. Der Ausschuss mahnte dann noch weitere öffentliche Parkplätze an, welche Herr Schultz noch einzuplanen versprach. Ohnehin hat man offenbar aus vergangenen Fehlern gelernt und plant inzwischen etwas großzügiger. Und vorsichtiger ist man wohl auch geworden. Jedenfalls konnte den Ausschuss nicht befriedigen, welche Klausel die Bahn in den Vertrag einzubringen gedachte. Danach sollen aus einer eventuellen Steigerung des Verkehrs keinerlei Ansprüche erwachsen dürfen. Auch wenn der Entwickler beteuerte, man habe von den prognostizierten Zahlen von 2025 aus berechnet, wollte Herr Delfs als „gebranntes Kind“ diesen Passus am liebsten gestrichen sehen. Ohnehin bedarf es hier der Nachverhandlung, denn auch Frau Wladow und Herr Böttel monierten unbestimmte Rechtsbegriffe und unbekannte Absprachen. Das hat man in Schwarzenbek offenbar verstanden, dass die Bahn kein Partner ist, mit dem man allzu schwammige Vertragsformulierungen eingehen sollte. Nach Herrn Schultz liegen 2 Vertragsentwürfe vor, mithin könne das noch eingearbeitet werden. Man darf also gespannt bleiben.

One Response to Man müht sich bisweilen redlich

  1. Bekannnt says:

    Das obige Bauvorhaben ist in meinen Augen sehr gewagt, denn hier spielen doch einige Faktoren eine Rolle, die bis jetzt noch nicht bedacht wurden. Wer ist für den Knick zuständig, wie dicht darf man an den Knick bauen, wer muß die Kosten für die Pflege des Knicks tragen, wie soll die Strassenführung laufen, wie soll die Anfahrt für den Rettunsdienst und der Feuerwehr sein? Oder wird so bebaut, daß mal wieder schwierig wird für die Feuerwehr? Wie soll der Bauverkehr laufen , wie soll am Ende die Zu- und Abfahrten sein, wie hoch wird das Aufkommen an Autos mit sich bringen, wie wird die Lärmbelästigung? Es gibt mit Sicherheit noch mehr Fragen , die sich einem stellen, nur dann würde die Seite nicht aussreichen.
    Für dieses Projekt müßen Fachleute ran , die Ahnung von solchen Wiesen haben. Nehmt nicht alles weg, was grün ist!

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