Ja, er ist mit dem Radl da

Müsste jetzt eigentlich auf grünem Grund erscheinen

Als ich letztlich gegen 17 Uhr die Fritz-Reuter-Straße in Richtung Möllner Straße entlang ging, sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite von rechts einen Radfahrer kommen und staunte nicht schlecht. Jetzt ahnen Sie vielleicht schon, wer da mit Schlips und Kragen meinen Weg kreuzte. Bürgermeister Frank Ruppert radelte mit solidem Tempo trotz Gegenwind am Amtsgericht vorbei in Richtung Nord-Ost. Er wirkte zwar etwas verspannt, den Blick starr nach vorn, aber da mögen Anstrengung und Termindruck zusammengekommen sein. Vielleicht war es ihm auch ein wenig unangenehm, also ganz generell, nicht etwa meinetwegen. Mich hat er mit Sicherheit gar nicht bemerkt. Aber es ist schon ein ungewöhnliches Bild, den Verwaltungschef im Anzug auf dem Drahtesel zu sehen.

Es erfordert sicher auch etwas Mut, denn wir wollen nicht so tun, als wenn Autos, zumal Geltungstriebwagen, nicht noch immer Statussymbole wären und ein Herr im Anzug auf dem Fahrrad noch immer ein wenig wirkt, wie ein Junge im Häkelkurs. Mein blöder Vergleich zeigt Ihnen, wie sehr ich selbst in überkommenen Schemata denke. Insofern verdient der Bürgermeister Respekt. Nun hielte ich meine Entdeckung ganz sicher nicht reif für einen Artikel, ebensowenig wie den privaten Autoverkauf zuvor in der LN, aber nachdem ich nicht nur das, sondern auch den medial begleiteteten Eintritt bei den Grünen scharf kritisierte, wollte ich nicht unerwähnt lassen, dass er tatsächlich Fahrrad fährt. Allerdings ohne Helm, aber das wäre wohl zuviel verlangt.

4 Responses to Ja, er ist mit dem Radl da

  1. Arno Boldt says:

    Den Nachrichtenwert hast du ja begründet; zumal – hier im Blog – alles etwas kleiner gestrickt werden kann. In einer Tageszeitung wäre das in der Tat eine Nullnachricht – auch, wenn man im Vorhinein über das grüne Etikett des Bürgermeisters berichtet hat. Ein Blog lebt von schnelleren Fingern, auch kleineren Denkanstößen, die letztlich keine Rücksicht auf Verkauf nehmen müssen.

    Schnelle Finger sind aber für den konstruktiven Journalismus ein Hindernis. In letzter Zeit empfinde ich den Journalismus der großen deutschen (Online-)Medien nicht als 4. Gewalt, sondern vielmehr als willige, aber nichtsdestoweniger blinde Offenbarer aktueller Debatten/Politik. Als Beispiel ist der Gurkenskandal zu nennen. Freimütig wird über spanische Gurken berichtet: Experten hätten herausgefunden… Früher lachte man bei der Bullyparade noch über solche Sätze. Heutzutage klebt man mit aller Ernsthaftgkeit an solchen Formulierungen.

    Ein Hin und Her der Nachrichten zieht sich durch die Medien. Darstellung und Gegendarstellung, ein Gewusst-Wie und ein Nein-Irrtum wälzen sich tagtäglich über die Gemüter der Konsumenten.

    Das Hick-Hack um die bin Laden-Tötung ist exemplarisch dafür, wie die Medien vorgeführt werden. Ein Detail wird herausgegeben.. Meldungen folgen. Detail wird geändert, Meldungen ändern sich. Der willfährige Journalismus ist zzt. en vogue. Und dabei bin ich der Meinung, dass selbst in der heutigen schnellen Informationsverbreitung die Lancierung einer Meldung – nach Erstveröffentlichung in einem anderen konkurrierenden Medium – locker 1 Std. warten kann, bis es „dringend“ wird, selbst zu veröffentlichen. Diese Zeit sollte man für eine erweiterte Recherche nutzen. Das ist sicher alles gut gesagt… das Gefühl stellt sich aber bei mir ein, dass dies selten gemacht wird.

    Okay, war themenfremd, tut mir leid – lag mir aber auf Herz und Zunge.

    vg
    arno

  2. Bekannnt says:

    Ich bin ein Fan von diesem Blog und ich kann gar nicht so schnell auf die Artikel antworten. Ich bin froh darüber, daß Herrn Borchelt wieder die Lust gepackt hat, die Probleme in Schwarzenbek so zu beschreiben wie Sie sind. Leider sind diese Artikel in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt. Es ist unmöglich, wie sich die Stadverordneten und der Bürgervorsteher benehmen,schade, schade!
    Ich kann meinem Mitschreiber nicht zustimmen, denn was sich hier unser Bürgermeister leistet, schreit zum Himmel. Man kann sicherlich den EHEC Virus auf Schwarzenbek übertragen, denn keiner weiß, wo der Virus der Unfreundlichkeit auf einmal herkommt. Keiner weiß genau, was es mit der Marketing Gesellschafft auf sich hat; keiner weiß, was nun aus dem Projekt Makt 6-8 wird; keiner weiß, wer den Virus entfernen kann, und nun kommt der Bürgermeister her und geht mit den Grünen in die Koalition. Er kommt sogar mit dem Fahrrad zur Arbeit, um Kosten zu sparen. Sehr lobenswert, aber die Damen und Herren Stadtverordneten lehnen eine Kürzung ihrer Bezüge ab; ist hier auch ein Virus im Programm? Ich könnte noch mehr solcher Fälle aufzählen, aber ich lasse es lieber sein. Vielleicht kommt bald ein guter Engel und entfernt die Viren, die Schwarzenbek im Moment heimgesucht haben. Wir haben nicht mehr viel Zeit!
    Nein, themenfremd war der Kommentar nicht , denn man kann sehr wohl wie ich versucht habe diesen Kommentar auf Schwarzenbek beziehen.

  3. Margret Jennrich says:

    Sehr geehrte/r Unbekannt,

    eine Anmerkung zu Ihrem Kommentar:

    Nicht alle Stadtverordneten haben der Erhöhung der Aufwandsentschädigung zugestimmt.
    Hier zur Erinnerung noch einmal einen Auschnitt aus dem Blog von Anfang April 2011:

    „Vielleicht erinnern die Älteren unter Ihnen sich noch an den Antrag der FDP, alle Entschädigungen um 10 % zu kürzen, um wenigstens ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Dieser Antrag wurde in die Ausschüsse verwiesen und ward seitdem nicht mehr gesehen. Mit dem Antrag der FWS vom 4. Februar, welcher der automatisierten Anhebung maßvoll begegnen wollte, sollte den Stadtverordneten dieser Fehler nicht wieder unterlaufen. Deshalb wurde abgestimmt, wer für die uneingeschränkte Anhebung der Diäten, mithin gegen den Antrag der FWS ist. Dankenswerterweise wurde das namentlich getan und daher können Sie jetzt und in 2013 abstimmen, ob Sie lieber die Wein- oder die Schorletrinker wählen wollen:

    Für unverdünnten Wein votierten: Karsten Beckmann (CDU), Sigrid Binder (SPD), Hans-Joachim Delfs (CDU), Josefin Francke (SPD), Nils Hilger (SPD), Willy Jeschke (SPD), Herbert Krispin (CDU), Gerhard Moldenhauer (CDU), Egon Siepert (SPD), Ursula Wähling (CDU), Heike Wladow (CDU). So sieht sie aus, die große Koalition der Bacchanten, der Bewahrer der Demokratie, die durch ihr mutiges Votum dafür sorgen, dass der Aufwand Schwarzenbeks für seine Hobbytrinker auch in 2011 einen satten sechsstelligen Betrag ausmachen wird, damit diese auch in Zukunft verlässlich dafür sorgen können, dass der Schuldenberg immer höher wird. Aber wie sagt Frau Francke immer gern? Demokratie gibt es nicht mit Null Promille? Na, dann Prost!“

    Mit freundlichen Grüßen,
    Margret Jennrich

  4. Rolf Limbach says:

    Zahlen, Zahlen, Zahlen!

    Gibt es eine Übersicht über die augenblickliche Höhe der Aufwandsentschädigungen unserer Stadtverordneten?

    Zusätzlich wäre interessant wie sich die Aufwandsentschädigungen in den letzten 10 – 15 Jahren entwickelt hat.

    Zum Thema städtische GmbHs gilt die gleiche Anfrage. Was verdient so ein Aufsichtsrat ?

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