Wie definiert man Durchwursteln?

Nach "Der König von St. Pauli" nun "Der Kaiser von China"?

Dem Gelben Blatt wäre in seiner Kritik am Fragesteller Borchelt vorbehaltlos zuzustimmen, wenn die Vorgänge um die Gründung der Schwarzenbek Marketing GmbH ansonsten unverdächtig wären. Wenn Herr Ruppert die Stadtvertretung im Vorwege darüber informiert hätte,

  • um was für eine Firma es sich handelt,
  • warum es vorteilhaft ist, die Aufgaben auszugliedern,
  • welche Vollmachten der Geschäftsführer haben soll und warum,
  • welche Chancen und welche Risiken bestehen.

Wenn man nach so einer Information lediglich einen Formfehler begangen hätte, dann wäre die Kritik tatsächlich unangemessen, vielleicht sogar beleidigend und anmaßend, ganz sicher pharisäerhaft. Wie die Dinge aber liegen, verhält man sich eher so, wie Dieter Wedel sich die organisierte Kriminalität vorstellt.

  1. Anstatt ergebnisoffen rechtlich prüfen zu lassen, welche Schritte man zur Gründung einer Marketingfirma einhalten muss, sucht man den Weg „mit dem geringsten Aufwand“. Der Aufwand, den man zu umgehen trachtet, besteht offenbar in der Zustimmung der Gemeindevertretung. Um diesem Aufwand zu entgehen, gründet man die Firma als Tochterunternehmen eines zweckgebundenen, gebührenfinanzierten Unternehmens der Stadt.
  2. Als die nicht anders als heimlich zu bezeichnende Gründung öffentlich bekannt wird, täuscht man die Öffentlichkeit über den Firmenzweck.
  3. Man erklärt öffentlich, die Firma dürfe keine Grundstücksgeschäfte mehr tätigen, obgleich das der hauptsächliche Zweck der Unternehmung ist.
  4. Man verhandelt dennoch in Sachen Grundstück für das chinesische Handelszentrum weiter.
  5. Man beantwortet keine einzige Frage in der Einwohnerfragestunde vom 25. März. Der Fraktionsvorsitzende der FDP erklärt, er habe keinerlei Unterlagen und/oder Informationen. Das geht offenbar vielen Stadtverordneten so. Man verschiebt die Beantwortung auf den 13. Mai und streicht den Punkt aus der Tagesordnung.
  6. Man beantwortet am 13. Mai keine einzige der Fragen und würgt neue Fragen ab. In dem Tagesordnungspunkt über die Gründung wird kein einziges Wort über Sinn und Zweck der Firma und auch nichts über deren Tätigkeit gesagt. Kein Stadtverordneter hat eine Frage.
  7. Man holt den Gründungsbeschluss nach und erklärt, auch künftig keine Fragen beantworten zu können, da es sich ab sofort um firmeninterne Angelegenheiten handele.

Die Gesellschafterversammlung der Marketing GmbH?

Der alleinige Eigentümer beider Gesellschaften, der Stadtwerke und auch der Marketing GmbH sind übrigens Sie, liebe Leserinnen und Leser! Und nun sagen Sie mir, wie man angemessen auf eine solche Ansammlung von Heimlichkeiten und Mauscheleien reagieren soll! Noch einmal zum Begreifen: Da werden 25.000€ von Ihren Wassergebühren genommen, um Lustreisen nach China zu unternehmen, chinesische Gäste in Luxushotels unterzubringen und gemeinsam schöne Sausen zu feiern. Und nun ist das Geld alle und man benötigt neues und vermutlich bekommt man keinen Kredit, weil die Banken eben genauer prüfen, als die Rechtsabteilung des Rathauses, der zur Gründung erforderliche Notar(!) und der Richter am Handelsgericht. Und ohne den formell unverzichtbaren Gründungsbeschluss hafteten die Firmengründer, sprich die Geschäftsführer der Stadtwerke bis zur Unterhose. Da war natürlich Handlungsbedarf, auch und vor allem, weil unrichtige Angaben bei Firmengründung einen sogar in den Knast bringen können.

Halt, halt, was für Unterstellungen! Das sind doch alles nur Mutmaßungen und Spekulationen. Das können Sie doch gar nicht beweisen und das dürfen Sie doch den braven Stadtverordneten nicht antun, Herr Borchelt, das ist doch kein Benehmen! Genau. Jede Sauerei ist erlaubt, solange man die Etikette wahrt und sie nicht erwähnt. Fragen sitzt man lächelnd aus und wenn es gar zu viel wird, dann diskreditiert man den Fragesteller, weil der sich nicht benehmen kann. Tja, werden nun vielleicht manche von Ihnen denken, warum benimmt er sich dann nicht, er und sein Schwarzer Kanal? Ich will es Ihnen sagen: Weil kein Schwein Notiz nähme und das könnte den Verantwortlichen so passen. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Das freundliche Geplapper überlasse ich anderen. damit ist jetzt allerdings ausdrücklich nicht Frau Nowacki vom Gelben Blatt gemeint. Die hat ihre eigene Meinung und findet meine Art nicht angebracht. Das muss ich mir gefallen lassen und das tu ich sogar gern, solange sie auch erwähnt, dass keine der Fragen beantwortet wurde und dass es nicht korrekt ist, bereits die Fragen abzuwürgen. Wenn wir uns alle darauf verständigen, bin ich gerne der Buhmann.

Foto: Dieter Wedel – Author: Klaus Mueller – This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported-Lizenz.

2 Responses to Wie definiert man Durchwursteln?

  1. Eckhard Schäfer says:

    Sehr geehrter Herr Borchelt,
    Man möchte Ihnen im Stil eines Wilfried Schmicklers zurufen:

    „Aufhören Borchelt! Sie stören den Frieden. Was heißt hier Recht und Gesetz? Hat sich schon jemals ein Staatsanwalt im Rahmen seines Quasi-Legalitätsprinzips für Ihre Ausführungen interessiert? Na also! Wenn Sie wissen wollen wie Rechtsstaat funktioniert, zahlen Sie einfach mal keine Wassergebühren mehr.
    Aber bitte haben Sie Verständnis für diese selbstlosen Ehrenamtler, die fern ab von ihren Alltagssorgen auch mal das Gefühl von Macht spüren möchten. Jetzt machen Sie auch noch die Bürger für Ihr Verhalten verantwortlich, weil sie sonst keine Notiz nähmen. Was verlangen Sie von den Bürgern? Hat jemand davon Notiz genommen, dass wir zukünftig einen neuen Kulturschaffenden im Herzogtum bekommen sollen, der neben seinem mächtigen Parteivorsitz und Ministeramt Präsident einer mit Steuergeldern finanzierten Kulturstiftung werden soll. Im Schlepptau einen Chinareisenden (Bürgermeister a.D.).
    Politik und Kultur aus einem Guss, anders formuliert neben Meinungseinfalt jetzt auch noch Kulturhoheit.
    So was nennt man wohl Deregulierung. Da können Sie froh sein, wenn man Ihren Blog nur als Schwarzen Kanal bezeichnet und nicht zukünftig auf den Index für ent…. / nicht so gelungene Pressekunst setzt.
    Ich sehe momentan nur die Lösung, dass Sie sich als Pressevertreter im Tross der nächsten Chinareise akkreditieren lassen.
    Vielleicht rafft sich in diesem Fall ja mal einer der Schweiger zu einer Reaktion auf, und wenn er nur sagt: “ Nun hat der Borchelt sich doch noch kaufen lassen.“

    • Matthias Borchelt says:

      Was die „selbstlosen Ehrenamtler“ angeht, die das „Gefühl von Macht“ verspüren wollen, so sehe ich das differenziert. Für meine Begriffe haben wir 4 Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung mit folgenden Bezeichnungen und Stärken:

      Strippenzieher und solche, die es werden wollen: 5
      Ego-Shooter mit Allmachtsphantasien: 4
      Genügsame Selbstversorger (desinteressiert): 7
      Ernsthaft aber ohnmächtig bemühte Idealisten: 7

      Den Strippenziehern und den Selbstbefriedigern kann man kaum einen Vorwurf machen, denn wer keine Macht will, soll bekanntlich nicht in die Politik gehen. Die Selbstversorger sind zwar nicht aus edlen Motiven in dem Laden, aber man hat sie gebeten und gebettet und so liegen sie nun, solange man sie in Ruhe lässt. Die Idealisten sind leider auch lieb und nett und wohlerzogen. Philosophisch gesehen sind sie aber die Hauptverantwortlichen für die Misere. Dennoch gilt es, gerade sie zu unterstützen, denn wenn die auch noch aufgäben, dann wäre es besser, keine Selbstverwaltung zu haben.

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