Der blackbekblog pressiert

Ausreißer nach oben und unten, aber inzwischen eine solide Stammleserschaft

Nachdem der blackbekblog sich in den vergangenen Wochen bei 200 bis 300 Aufrufen täglich einpendelte und unsere kommunale Presse die kritische Distanz allzu häufig vermissen ließ, habe ich jetzt den nächsten logischen Schritt unternommen und mich im Rathaus akkredititeren lassen. Das ist kein großer Akt, denn ich meldete dort lediglich an, nun auch im Besitz eines Presseausweises und Mitglied eines journalistischen Verbandes zu sein. Daraufhin bestätigte man mir sehr schnell und freundlich die Möglichkeit künftig ebenfalls am Pressetisch arbeiten und auch eigene Fotos schießen zu können. Auf die Dauer wurden ewig die gleichen die Köpfe ja auch langweilig. Mehr ist es nicht. Wie auskunftsfreudig sich einzelne Politiker und/oder Verwaltungsangestellte zeigen werden, weiß ich noch nicht. Große Hoffnungen habe ich diesbezüglich nicht. Zunächst geht es mir darum, den Stadtvertretern zu verdeutlichen, dass man, wenn man auch weiterhin alle Antworten schuldig bliebe, nicht nur zwischen Bürgern, sondern auch zwischen Medienvertretern erster und zweiter Klasse unterschiede.

"enes Mannes Rede ist nur die halbe Rede, man soll sie billig hören beede"

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und einmal mehr dazu aufrufen, sich gelegentlich oder gerne auch ständig einzubringen. Das soll keineswegs auf Kommentare beschränkt sein! Zu gerne würde ich Co-Autoren begrüßen, die dann auch vollständig frei in der Themenauswahl wären. Schwarzenbek ist ja nun wirklich nicht auf Politik und Verwaltung begrenzt. Es wäre doch eine nette Abwechslung, auch mal eine positive Darstellung der Geschehnisse in der Stadt lesen zu dürfen. Warum der Blog bislang recht einseitig und zumeist sehr kritisch berichtete, liegt ja nicht nur an dem querulanten Betreiber, sondern auch an dem alten römischen Rechtsgrundsatz: Audiatur et altera pars (Man höre auch die andere Seite). Presserechtlich kennt man dieses Prinzip als das Recht auf Gegendarstellung. Wenn man so will, ist der Blog die Fleisch gewordene Gegendarstellung zur kommunalen Presselandschaft. Denn das habe ich hier auch immer wieder betont: Der Blog kann die Zeitungen keineswegs ersetzen. Nicht nur ist das Verständnis der hier versammelten Berichte häufig ohne Kenntnis der anderen Erzeugnisse gar nicht möglich, auch widerspräche ich mir selbst, wenn ich nur meine Meinung für die allein selig machende und die anderen Meinungen für verzichtbar hielte. Das sind sie selbstverständlich nicht. Ich wünschte, es fände sich auch im blackbekblog bisweilen eine andere Meinung. Und das wünschen sich andere auch, da bin ich sicher.

Falls es also jemanden in den Fingern juckt, melden Sie sich! Es gibt jede Menge Themen in Schwarzenbek und jede Menge Einwohnerinnen und Einwohner, die mehr davon verstehen, als die Stadtvertreter oder der Bürgermeister. Das ist nur normal und gar keine Kritik. Zu bemängeln wäre, wenn man sich trotz eigener relativer Unkenntnis auch noch beratungsresistent zeigte. Aber hier findet vielleicht tatsächlich ein Umdenken statt. Ich kann Ihnen nur sagen, wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihr Rat, Ihre Meinung von den Stadtverordneten mindestens zur Kenntnis genommen wird, dann schreiben Sie für den blackbekblog. Nicht alle Stadtverordneten lesen den, aber doch genügend, um es in die Versammlung hineinzutragen, das kann ich Ihnen versichern. Aber auch, wenn es Ihnen nur darum ginge, ein Gegengewicht zu meinen Statements dargestellt zu sehen, wären Sie sehr willkommen, vielleicht sogar noch mehr.

Was nun die Einwohnerfragestunde angeht, bin ich im Zweifel, ob ich die noch nutzen werde. Antworten habe ich ohnehin keine erhalten und dann ist es irgendwann witzlos. In aller Regel sitzen da die immer selben Zuhörer/innen und die wissen auch längst, dass eben nicht geantwortet wird, wenn es unangenehm wird. Ich habe allerdings noch nie erlebt, dass jemand aufgestanden wäre und einfach nur dagegen protestiert hätte, wie mit Fragestellern umgegangen wird. Doch, einmal habe ich es erlebt und zwar, als ich dagegen protestierte, wie mit Herrn Prinz und seinen Fragen umgegangen wird. Aber wenigstens stand es jetzt zum zweiten Mal im Gelben Blatt, dass weder im März, noch im Mai auf die Fragen eingegangen wurde. In Zukunft werde ich als Pressevertreter auch zwischendurch fragen können, um danach Öffentlichkeit herzustellen. Da ziemte es sich nicht, auch noch bei der Einwohnerfragestunde in die Bütt zu treten.

8 Responses to Der blackbekblog pressiert

  1. Robert T. says:

    Viel Glück!

  2. Gerhard Möller says:

    Ob Sie mit dem Verzicht auf Fragestellung in der Einwohnerfragestunde auf dem richtigen Weg sind, weiß ich nicht. Genau das wird ja das vom Bürgervorsteher, vom Bürgermeister und von den Fraktionsvorsitzenden ersehnte Ergebnis sein. Die haben doch alle einen dicken Hals, wenn sie von Ihnen als die kommunalpoitischen Versager bloßgestellt werden, die sie offenkundig auch sind. Gespannt bin ich, ob Sie als Pressevertreter mehr an Antworten aus den Verantwortlichen herauskitzeln können. Gutes Gelingen!

    • Matthias Borchelt says:

      Ich weiß es auch nicht. Ich glaube auch nicht daran, dass sich etwas ändern wird, aber Versuch macht kluch. Und ob ich nun Fragen in der Einwohnerfragestunde stelle oder in China der berühmte Sack Reis umfällt, machte bislang auch keinen Unterschied. Vielleicht findet sich ja auch jemand, der unbeantwortete Fragen einfach aufgreift. Denn davon wird es in Zukunft wohl nicht weniger geben.

  3. Eckhard Schäfer says:

    Möge Ihnen trotz Presseausweises Ihre Unabhängigkeit, spitze Feder und Ihr investigativer Spürsinn erhalten bleiben.
    Von daher hoffe ich, dass das kleine Pflänzchen Meinungsvielfalt blackbekblog im Sinne der etwas anderen Meinung weiterhin Bestand haben wird.
    Nichts wäre überflüssiger als ein weiterer Koch für den von Politik, Verwaltung und Lokalpresse zubereiteten klebrigen ungenießbaren Einheitsbrei.

    • Matthias Borchelt says:

      Da gebe ich Ihnen recht. Der Presseausweis ermöglicht mir zunächst einmal drei Dinge: Ich kann während der Stadtverordnetenversammlung besser arbeiten, da ich an einem Tisch sitze und Notizen nicht auf meinem Schoß machen muss. Ich kann dort Fotos machen und muss nicht permanent die selben verwenden. Ich kann die Fraktionen außerhalb der Sitzungen direkt ansprechen und wenn die sich verweigerten, dokumentierten sie ihre Missachtung einer demokratischen Institution.

      Geben Sie mir ein wenig Zeit, mich einzuspielen. Ich habe nicht vor, Mainstream zu werden.

  4. Joe says:

    Eine sehr gute Idee, das mit dem Presseausweis. Hatte mir eh
    schon die Frage gestellt, was der blackbekblog eigentlich noch
    von professionellem Journalismus trennt *lob*
    Fehlt nur noch, dass für diese ehrliche und aufwändige Arbeit
    Sitzungsgelder eingesackt werden könnten, aber das wäre dann
    schon sehr mainstream..

    Ich denke öfters daran, auch etwas über schwarzenbek zu schreiben,
    aber man muss sich sofort ransetzen nichts ist wertloser als die zeitung
    von vorgestern. es ist ne menge arbeit, zumal mir das schreiben nicht soo
    leicht von der hand geht. Daher nochmal, ein großes Lob für ihre Arbeit!

    • Matthias Borchelt says:

      Was den Blog von den Profis mindestens trennt, ist das Geld. 😉 Aber man muss zugeben, dass die Schreiber im Pressewesen die ärmsten und getriebensten Hunde sind. Und es ist so: Wenn ich ab morgen 5 ct. pro Artikel nähme, dann schnurrte das Interesse von knapp 300 täglich auf 30 zusammen. Mindestens. Aber ich mache das ja nicht als Broterwerb. Irgendwann richte ich vielleicht mal ein Spendenkonto ein, denn mittlerweile habe ich ja auch ein paar Kosten. Allerdings ist kaum ein Hobby umsonst, also was soll’s. Danke für das Lob.

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