Soap Opera: „Wie blöde muss man sein“

Die neue Erfolgs-Soap aus Schwarzenbek?

Nachdem sich zum Nachtragshaushalt selbst so recht niemand mehr äußern wollte, leitete der „sichtlich überforderte“ (Lübecker Nachrichten) Versammlungsleiter zu den Anträgen über, die man leider nirgendwo vorher nachlesen konnte und die daher an und für sich allesamt Dringlichkeitsanträge waren, über deren Zulassung man überhaupt erst einmal hätte abstimmen lassen müssen. Vermutlich ist die Geschäftsordnung aber nur ein Muster ohne Wert, denn eigentlich müssen Anträge 15 Tage vor der Sitzung eingereicht oder mit Zweidrittelmehrheit als Dringlichkeitsanträge zugelassen werden. Wenn ich das richtig sehe, war aber nicht einmal der Nachtragshaushalt 15 Tage vor der Sitzung verfügbar, denn die entsprechende Finanzausschusssitzung erfolgte überhaupt erst 13 Tage vorher. Die Niederschrift dieser Ausschusssitzung ist bis heute nicht verfügbar. Kann es also sein, dass schon wieder einmal eine Abstimmung über den Haushalt gar nicht rechtskräftig geworden ist? „Herr Haack, übernehmen Sie“, wird später einmal die Soap-Opera heißen, die über die regelmäßigen Schwarzenbeker Lachnummern gedreht werden wird. He, ist das nicht überhaupt eine Idee? Sollen wir den Blog mal als Drehbuch den Fernsehsendern anbieten? Ich meine, für andere könnte das doch lustig sein, denn deren Geld ist es ja nicht und Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Oder wollte Herr Siepert einen Sperrvermerk entfernen lassen, der gar nicht mehr vorhanden war?

Mit dem ersten dieser Anträge wollte die SPD entweder den Sperrvermerk zum Etat der Alkohol- und Drogenberatung entfernen oder wieder setzen lassen, auf jeden Fall zog sie diesen zurück, also den Antrag, oder er hatte sich erledigt. Ja, tut mir leid, aber in dem Chaos soll ich mich als Zuschauer zurechtfinden? Herr Beckmann wackelt mit dem Kopf und weiß nicht was oder wie ihm gerade geschieht. Von zwei oder drei Seiten wird hektisch irgendetwas gerufen und wenn der Nebenbürgervorsteher bzw. nebenberufliche Blindenhund Warmer nicht da ist, lassen die anderen Beteiligten den Blinden halt gegen die Laterne laufen. Ist doch lustig. Und dann war er auch für einen Moment hellwach und erkannte messerscharf, dass es sich bei dem nächsten Antrag um einen Eilantrag der SPD handelte. Die wollte nämlich dem Verein SiWa das abwechselnd versprochene und gestrichene Geld nun wieder zukommen lassen. Herr Siepert, der den Fraktionsvorsitzenden mimt, erklärte (ohne dass über die Zulassung des Antrages abgestimmt wurde, denn Herr Beckmann war wohl wieder eingeschlafen): Das Thema sei hochgekocht, das Budget wäre ja ursprünglich in den Haushalt eingestellt, aber wegen der Richtlinie nicht ausgezahlt worden, wonach nur Schwarzenbeker Vereine unterstützt würden. Nun sei der Sitz des Vereines aber in Schwarzenbek, daher wäre diese Voraussetzung erfüllt. Außerdem sei die Unterstützung wegen der vielen Besucher aus Schwarzenbek im Sinne der Stadt. Die Auszahlung müsse nun in Kürze erfolgen.

Herr Stolze in ungewöhnlicher Pose

Das empfand der Fraktionsvorsitzende der FDP nicht anders. Herr Stolze wies darauf hin, dass man dem nicht nur zustimme, sondern energisch darauf hinweise, dass Vertrauensschutz gefälligst vor irgendwelchen Richtlinen gehen müsse. Ich war wie vom Donner gerührt, denn offenbar gab es noch einen in der Versammlung, der nicht mehr bei Sinnen war. Wusste Herr Stolze nicht, was er sprach? Das grenzte ja an eine Revolution, denn konnte doch nichts anderes bedeuten, als dass alle immer auch machen müssten, was sie zuvor versprochen hätten! Das Ende der politischen Parteien und aller Politiker, nichts anderes verkündete der Mann dort! Dann wäre nicht nur Schluss mit verlogenen  Wahlversprechen, es gäbe auch keine Nachtragshaushalte mehr! Fragen, die man  (also auch und gerade Stolze selbst) zu beantworten versprochen hatte, würden endlich auch beantwortet werden. Und das Schönste: Die Chinesen würden wirklich und wahrhaftig nicht nur 300 Mann stark in Schwarzenbek ansiedeln, sondern auch 1.000 weitere Arbeitsplätze schaffen und mächtig Steuern zahlen. Herr Ruppert muss Fahrrad fahren, Herr Delfs transparent werden und die SPD Verantwortung übernehmen. Vertrauensschutz! Dass ich nicht lache, Herr Stolze! Haben Sie noch so einen Brüller auf Lager? Hatte er: „Die Streichung würde außerdem einen weiteren Vertrauensverlust ergeben“. Danke, an dieser Stelle müssen wir wenigstens keine Lacher vom Band einspielen, sondern nur 30 Minuten Werbepause machen, bis das Publikum sich wieder beruhigt hat.

Schnappschuss aus der Stadtverordnetenversammlung: Herr Delfs setzt Herrn Kamm die Eselsmütze auf

Nicht, dass es den Auftritt des großen Dialektikers Delfs verpasst! Keinen Dissens verspürte der in der Beurteilung der guten Arbeit, die SiWa leiste und das kann nicht wundern, da bislang niemand über die Güte der Arbeit geurteilt hatte. Wer da einen Dissens verspürte, der könnte auch ein Gefühl für Geschwindigkeit anlässlich der Erdumdrehung entwickeln. Auch unterstützte der Christdemokrat den Gedanken des Vertrauensschutzes und dass der liebe Herrgott angesichts solcher Heuchelei keinen Blitz herniederfahren ließ ist nicht geeignet, das Vertrauen in IHN zu stärken. Wie dem auch sei, alle warteten auf das ABER und da kam es auch schon: „ABER die Bürger verlangten ja auch, dass wir unseren Job gut machen!“ Oha, dachte ich, heute ist der Tag der Selbstbezichtigungen, denn bei dem Hin und Her, das man mit SiWa veranstaltete, könnte ja nun nicht einmal der Euphemist Delfs einen „guten Job“ erkennen. Darum ging er auf den wohl auch nicht mehr ein, sondern fand einfach einen anderen Deppen, dem er die Pappnase anstecken wollte: „Aber das Geld ist erst verwendbar, wenn Sie das entsprechende Schreiben der Stadt haben. Wenn sich alle daran halten, gibt es keinen Ärger mehr“. Ist das zu fassen? Tja, Herr Kamm, SiWa ist selbst schuld, wenn es sich auf zwei aufeinanderfolgende Beschlüsse der Stadtverordneten im Rahmen der besagten Richtlinie verlässt und das Geld auslegt, um die Schwarzenbeker und nicht etwa den Verein baden gehen zu lassen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende arbeitet nicht umsonst bei der Bahn und findet daher immer den richtigen Anschluss für seinen Verein, z.B. den an die CDU

Herr Schröder von der FWS, der bei den früheren Beschlüssen für SiWa dagegen gestimmt und auf die tückische Richtlinie hingewiesen hatte, war übrigens bereits bei seinen grundsätzlichen Ausführungen zum Nachtragshaushalt in diesem Punkt sehr deutlich geworden: „Warum ist man eigentlich so blöd und macht es nicht wie in der Vergangenheit über Müssen?“. Ich würde jetzt gerne hinzufügen, warum man eigentlich so blöd ist, sich jedes mal von Herrn Schröder dermaßen vorführen zu lassen? Der hat das doch damals schon genau gewusst und mindestens geahnt, dass die Stadt den Beschluss nicht umsetzen konnte, nicht umsetzen durfte. Mag der Verein drei Mal seinen Sitz in Schwarzenbek haben, tätig wird er einzig und allein in Müssen. Aber Schröder wegen seiner Listigkeit (andere nennen es Hinterfotzigkeit) zu tadeln, hieße auch zugeben, dass man tatsächlich blöde ist. Und das ließ sich Herr Delfs nicht nehmen, sofort den Beweis anzutreten. An Schröder gewandt führte er zu der Regelung mit Müssen aus, Eintritt dürfe ja nun einmal nicht genommen werden, aber für 2012 sollte irgendein Weg gesucht werden. Schröder fand daraufhin nicht nur erneut den Weg auf die Kanzel, sondern auch spontan den erlösenden Pfad in Sicheres (Fahr)Wasser: Er formulierte den Antrag, der Gemeinde Müssen einen Betrag von 1.500 € für die Badeaufsicht zur Verfügung zu stellen. Und der ging dann auch einstimmig durch. Richtig blöde schaute da stellvertretend für seine armselige Mehrheitsbeschafferfraktion der Herr Siepert aus der Wäsche. So ein feiner, kleiner Antrag der SPD, so ein netter Zug, auf den Herr Schröder nicht nur aufsprang, sondern ihn kaperte, die Weiche richtig stellte und mit Volldampf an der zwar größten, aber doch irgendwie klein wirkenden SPD-Fraktion vorbeizog.

Hat bisher nicht eingegriffen, was große Sprüche deutlich erleichtert

Lassen Sie mich noch eines klarstellen: Dieser raffinierte Solokünstler mit dem Chor der Blöden hätte noch größeren Unterhaltungswert und wäre der reinste Genuss, wenn man nicht ständig darüber nachdenken müsste, wieviel Zeit und Show die Stadtvertretung mit solchen Kleinigkeiten zu verbringen weiß und gleichzeitig weder über Chinesen, noch über Marketing, nicht über Kiefaber und nicht über Lichtwellen debattiert. Apropos Lichtwellen: Diesen Posten hatte der von der SPD geleitete Bauausschuss beschlossen und war von dem bräsigen Herrn Moldenhauer im anschließenden Finanzausschuss auch freigegeben worden, da man ja Geld spare damit. Nun wurde die Nummer auf Antrag der SPD einstimmig mit einem Sperrvermerk versehen. Ohne Debatte, ohne Erklärung, ohne dass irgendein Zuschauer auch nur ahnen konnte, wie das denn nun zustandekommt. Nun will ich ganz gewiss nicht bemängeln, dass es zu diesem Sperrvermerk gekommen ist, im Gegenteil. Ich halte das für hochgradig vernünftig und selbst späte Einsicht ist etwas Gutes und erfordert ja auch Mut und Charakter. Aber wir wollen nicht vergessen, wie es zu der Einsicht kam, denn auch hier ginge ich eine hohe Wette ein, dass es die Kritik war, welche die Einsicht förderte. Und wenn der in seinem diesbezüglichen Kommentar Lichtwellen ausstrahlende Sachverstand des Blog-Lesers und gelegentlichen Co-Autors Ruben Ballutschinski daran nicht gehörigen Anteil hat, dann soll der HERR mich jetzt sofort mit einem Blitz erschlagen!

Foto: Totes Gleis – Author: Nightflyer – This file is licensed under the Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported.

One Response to Soap Opera: „Wie blöde muss man sein“

  1. Bekannnt says:

    Wer ist eigentlich der große Dirigent???? Wer schreibt eigentlich die Noten und wer verteilt sie an die anwesenden Damen und Herren?????? Diese Frage ist doch eigentlich leicht zu beantworten, aber ich lasse es sein, es könnten sich einige doch auf den Schlips getreten fühlen, man kann immer nur staunen über so ein geniales Meisterstück, Ouvertuere, Mittelteil, Hauptteil und zum Schluß fängt langsam das große Finale an, mit stehendem Applaus und Beifall, Buhrufe werden untersagt und sind nicht zugelassen.
    Dieses große Orchester kann man in Schwarzenbek bestaunen und erleben, wann und wo entnehmen Sie bitte der Presse.
    Die obigen Fragen kann dann jeder selbst für sich beantworten.

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