Vorbilder

Jedem sein Vorbild. Dies hier ist Angela Merkel.

Eine der schärfsten Kritikerinnen sowohl dieses Blogs, als auch meiner Auftritte in den Einwohnerfragestunden steht mir ansonsten sehr nahe. Aber bei aller Zuneigung empfindet sie – unabhängig vom Inhalt! – nicht nur die Länge der Fragen bzw. der einleitenden Sätze, sondern auch die pointierten Betonungen als Selbstdarstellung und ist bisweilen der Ansicht, ich ernte, was ich säe. Außerdem hat sie den Eindruck, als stellte ich mich auf ein moralisches Podest und erhöbe mich derart über die Stadtverordneten. Es wird vermutlich niemanden überraschen, dass ich das teilweise anders sehe. Über Selbstdarstellung, Eitelkeit, Besserwisserei und Spitzfindigkeiten will ich nicht urteilen. Wer kann sich da schon selbst richtig einschätzen? Das muss man anderen überlassen. Aber was den Erntedank angeht, würde ich differenzieren wollen und falls nun doch auch Menschen mitlesen sollten, welche die Meinung meiner Kritikerin teilen, dann lade ich diese besonders ein, sich für einen Moment aus der Empörung zu lösen. Ich will es auch versuchen.

Egon Erwin Kisch

„Politik ist ein schmutziges Geschäft“ und „politisch Lied ist garstig Lied“, das sind so Sprüche, die jeder und jedem sofort einfallen, wenn von dieser Berufsgruppe die Rede ist. Und wer hat nicht schon feste mitgelacht, wenn Kabarettisten und Comedians über allseits bekannte Größen spotteten oder auch wie z.B. der von mir sehr verehrte Herr Schramm schonungslos bitter herzogen. Wem von uns wäre investigativer Journalismus ein Gräuel? Wer bewundert nicht sogar in entsprechenden Filmen die tapferen Davids, wie sie nur mit Mut, Integrität und Kugelschreiber bewaffnet gegen schier übermächtige Gegner obsiegen, weil sie beharrlich und unbestechlich nachfragen, bis die vermeintliche Wahrheit auf dem Tisch liegt? Und sind nicht Reporter wie Egon Erwin Kisch, Satiriker wie Kurt Tucholsky und politische Feuilletonisten wie Heinrich Heine nicht nur dauerzitierte Kulturheroen, sondern werden auch immer wieder als Vorbilder genannt?  Damit haben wir haben im Allgemeinen kein Problem, im Gegenteil.

Heinrich Heine

Nun bin ich weder so blöde, noch so vermessen, Herrn Ruppert mit Frau Merkel zu vergleichen oder gar mich mit den genannten Größen. Damit beleidigte ich den Bürgermeister und was mich angeht, wäre solcher Größenwahn behandlungsbedürftig. Auch geht es bei den Vorgängen in und um Schwarzenbek nicht annähernd um Welt bewegende Themen. Aber muss man nicht irgendwo anfangen? Glauben Sie, dass der Bürgermeister die finanzielle Situation nicht ernst nimmt, weil Schwarzenbeks Verschuldung nur ca. 0,002 % Anteil an der Staatsverschuldung ausmacht, Schwarzenbeks Einwohnerzahl aber 0,02 %? Oder sind Sie nicht auch davon überzeugt, dass ein jeder vor seiner Tür kehren sollte, sprich: dort wirken sollte, wo er etwas vermag? Auf die Staatsverschuldung und auf andere gesamtgesellschaftliche Fehlentwicklungen wird man als lauenburgischer Rübenzüchter nur schwerlich einwirken können. Soll man sich deswegen abwenden und die Sache aufgeben?

Kurt Tucholsky

Wenn Sie ganz grundsätzlich noch bei mir sind und nicht schon von vorneherein politisches Engagement ablehnen, dann stellt sich nur noch die Frage der Form, der Angemessenheit. Schieße ich mit Kanonen auf Spatzen? „Einmischen ja, aber nicht konfrontativ“, scheinen sich viele zu wünschen und das ist menschlich nachvollziehbar. Nun hat jeder so seine Art, jeder sein Temperament und wenn man nun anfangen wollte, den erlaubten Einmischungsfaktor an Äußerlichkeiten festzumachen, dann hielte ich das für sehr bedenklich. Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Ich möchte dazu einladen, sich innerhalb der Stadtverordnetenversammlung umzuschauen und umzuhören, was da teilweise geholzt und beleidigt wird, wie grob bisweilen miteinander umgesprungen wird, wie man sich gegenseitig zu überbieten und zu blamieren versucht, wie man die Wahrheit verbiegt, sich Posten verschafft oder zuschanzt und sich gegenseitig nicht ein Fitzel grün zu sein scheint. Im nächsten Moment ist man sich aber wieder völlig einig und mauert gemeinsam gegen den äußeren Feind: die interessierte Öffentlichkeit. Und außerhalb der Sitzungen, Ausschüsse und Versammlungen trinkt man gemeinsam Bier und witzelt über das Erlebte. Ich will das überhaupt nicht bewerten, sondern nur fragen, ob Sie irgendeinen Unterschied zu den Vorbildern aus Kiel oder Berlin erkennen können, abgesehen von den Themen und der Wichtigkeit? Sehen Sie, ich auch nicht. Und deshalb hänge auch ich an meinen Vorbildern.

Aber nun genug der Selbstbespiegelung und wieder ran an die Sachthemen!

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