Das Märchen vom fetten Schäfer und dem grünen Giftzwerg

"Fuck off, I'm full", sagt auch Creosote erst, als es zu spät ist.

Es war einmal ein Schäfer, der hatte eine fruchtbar große Wiese. Unzählige Schafe weideten darauf, der Schäfer produzierte sehr viel Wolle und die Weber und Spinner im Städtchen Dunkelbach hatten ausreichend zu tun. Der Hirte wurde erst wohlhabend, dann reich, und wurde fett und fetter. Nun waren aber die Winter unterschiedlich lang und kalt und daher konnte nicht immer mehr oder auch nur immer gleich viel Wolle verkauft werden, was den Schäfer zunehmend verdross. Gewiss, die Scherer, Stricker, Klöppler waren allzeit fleißig und das kleine Städtchen war auch vielgerühmt für allerlei Bestrickendes, aber der Schäfer grämte sich und überlegte, wie er wohl noch reicher und noch dicker werden könnte. Denn das wissen wir ja seit Anbeginn der Tage: Dem Menschen ist es nie genug. Wer hat, möchte immer noch mehr haben.

Viel Weide, wenig Schafe...

Also begann der umtriebige Mann nach fetteren Weiden Ausschau zu halten und siehe da, er ward auch fündig. Hinter den sieben Schuldenbergen bei den sieben Milliarden Zwergen fand er einen Platz, wo noch von Hand gerupft, gewaschen und gekämmt wurde und weil es so ungeheuer viele Zwerge gab, verdingten die sich entsetzlich billig, so dass unser Schafhirte noch schneller noch reicher wurde. Die schöne Weide zuhause aber verfiel immer mehr, nur wenige Schafe blökten noch umher. Die heimischen Knüpfer, Schneider und Sticker aber waren zunehmend arbeitslos. Der einstige Schäfer weidete schon lange keine Tiere mehr, sondern produzierte mittlerweile Scher- und Strickmaschinen, mit denen dann in Zwergistan so billig produziert wurde, dass die heimischen Produkte kaum noch jemand kaufen wollte. Weder der Schäfer, noch die Arbeitslosen fanden das komisch, denn die hinterhältigen Zwerge hatten mittlerweile auch noch heimlich damit begonnen, die Maschinen des Schäfers nachzubauen. Und so benötigte der die ehemalige Wiese bald gar nicht mehr, denn nun verkaufte er auch keine Maschinen mehr.

Gleich zieht der Zwergenkönig ein und dann wird alles gut

Dafür wollte der König der Zwerge jetzt aber die Schafswiese kaufen, denn er plante, eine große Wollmesse abzuhalten. Von überall sollten die Menschen herbeikommen, um seine schönen Sachen zu bestaunen und zu kaufen. Täglich sollten Hunderte von Besuchern in das Tal kommen und von Hunderten von Zwergen durch das gewaltige Schloss geführt werden, welches der Zwergenkönig zu bauen versprach. Tausende Dunkelbacher sollten neue Arbeit erhalten und die Stoffe stapeln, verpacken und zu den Kunden tragen. Das versprach der kleinwüchsige Regent dem Dunkelbacher Bürgermeister und seinen Ratsherren und -frauen, so dass denen ganz schwummerig im Kopfe wurde. Außerdem war lange niemand mehr so freundlich zu ihnen gewesen und dem Bürgermeister, der selbst kein Riese war, gefiel es ganz besonders, dass die Zwerge alle zu ihm aufschauen mussten. Die Dunkelbacher hatten in den letzten Jahren so viel gemosert. Jetzt sollten sie mal sehen, wie gut er für sie sorgte. Den fetten Schäfer mochte er ohnehin nicht mehr so recht leiden. Der hatte sein Versprechen gebrochen, keine Dunkelbacher mehr zu entlassen und das obwohl man sogar eine andere Weide nach ihm benannt hatte. Sollten die Zwerge ihm doch Konkurrenz machen! Hauptsache, die eigenen Einwohner bekämen wieder Arbeit und der Bürgermeister und seine Freunde wären die Helden dieser Arbeit.

Die Dunkelbacher bedanken sich bei ihrem Bürgermeister

Aber, ach, wie sollte man an die Weide kommen? Der frühere Schäfer begann nämlich langsam zu schnackeln, dass der Zwerg es ebenso faustdick hinter den Ohren hatte und daher hob jetzt ein schrecklicher Schacher um die Schafweide an. Der Bürgermeister und seine Getreuen reisten mehrfach ins Zwergenreich und luden die kurzbeinige Majestät immer wieder nach Dunkelbach ein. Der Schäfer aber durfte nie dabei sein, den Zwergenkönig nicht einmal kennen lernen. So ging das viele Jahre und anfangs waren die Provinzler auch mächtig beeindruckt, von den Reisen ihrer Führungsriege in die exotischen Städte der Zwerge und auch von den Gegenbesuchen aus dem fernen Königreich. Aber irgendwann reichte es ihnen nicht mehr, von den versprochenen Reichtümern nur immer wieder zu lesen. Als dann auch noch der bei den Zwergen wegen seiner Hünenhaftigkeit als Halbgott verehrte Chefunterhändler in der benachbarten Schifferstadt zum Bürgermeister gekrönt wurde, da ahnten die Dunkelbacher, dass mit dem Riesen auch die Zwerge gehen würden und sie nun noch mehr auf den dicken Hirten angewiesen wären. Ihr eigener Bürgermeister versuchte zwar noch, den Schäfer anzuschwärzen, dass der viel zu viel Geld für die Wiese haben wollte, aber man glaubte ihm schon nicht mehr. Zu oft hatte er ihnen das Blaue vom Himmel versprochen, jetzt jagten sie ihn unter Hohn und Spott fort.

Darüber war das vor Kummer mittlerweile kahl gewordene Stadtoberhaupt so vergifteten Geistes, dass es Rache schwor. Als aber die Zeit anstand, die Weisesten des Landes am Hofe des rauschebärtigen Königs zu versammeln, auf dass sie das Land gütig und weise regierten, da wandete sich der ehemalige Dunkelbacher OB in ein gar gemmenhaft glitzerndes, grünes Gewand, auf dass die Bewohner ihn für eine Waldelfe halten und an den Hof des Kaisers Iglo senden sollten. Und so kam es dann auch. Kaum dort angekommen, erließ der grüne Giftzwerg ein Gesetz, wonach kein Schaf von Hand gerupft, kein Garn vom Leib gezupft, kein Zwirn vom Zwerg gelupft werden dürfe. Da erkannten die Dunkelbacher und Schifferstädter, die Zwerge und Hünen, wer da am Hof des Kaisers Iglo unter grüner Tarnkappe ihr Unglück verfügte und weinten bitterlich. Nur der alte Schäfer, der grinste sich eins. Und die Moral von der Geschicht? Glaub keinem, der zuviel verspricht!

(Das Szenenfoto von “ Mr. Creosote“ stammt aus Monty Python’s „The Meaning Of Life“ – Copyright: Universal Pictures)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: