Plem-Plem

Schön gestellt

Zur Freude unserer positiv denkenden Mitbürger dürfen wir heute erneut einen schön bunten Artikel von Frau Geercken in den Lübecker Nachrichten lesen, in dem der neue Saubermann Lauenburgs dargestellt wird, wie man ihn sich frischer und energetischer kaum denken mag.  Zwar stört auf der Titelseite des Lokalteils der Bericht über die Querelen in der Stiftung Herzogtum Lauenburg ganz erheblich das Ch’i, aber zwei Seiten weiter packt der Müllmann kräftig an. Ganz in der bisherigen Tradition bleibt es zwar bei Ankündigungen, aber sind diese offenbar schon einen halbseitigen Personality-Report wert. Wie schon im Artikel zum 1. Mai berichtet, hat der neue Chef schon jede Menge Investoren in seiner Wundertüte, aber noch immer solle man sich überraschen lassen. Sind wir beim Kindergeburtstag?

Mir scheint hier eher die Methode zu arbeiten, die auch Thiedes ehemaliger Boss und heutiger Amtskollege aus Schwarzenbek drauf hat: „Es wird Veränderungen geben“, orakelt der Erleuchtete und vergisst offenbar wie Ruppert, dass Geheimnisse nicht zum Wesen einer transparenten demokratischen Gesellschaft passen. Niemand verlangt, dass der Chinafreund Thiede alles bereits im Planungsstadium ausplaudert, aber es gehört sich einfach nicht, Ankündigungen anzukündigen. Das ist reine PR und dafür sollte sich eine politische Journalistin zu schade sein. Erschwerend kommt hinzu, dass der tiefe persönliche Freund des chinesischen Moguls Zhonghui Zhu wie ausgewechselt wirkt. Zwar ist er nicht komplett ergrünt, aber schwört auch nicht mehr nur auf grünen Tee. Nein, seinen Schreibtisch hat er ausgewechselt und verschoben, denn er möchte nicht unter einem Baum sitzen! „Die Chinesen sagen, das nimmt dem Menschen die Kraft“, werden wir Zeuge seiner neuen, kruden Vorstellungen. „Alles etwas Fengshui-mäßig“, urteilt die Artikelschreiberin und da wüssten wir dann doch gerne mehr. Sind diese Lehren jetzt Triebfeder und Gestaltungsmaximen des Herrn Thiede? Ist sein neuer Schreibtisch dann wenigstens weder aus Holz, noch aus Plastik, damit die Bäume nicht doch noch hinterrücks seinen neuen Schwung erlahmen lassen können?

Die drei Feng-Shui-Berater Thiedes?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Was ein Mensch glaubt, welcher Religion er angehört, ist ganz grundsätzlich erst einmal seine Sache. Eine Ausnahme besteht, wenn er ein öffentliches Amt bekleidet und die persönlichen, privaten Glaubenslehren seine Handlungen zu bestimmen beginnen. Ich meine, wir alle haben uns Sorgen gemacht, als der frühere US-amerikanische Präsident George Bush seinen religiösen Eifer nicht nur in die Schulpolitik, sondern auch in die internationale Diplomatie einbrachte. Wie kann gemeinsames Handeln möglich sein, wenn die Glaubensprinzipien Einzelner oder Weniger zur Maxime des Handelns werden? Was passiert mit den Ungläubigen? Die maximale Trennung des Glaubens vom staatlichen Handeln ist alleine schon deswegen unerlässlich, weil man Abweichler ansonsten problemlos ausschließen könnte. Wo nichts beweisbar ist, muss auch die Schädlichkeit Andersdenkender nicht bewiesen, sondern nur geglaubt werden.

Universale Größe

Nun mögen Sie das übertrieben finden und solange der Lauenburger nur wegen Erd- oder Baumstrahlen Möbel verrückt, mag das unter Spleen abgetan werden. Allerdings beeinflusst es ja bereits Entscheidungen auch über die Verwendung von Steuergeldern, wenn auch bislang nur über die persönlichen Schreib- und Sitzmöbel des Bürgermeisters. Sollten demnächst jedoch auch Ecken abgerundet werden, damit das Ch’i besser fließt, dann wäre meine Toleranzgrenze erreicht. Denn rechteckige Grundstücke und Bauten sind nicht etwa das Ergebnis eingekasteten Denkens, sondern folgen Verstand und Logik. Sie können den vorhandenen Raum nicht besser ausnutzen. Das ist simple Geometrie statt Geomantie (und Gebäudepsychologie!), beweis- und einsehbar für jede/n. „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, als deine Fantasie dich träumen lässt“, ließ Shakespeare den Hamlet sagen, und ich will das gar nicht bezweifeln. Doch müssen wir uns für gemeinschaftliches Handeln eben auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verpflichten, und das kann nur sein, was nach derzeitiger Kenntnis wissenschaftlich belegbar ist. Nun hat ja Herr Thiede auch gar nichts anderes von sich gegeben und ich täte ihm Unrecht, wenn ich ihm nur aufgrund des Artikels irgendeine andere Maxime oder gar Mission unterstellte. Auch Frau Geercken tut das ja nicht explizit. Die Frage aber bleibt: Was will man uns denn überhaupt mitteilen?

Qi oder Ch'i

Fazit: Was jede/r in seinem/ihren Wohzimmer macht und glaubt, ist Privatsache. Im öffentlichen Raum hat der private  Glauben außerhalb der Kirchen nichts verloren. Da gehören weder Kruzifixe an Schulzimmerwände, noch kosmische Lebensströme ins Rathaus. Man stelle sich vor, wie groß das Geschrei wäre, wenn ein Scientologe oder gar – Gott behüte! – ein Moslem Bestandteile seiner Glaubenslehre im Amt praktizierte. Und da ist dann weder Feng-Shui, noch Plem-Plem, anders oder gar milder zu bewerten. Im Rathaus Lauenburgs ahnt man das vielleicht auch bereits, denn die Schlüssel hat man dem großen Esoteriker offenbar bereits abgenommen. Geholfen hat das nicht. Wie man nachlesen darf, ist er bereits zwei Mal durch das Fenster entkommen. Die Fenster sind dann wohl über Nacht geöffnet geblieben. Wie viel Ch’i oder Lebensstrom oder auch Midi-Chloridiane dort wohl entwichen sind?

One Response to Plem-Plem

  1. Robert T. says:

    Dann wissen wir ja jetzt offenbar, warum es beim Vorgänger, dem selbsternannten Mann der Wirtschaft, nicht geklappt hat mit dem Aufschwung für die Stadt an der Elbe: Statt Tees aus grünen Blätten lieber rote Trauben getrunken und der Schreibtisch entsprechend schief und wankend am falschen Platz. Auch wenn Heuer nach eigenen Angaben hingeschmissen hat, weil SPD und Grüne und ein junger FDP-Mann nicht der CDU-Politik folgen wollten. Nun sind alle gleich(geschaltet).
    Was wird dann wohl bei Herrn Thiede herhalten als Begründung, falls/wenn es nun weiter bergab geht? Wie gut, wenn die Presse gerade noch dem CDU-Mann aus Niedersachsen redaktionelle Weihen verlieh mit PR-Texten par excellence nun aber schon hinterrücks impliziert, er habe sich nicht „voll `reingehängt“- oder wie anders ist die folgende Anmerkung in der LN zu verstehen ? „Zwei Mal ist er schon aus dem Fenster gestiegen, weil es so spät geworden war und der letzte Mitarbeiter die Eingangstür des Schlosses abgeschlossen hatte, ohne den Chef in seinem Zimmer zu vermuten. Auch sonst hat sich einiges in der Lauenburger Verwaltung geändert, seitdem Andreas Thiede am 1. April den Chefsessel eingenommen hat.“ Mir graut`s vor den propagierten Veränderungen. Bürgermeister sind Verwaltungschefs, nicht mehr. An allen anderen Baustellen müssen dringend Schilder errichtet werden: „Zutritt nur mit Ausnahmegenehmigung der Steuerzahler!“

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