Im Sumpf der Verzweiflung

Am 5. Januar 2004 legte die Projektgruppe BILDUNG und REGION ein Gutachten zur Entwicklung der Schülerzahlen in Schwarzenbek vor, welches, so wie das in Schleswig-Holstein üblich ist, das bereits in der Umsetzung begriffene Projekt des Gymnasium-Neubaus wie selbstverständlich beförderte. Nachdem dieses Gutachten jedoch für die Spitze der Entwicklung knapp 950 Gymnasiasten vorhersagte und heute immerhin gut 100 Schüler/innen mehr dort unterrichtet werden, kann man es doch nur als Glücksfall werten, dass dieser Neubau realisiert wurde. Sehen Sie das so? Nun, ich möchte mich nicht permanent wiederholen und lenke das Interesse daher auf zwei wesentlichere Aussagen des damaligen Gutachtens. Den Run auf das Gymnasium durch die unselige „Reform“ des Schulgesetzes durch Rot-Grün, welches durch Schwarz-Gelb kongenial irre fortgesetzt wird, konnte die Projektgruppe unmöglich vorhersehen. Wenn man jedoch bedenkt, dass laut Gutachten die ca. 950 Schüler relativ konstant für die Zeit zwischen 2009 und 2014 vorhergesagt wurden, bevor es eindeutig und unentrinnbar wieder abwärts gehen würde, dann kann ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen der letzten Jahre nur den Schluss zulassen, dass wir spätestens ab 2016 ein überdimensioniertes Gymnasium beitzen werden.

Die Realschule hatte übrigens damals echten Raummangel

 Die zweite wichtige Aussage des Gutachtens betraf die Bevölkerungsentwicklung generell. Hier ging man erkennbar von den Prognosen der Stadtväter aus, wonach immer neue Wohngebiete immer neue Zuzüge generieren würden, so dass man im Jahr 2012 auf 16.840 Einwohner, im jahr 2022 auf 17.834 und schließlich in 2033 auf 18.503 Einwohner kommen sollte. Ohne weitere Zuzüge würde dagegen die Einwohnerzahl bis 2032 auf 13.932 Einwohner sinken. Und trotz aller möglichen (?) Zuzüge könnte natürlich auch Schwarzenbek sich nicht dagegen stemmen, dass die Bevölkerung veralte und daher ist eine so langfristige Finanzierung und Zweckbindung eines Neubaus natürlich ein sehr riskantes Unterfangen. Nein, das letzte stand natürlich nicht im Gutachten, aber erstens wurden die Gutachter zur Finanzierung nicht gefragt und zweitens fällt auf, dass selbst ein so bestelltes Gutachten sich nur sehr zurückhaltend zu den von den Planern dieser Stadt gewünschten Bevölkerungszuwächsen äußert. Und wenn wir uns die tatsächliche Entwicklung ansehen, stellen wir ja auch schnell fest, dass Schwarzenbek in der Zeit nach der Wiedervereinigung rasch und rapide innerhalb eines Jahrzehntes um gut ein Drittel (3.500 Einwohner!) geradezu explosionsartig wuchs und seitdem – so wie vorher – im Grunde nicht mehr.

Woher sollten denn bitte neue Explosionen stammen? Aus China?

 Nun ist man aber dieses Wahnsinnsgeschäft, diesen ungedeckten Wechsel auf die Zukunft eingegangen und hat eine überteuerte Finanzierung á la PPP gewählt, da man wegen Überschuldung bereits nicht mehr konventionell finanzieren durfte. Ich – und wahrlich nicht nur ich! – habe bereits in 2004 darauf hingewiesen, dass der Bürgermeister und seine zwar der Stadt verordneten, aber ihre Pflicht vergessenden Steigbügelhalter Schwarzenbek zum Wachsen verdammten, als sie den Stadtsäckel auf Jahrzehnte gleich mehrfach verpfändeten. Wir müssen ums Verrecken wachsen, weil wir der Schulden sonst auf keinen Fall Herr werden können. Und daher müssen wir wohl auch jede Kröte schlucken, jede Schweinerei mitmachen und notfalls einen Pakt mit dem Teufel eingehen und unsere Seele verkaufen, um nur irgendwie an die so überlebensnotwendige Penunse zu kommen. Am kommenden Donnerstag tagt der Finanzausschuss und die Damen und Herren Stadtverordneten werden dann u.a. vor einem Nachtragshaushalt sitzen und über diesen beraten, der gute 500 Seiten stark das gesamte Elend sehr eindrücklich darstellt. Nur wird es wieder nicht dazu kommen, dass man endlich damit aufhören wird, das nicht vorhandene Geld zu verbrennen. Das hat eindrücklich zuletzt der Bauausschuss gezeigt, der sowohl den Dirt-Bikern, als auch dem IT-Beauftragten der Stadt Gelder und Leistungen in Aussicht stellte bzw. bereits beschloss, die nicht unbedingt und zwingend sind.

Die wie umnachtet erscheinenden Mittelzentrumsjünger Ruppert, Delfs und Moldenhauer haben es mithilfe der, das  alte Vorurteil, wonach Sozialdemokraten nicht mit Geld umgehen können, leider bestätigenden Positionsleuchten Siepert, Francke und Hilger vermocht, Schwarzenbek nachhaltig und erschreckend eindeutig zu ruinieren. Ich habe meine eigene Auffassung, warum die das taten bzw. zuließen aber ich halte es auch für müßig, über die Gründe nachzudenken. Ich wünschte jedoch, dass die Schwarzenbeker Wählerinnen und Wähler realisierten, dass seit der Wahl im Jahr 2008 die Schuldenexplosion zündete. Delfs & Co. waren im Grunde abgewählt, die SPD hielt sie jedoch an der Macht. So etwas ist zutiefst ungesund, wie sich zeigte. Jetzt ist die Situation noch eindeutiger: Die CDU verlor 25 % ihrer Mandate und rutschte an die zweite Stelle. Die SPD ignoriert auch das und lässt Delfs weiter dilettieren. Was kommt also noch auf uns zu? Ich entlasse Sie, liebe Besucher/innen des blackbekblog mit der Grafik des Tages in eine hoffentlich nachdenkliche Zukunft und dem Preisrätsel des Jahrzehntes: Wie wollen Sie dem Schuldensumpf entkommen, wenn ihnen der Morast nur deswegen erst bis zum Hals reicht, weil Sie auf den Schultern eines anderen stehen?

Das sind so ziemlich die trockensten flüssigen Mittel, die ich je sah

One Response to Im Sumpf der Verzweiflung

  1. Bekannnt says:

    Wie kommt man bloß aus diesem Sumpf oder noch besser aus dem Moor heraus? Es gibt keine Möglichkeit, denn alle stecken bis zur Kinnlade fest drin; ein Gegenrudern ist unmöglich, denn dann kommt der Moment, wo alle untergehen.
    Bei den Beratungen kommt nichs Gutes bei raus. Es wird wieder betont, wie gut man doch wirtschaften kann. Die Bürger sollen sich nicht aufregen, denn die nächste Steuerhöhung kommt, und wir können ja alles über einen Wechsel machen, der irgendwann zur Einlösung eingereicht wird und dann platzt, aber das ist ja nicht so schlimm, dann wird der Verlust durch einen Dispokredit gelöst und es ist alles beim alten.
    Schade, das es keine fähigen Personen gibt, die endlich dieser Misere eine dicke Mauer vorsetzen, die nicht durchbrochen werden kann. Ist denn keiner da, der diesem Mißstand Einhalt bieten kann und will???????

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