Die Pressesprecherin

Der Verkündete

Silke Geercken von den Lübecker Nachrichten hat nicht nur eine neue politische Heimat gefunden, offenbar sucht sie auch einen neuen Job. Wenn es zutrifft, dass der neoverde (neugrün statt neoliberal ist der Trend der Stunde!) Bülgelmeistel Frank „Frisch gedreht ist halb geraucht“ Ruppert aus dem bankrotten Dienstzimmer heraus in ein saturiertes Landtagsabgeordnetenbüro gewählt werden möchte, dann stimmt wohl auch, dass er zu diesem Behufe und darüber hinaus auch schon eine Pressesprecherin gefunden hat. Jedenfalls ist es sehr schön, dass ich wieder einmal nur zu fragen brauchte und schon bekomme ich verlässlich ein paar Tage später die vermeintlichen Antworten über die Presse. Jedenfalls grient mich am Wochenende der grün beschlipste Ruppert bereits im Titel des Lokalteils der Lübecker Nachrichten an und lässt verkünden: „Chinesen siedeln sich an“.

Eventuell hat sich aber Frau Geercken auch von meinem offenen Brief einfach mal dazu verleiten lassen, dem Amtsinhaber eine Frage zu stellen, statt einfach nur seine Pressemitteilungen über verkaufte Autos zu veröffentlichen. „Warum gab es eine vertrauliche Gesprächsrunde in Lauenburg?“ Das sei eine der Fragen, die „Schwarzenbeker Bürger“ laut der Wochenendausgabe beschäftige. Sie erinnern sich: Das hatte ich den Bürgermeister vor ein paar Tagen gefragt und bin wie üblich ohne Antwort geblieben. Nicht so die wirkliche Presse. Da folgt die Antwort unmittelbar: „Das Handelszentrum kommt nach Schwarzenbek – wohin auch immer“, macht der gewiefte Antworter „deutlich“. Hmm, werden Sie vielleicht zögern, war das die Frage? Aber ja doch, denn die Verlautbarungsexpertin Geercken hatte vor die momentan viel spannendere Frage die scheinbar alarmierende Überschrift „China-Projekt gerät ins Stocken“ und die Pseudo-Frage „Wann geht es endlich los?“ gemogelt. Das mag ja ihre Frage sein, von Schwarzenbeker Bürgern habe ich die noch nicht gehört. Aber heute geht es mir nicht um diese Frage und nicht um die bezeichnenden Antworten dazu, das wird Gegenstand eines anderen Artikels sein. Heute geht es mir mit Verlaub erst einmal um meine Fragen nach dem „Arbeitsessen“.

Alles übertrieben! Der Schauraum hat bereits eröffnet

„Dass Zhonghui Zhu kürzlich da war und unverrichteter Dinge wieder abgereist ist, habe eine einfache Erklärung“, zitiert die LN den grünstichigen Verwaltungschef, „Mr. Zhu musste sein Visum verlängern lassen“. Ach so, dann war der Besuch ja weder überraschend, noch mussten rechtliche Fragen geklärt werden? Das hatte man ja zunächst als Erklärung angeboten. Nun also so rum und ebenfalls hinten rum und auch nur zur Hälfte wird meine Frage beantwortet, wo man denn gegessen habe: In Lauenburg und das habe eben mit dem neuen Lauenburger Bürgermeister Thiede zu tun, der jetzt nicht nur das Vertrauen der Chinesen genießt, sondern auch noch zum Busenfreund des chinesischen Tycoons avancierte. Und eine weitere Frage wird ebenfalls nur pseudo-beantwortet: „Die Stadt Schwarzenbek hat das Essen nicht bezahlt“. Was soll das? Sagen Sie mal, Frau Geercken, was hat das mit Journalismus zu tun? WER hat das Essen bezahlt und WO fand es statt sind die Fragen, die Sie angeblich beantworten lassen und der Bürgermeister hätte auch „Auf diesem Planeten“ und „Jedenfalls nicht der Osterhase“ antworten können und das hätten Sie dann auch als Antworten nicht weiter kommentiert? Ruppert wies ihrer Meinung nach auf diese Art „Spekulationen“ zurück? Sie glauben wirklich an den Osterhasen, oder? Auf diese Art werden Spekulationen nur noch befeuert!

...und erste Arbeiter haben sich auch bereits eingefunden und mähen schon einmal den Rasen

Jedenfalls wird aus den Befürchtungen, dass man hier entweder eine große Sause auf Kosten der Steuerzahler machte, oder aber – was noch schlimmer wäre – sich von einem potentiellen Investor aushalten ließ, nun ein begründeter Verdacht. Tja, tut mir leid, klingt komisch, ist aber nicht so. Denn so arbeiten Polizei und Finanzamt auch: Wer bei der Aufklärung gar nicht, dann stockend und schließlich ausweichend antwortet, erschwert die Ermittlungen und erhärtet den Anfangsverdacht. Da hilft es dann auch nicht, einen ganzen Artikel mit der angeblichen Sorge vollzuschmieren, ob das ETC denn überhaupt komme und wenn, ob Herr Thiede es etwa nach Lauenburg hole. War das Essen also eine Art Abfindung? Das wäre dann ja noch ein interessanter Ansatz, aber das das passte meiner Meinung nach alles zu gut in diese perfide Art der Vernebelung. Denn viele Bürgerinnen und Bürger Schwarzenbeks treibt ja die Sorge um, DASS und WIE dieser Deal zustandegekommen ist. Die Sorge, die hier breit getreten wird und deren Unbegründetheit man ja vielleicht mit der Fete in der Schifferstadt beging, wird hier aufgepustet, so fürchte ich, um die Sorgen um Bestechlichkeit, Korruption, Veruntreuung und Vetternwirtschaft zu verdrängen. Starker Tobak? Nun, wenn man ständig ignoriert oder wahlweise angelogen wird, dann begreift auch der Dümmste (sollte man jedenfalls meinen), dass da etwas im Busch ist. „Die Verzögerungen in Schwarzenbek stören Mr. Zhu deshalb nicht“, weil es in seinem Kulturkreis nicht unüblich sei, dass Verwaltungsvorgänge länger dauern. Ach was! Und wir hatten doch zunächst glauben sollen, dass die Chinesen im Allgemeinen und der Zhu im Besonderen Geschwindigkeitsfanatiker wären und wir uns sputen müssten, um nur ja mithalten zu können!? Immer so, wie man es gerade braucht, nicht wahr?

6 Responses to Die Pressesprecherin

  1. Bekannnt says:

    Traurig, traurig, aber wahr, die Pleite-Stadt leistet sich eine Pressesprecherin,die auch keine Ahnung hat. Warum kann dieses nicht der leitende Verwaltungsangestellte mit übernehmen? Kann er nicht, weil er auch keine Ahnung hat?

    Ich fürchte, das Essen ist doch von der maroden Stadt bezahlt worden, denn die wollen mit aller Macht die Chinesen in Schwarzenbek haben. Wollen das auch die Bürgerinnen und Bürger? Ich glaube: Nein!!!!!!!!!!
    Die Chinesen sollen alle zu Herrn Thiede gehen und Herrn Ruppert gleich mit nehmen, damit nicht noch mehr Schaden angerichtet werden kann. Man müßte auch bedenken, daß eventuell auch noch andere mit nach Lauenburg wechseln, es wäre zu schön. Frage an den Bürgermeister: Wird noch ein Chauffeur gesucht??

  2. Blogfan Nr. 1 says:

    Also bei allem, was recht ist – an Silke Geerckens journalistischer Integrität so weit zu zweifeln, dass sie aufgrund eines vorgeblich unkritischen Artikels zur potentiellen Pressesprecherin Rupperts erhoben wird, ist schon ziemlich starker Tobak.

    Ich sehe es eher so, dass Text Nr. 1 absichtlich werteneutral gehalten wurde, um mit dem Nachzieher den wahren Wert des China-Handels aufzudecken.

    Im Grunde lädt jede einzelne Ruppertsche Floskel zu der Frage ein: „Was wollte er damit wirklich sagen?“

    „Das Handelszentrum kommt nach Schwarzenbek – wohin auch immer.“ („nur dummerweise nicht mehr auf das lange von mir begehrte FETTE-Areal.“)

    „Wir pflegen einen netten Umgang mit Fette… („so formuliert merkt sicher keiner, das Nett die kleine Schwester von Scheiße ist…“)
    „…Fette hat aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung nun Interesse daran, einen Teil des angebotenen Areals zu behalten.“ (…weil diese Schlauberger leider erkannt haben, dass mein gesamter ausgeklügelter China-Plan zum Himmel stinkt.“)

    „Wenn es nicht zu einer Einigung kommt, werden wir eine andere Fläche ins Auge fassen. Im Lupus-Park gibt es noch Möglichkeiten. („Die Vortäuschung von einer gehörigen Portion Aktionismus bringt schließlich mehr Vorteile als öffentlich zugeben zu müssen, dass der Deal geplatzt ist.“)

    „Mr. Zhu musste sein Visum verlängern lassen.“ („Dass er mir zum Abschied den Nachtisch über den Anzug gekippt hat, verschweige ich diskret.“)
    „Eine Vertragsunterzeichnung war gar nicht geplant. („ursprünglich schon, aber Mr. Zhu hat ihn leider in tausend Stücke zerfetzt.“)

    „…da kann nur noch mein alter Buddy Andreas helfen…“

    • Matthias Borchelt says:

      Wie Sie meinen, aber mit dem üblichen Rauchkraut kommt man in Schwarzenbek nicht mehr weiter. Ihre „Übersetzungen“ der Ruppertschen Aussagen ergeben sich ja auch nicht aus dem Artikel. So etwas erwartete ich nicht nur nicht, sondern verböte sich ja auch für einen nicht als Meinung deklarierten Artikel. Aber die journalistische Nachfrage, der in manchen Bundesländern als Recherche bekannte Versuch, Zusammenhänge aufzudecken und zu erklären, dürfte schon sein, oder? Statt dessen wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Guten Appetit!

  3. Blogfan Nr. 1 says:

    Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass diese beiden Artikel für aktuelle LN-Verhältnisse erstaunlich offen formuliert sind? Ich betone ausdrücklich „aktuell“ – es gab zuvor ja eine Zeit, in der ein gewisser Holger Marohn die Schwarzenbeker Politschrecken genußvoll und giftig verbreitete.

    Heute muss man ja froh sein, wenn eine Schwarzenbek-Anekdote überhaupt noch im Netz verbreitet wird, und mit kritischen Leserbriefen sieht es auch eher mau aus. Und warum? Vielleicht, weil BM, BV und Konsorten sich durch die Verbreitung offensichtlicher Wahrheiten derart bedroht sahen, dass sie die LN-Redaktion dazu „anregten“ (wie auch immer), die Berichterstattung etwas optimistischer zu gestalten…?

    • Matthias Borchelt says:

      Oh, Gott, ich fürchte, es könnte stimmen, was Sie da insinuieren…

      Ja, mag schon sein, dass der chinesische Artikel nicht so hundertprozentig gleichgeschaltet klingt, wie man das bisweilen argwöhnt, aber ich bin das Angela-Merkel-Maß des „besser als erwartet“ wirklich leid. Verdammt, ohne die 4. Säule der Demokratie sind wir ziemlich hoffnungslos verloren. Nachdem heutzutage nur noch das 11. Gebot (Du sollst dich nicht erwischen lassen!) zu gelten scheint, ist es umso unerlässlicher, dass wenigstens die Presse penetriert, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

  4. Robert T. says:

    Will man die Wahrheit wirklich wissen? Dann müssten Wähler einsehen, dass sie sich nur mal wieder ihre Stimme gegen die Versprecher „1000 neue Arbeitsplätze im Kreis“ (Wahl 2008) oder „Millionendeal“ (Schwarzenbek), wahlweise auch „saubere und sichere Atomkraft“ oder „sichere Rente“ abkaufen lassen.
    Dagegen drücken Wohlfühlgeschichten aus den Pressehäusern doch nicht so aufs Gemüt.
    Alle sind zufrieden: Der Chefredakteur, weil er keine Drohgebärden der Parteischranzen und Wichtigtuer aushalten muss („Ich werde meinen Parteileuten empfehlen, alle Abos zu kündigen! Ach ja, und die versprochene Großanzeige schalten wir sonst lieber doch im Konkurrenzblättchen!“), der Wichtigtuer, weil seine Welt in Ordnung ist, wenn alle nach seiner Pfeife tanzen. Die letzten verbliebenen Tageszeitungsleser, weil sie in Bus und Bahn nicht schon am frühen Morgen Hiobsbotschaften ertragen und sich keine Gedanken darüber machen wollen, ob ein Schimmelgymnasium wirklich eine gute Wahl war für den Filius.
    Und die Schreiberlinge? Echte Journalisten in den Redaktionen sind rar, weil viel zu teuer. Sie werden ersetzt durch Hausfrauen und Hobbytexter. Die haben keine Skrupel, solange das Salär nur stimmt. Und wer sich im Märchenerzählen übt, empfiehlt sich für Parteien. Die zahlen bestimmt besser.

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