Schluss mit Lustig

Ohne Worte

Seit der Bürgermeister der Stadt Schwarzenbek sein grünes Gewissen entdeckt hat und dieses auch alle Menschen erfahren ließ, ist mir noch niemand begegnet, der das ernsthaft glaubt. Doch, eine Ausnahme gibt es, aber da bin ich mir nicht sicher, ob das nicht eher der Loyalität zum Vorgesetzten geschuldet ist. Und seit heute morgen, seit ich in die neueste Ausgabe der Werbepostille für abgehalfterte Politzocker schauen durfte, kenne ich noch jemanden, der die Erweckung Rupperts zum grünen Jünger zumindest unkritisch begleitet: Silke Geercken von den Lübecker Nachrichten ist es einmal mehr vorbehalten, kostenlos die Werbetrommel zu rühren bzw. den Klöppel zu halten.

„Ruppert nimmt Grün ernst und verkauft sein Auto“, verkündet sie die neueste Nachricht vom Hofe und behauptet, damit stelle „er sein ökologisches Ansinnen mit Taten unter Beweis“. Denn nun sei er ja „auf Fahrrad und Bus angewiesen, wenn er zu Terminen im Kreis“ wolle.

„Ich wollte nicht nur reden, sondern auch etwas Sinnvolles für die Umwelt tun“

…zitiert die investigative Journalistin den bauernschlauen Propagandisten und wünscht ihm „Gute Fahrt!“ Da kann man sich doch nur anschließen und sich vorstellen, wie das dann wohl in Zukunft abläuft, wenn der Bürgermeister zum Beispiel vormittags um 11 Uhr einen Termin in Güster hat und es regnet wirklich derbe oder stürmt, schneit, was auch immer. Vielleicht hat der Herr Ruppert auch nur ein verknackstes Steißbein, jedenfalls kann er nun, schade, an diesem Tag nicht mit dem Fahrrad dorthin. Es mag ja auch Termine und Dresscodes geben, die eine Fahrt mit dem Fahrrad verbieten. Wie stellt es der ergrünte Schwarzenbeker nun an? Nun, er hat zwei Möglichkeiten und die sehen wie folgt aus:

Mehr an Bus- und Bahnlinien ist nicht

Bus 8810 ab Rathaus Schwarzenbek um 8:06 nach Talkau; Ankunft Talkau: 8:22
Bus 8830 ab Talkau um 9:08 nach Güster; Ankunft Güster: 9:27
Termin in Güster: 11 Uhr – Zeit ist genug vorhanden, denn die Rücktour erfolgt mit
Bus 8830 ab Güster um 13:29 nach Talkau; Ankunft Talkau: 13:48
Bus 8810 ab Talkau um 14:35 nach Schwarzenbek; Ankunft Schwarzenbek: 14:55

Och nee, denkt der umweltbewegte Mensch, ich kann zwar auch mobil am Notebook und online arbeiten und denken, aber 7 Stunden Aufwand, nur um in Güster den Schweinehirten Guten Tag zu sagen, das ist dann docih ein wenig grell. Geht das nicht besser? Doch, natürlich, allerdings muss er dann zum Bahnhof gehen, radeln oder getragen werden. Kurze Strecke, klar, aber zu Fuß bei dem Sauwetter? Egal, wie geht das also vonstatten?

R 2 ab Bahnhof Schwarzenbek um 8:55 nach Büchen; Ankunft Büchen: 9:04
Bus 8830 ab Büchen um 9:10 nach Güster; Ankunft Güster: 9:29
Termin in Güster: 11 Uhr – Zeit ist genug vorhanden, denn die Rücktour erfolgt mit
Bus 8830 ab Güster um 13:27 nach Büchen; Ankunft Büchen: 13:45
R 2 ab Büchen um 14:34 nach Schwarzenbek; Ankunft Schwarzenbek: 14:43

Kiss me, Silke!

You're welcome, Prince Charming!

Bringt jetzt auch nicht so wahnsinnig viel, aber verlängerte die Nachtruhe des mittlerweile mit gutem grünen Gewissen auch viel besser schlafenden Bürgermeisters um eine knappe Stunde. Nun will ich ja gerne zugeben, dass es Ziele mit besserer Anbindung gibt, aber es gibt auch welche völlig ohne! Die müssen dann auf jeden Fall mit dem Fahrrad erledigt werden und der Sekretärin auf dem Gepäckträger. Im Ernst: Was soll uns denn da vorgemacht werden? Selbstverständlich wird die Dienstbereitschaft oder wie immer das da heißt den Bürgermeister nun ständig fahren müssen, denn wenn er wirklich so viel Zeit auf Bustour zu verplempern gedenkt, dann sollte man ihn zur touristischen Erkundung unseres schönen Heimatgebietes freistellen. Und wenn er sich folglich wie Pascha durch die Gegend fahren lässt, dann denken Sie daran: Alles nur für die Umwelt! Und falls Sie der Meinung sein sollten, anstatt dem Bürdenträger die Würde zu halten oder vice versa, sollte die Klatschtante lieber dem grünen Gewissen auch und gerade in puncto China und Transparenz auf den Zahn fühlen, dann haben Sie wohl gestern nicht genug royale Hochzeit gesehen, um endlich begriffen zu haben, was wichtig ist auf der Welt und was eher nicht.

9 Responses to Schluss mit Lustig

  1. Tom Sacks says:

    Freistellen ist überhaupt die Idee. Oder ihm beibringen, dass er auf konkrete Fragen konkret zu antworten hat. Obwohl das auch den Bürgern gegenüber selbstverständlich sein sollte, scheint Herr Ruppert das ja nicht einmal gegenüber der Stadtverordnetenversammlung oder einzelnen ihrer Mitglieder zu beachten. Und der Hauptausschuss bzw. dessen Vorsitzender? Da gilt wohl das Zitat aus dem Struwwelpeter: „Und der Charly blicket stumm…“ (leicht abgewandelt).

  2. Bekannnt says:

    Freistellen auf gar keinen Fall, sondern den Bürgermeister aus Schwarzenbek ausw……, denn wo war der Grüne Politiker heute, eine Blamage und eine Unverschämtheit sich nicht beim Maibaumfest zu zeigen, hier sieht man die Kluft zwischen der 1. Klasse und 2. Klasse der Bürgerinnen und Bürger, ist vielleicht sein Fahrrad kaputt, oder konnte man so schnell keine Rikscha bekommen?????
    Sehr schade, aber man muß ja den Bürgerverein im Zaume halten, er könnte eventuell ,mehr sage ich nicht.

    • Joe says:

      Och, ich habe den Bürgermeister erst letzten Dienstag gesehen, da hat
      er sich in seiner Frühstückspause im schicken neuem Leinen-Anzug sich
      vorm Rathaus ein Elektrofahrrad (Pedelec) präsentieren lassen. Ich
      denke damit schafft man es ganz gut nach Güster, für Regen gibts schließlich
      Regenzeug, das schützt auch einen guten Anzug..
      wenn man dann schon einen Bezug zum englischem Königshaus schafft, könnte
      man ja auch noch den Londoner Bürgermeister erwähnen, der als Ritter auf dem
      glänzenden Fahrrad auch über die Grenzen von England berühmt wurde..
      Ich meine auch als Bürgermeister kann man tatsächlich viel mit dem Fahrrad
      und für das Fahrrad tun. Nur Unserem Bürgermeister traue auch Ich nicht viel zu..

    • Peter Heering says:

      Sehr geehrter Herr Borchelt.
      Als neu Hinzugezogener in diesem ansonsten schönen Kreisgebiet und interessierter Bürger informiere ich mich gerne auch mal lokal.
      Was allerdings auf Ihrer (vielleicht informativ?) gemeinten Internet-Seite zu finden ist, hat mich mehr als gewundert. Ich finde es erschreckend, wie unsachlich und teilweise hetzerisch von Ihnen geschrieben wird.
      Und das offensichtlich (wenn man sich die Kommentare dazu anschaut) teilweise ansteckend . Einer Ihrer „Mitläufer“ geht sogar soweit, sich darüber aufzuregen, dass der böse, böse Bürgermeister nicht zum Maifest erschienen ist. Nein, wie furchtbar! Wenn es denn stimmen würde. Denn, nicht nur ich habe ihn dort gesehen. Ja. Soviel zu einer unabhängigen Berichterstattung? Und Sie mokieren sich über Zeitungsberichte oder -notizen? Die angeblich einseitig sind? Bitte etwas selbstkrischer.
      Meine Güte nochmal, und wenn sich der Mann politisch engagieren will, dann bitte. Jedenfalls tut er etwas. Sind Sie neidisch? Gehen Sie doch selbst in die Politik, das steht in diesem Lande jedem offen. Allerdings benötigt man dafür eine gewisse Vernunft und schon mal keinen Hass (das hatten wir ja schon) …
      Jedenfalls ziehe ich den Hut vor den Menschen, die sich vernünftig politisch engagieren, auf welcher Ebene auch immer. Ob in einer Gewerkschaft, bei der Kirche, in einem Ehrenamt, oder in der Politk. Ihre Freizeit, Kraft und Nerven opfern, um etwas zu bewegen – und dabei auf solche hässlichen Kommentare stoßen.
      Ich wünsche jedem, der sich bereits engagiert oder es vor hat, dass er/sie sich von solch niveaulosem Geschreibe nicht abschrecken lässt!

      • Matthias Borchelt says:

        Sehr geehrter Herr Heering,

        ich finde es gut, dass Sie sich informieren und auch gut, dass Sie sich nicht scheuen, Ihren negativen Eindruck von dieser Seite zu kommunizieren. Nicht gut finde ich, dass Sie einen der hier Kommentierenden als „einen meiner Mitläufer“ bezeichnen. Das beleidigt nicht nur diesen, sondern im Grunde alle Kommentierenden, oder wie war das gemeint?

        Zurückweisen möchte ich Ihre Kritik hinsichtlich des Maibaumfestes. Ich habe darüber rein gar nichts geschrieben. Ich war zwar dort und auch ich habe von den handelnden Politikern nur Herrn Beckmann erblicken können, aber ob der Bürgermeister nun da war oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings halte ich es auch nicht für wesentlich, ob er nun da war oder nicht. Insofern darf ich mich jetzt weiter mokieren oder hafte ich für jede Zuschrift?

        Wesentlich sind andere Vorwürfe, die ich dem Bürgermeister machte und mache. Und nicht nur dem Bürgermeister. Und das Interessante ist ja, dass die alle nicht antworten. Was sagen Sie denn dazu? Sie behaupten, ich wäre unsachlich und hetzerisch und Ihr einziges Beispiel stammt nicht einmal von mir. Sie sprechen mir ab, politisch tätig zu sein, dabei bin ich das hier und war es auch, Sie werden lachen, in der Kommunalpolitik. Dieser Ausflug endete jedoch damit, dass mich der heutige Fraktionsvorsitzende der Grünen widerrechtlich von der Polizei aus dem Rathaus entfernen ließ und alsdann samt Mandat und Fraktionskollegem von den Bürger für Bürger(n) zu den Grünen mutierte. Während ich selbst in der Kommunalpolitik tätig war, unterließ ich es, hier im Blog zu schreiben, denn das wäre sicher nicht unabhängig gewesen. Nun schreibe ich wieder hier und beides geht nun einmal nicht, oder entspräche das Ihrem demokratischen Verständnis?

        Wie gesagt, jedem seine Meinung, und Ihre ist nun einmal eine andere als meine. Das ist gut so. Aber unterlassen Sie doch bitte unbelegte Vorwürfe bzw. falsche Zuweisungen und die Herabsetzung von anderen Leserinnen und Lesern! Vielen Dank. Niveaulos dürfen Sie mein Geschreibsel aber gerne finden, das steht jedem frei.

        Beste Grüße
        Matthias Borchelt

      • Bürgerin says:

        Sehr geehrter Herr Heering,

        als „Neubürger“ von Schwarzenbek sind Ihnen viele Hintergründe nicht bekannt.
        Herr Borchelt prangert zu Recht an, wie hier hinter verschlossenen Türen Politik gemacht wird. Nicht immer zum Wohle des Bürgers. Zahlen dürfen wir alle für die Fehlentscheidungen einer Handvoll Politikern. Zum Glück zahlen auch die, die das alles zu verantworten haben.
        Und zu Herrn Borchelt: Machen Sie weiter so. Öffnen Sie den Bürgern die Augen. Auch wenn manches dem Leser überspitzt und hetzerisch erscheint, schreiben Sie doch, was der Wahrheit entspricht!!!

  3. Peter Heering says:

    Vielen Dank, Herr Borchelt,

    so köstlich amüsiere ich mich ansonsten nur, wenn ich im Radio mal „die Kanzlerin“ ruft an höre!

    Ich habe selten so gelacht!!

    Sie finden, dass ich Ihre Kommentierenden beleidige, wenn ich diese auf ein Niveau mit Ihnen stelle??? Na, dann sind Sie ja doch zur Selbstkritik fähig. Und Sie sind von der Polizei aus dem Rathaus geholt worden??? DAS nenne ich mal aussagekräftig.

    Aber, nun gut, solche Menschen wie Sie muss es natürlich auch geben. Für (fast) jeden ist Platz in diesem Lande und vor allem im Internet …

    Tschüss Bürger, ich lese zukünftig lieber die Zeitung (die natürlich auch nicht neutral ist, ja, ja, ich weiß, Herr Borchelt :-))

    Ach ja, und an die „Bürgerin“: Ich wollte mir ganz bestimmt nicht anmaßen, alle Hintergründe in dieser Stadt zu kennen. Wo Menschen arbeiten, leben und kommunizieren, wird es niemals reibungslos geschehen. Und das ist ja auch in Ordnung. Ich habe nur etwas gegen diese Einseitigkeit. Als wenn es immer nur eine Sicht der Dinge gäbe, und zwar eine negative.

    Diese „geistigen Ergüsse“ können bis zu einer gewissen Grenze ja ganz lustig sein. Aber die Grenzen sind fließend … außerdem sind solche Ergüssse meist schlicht und ergreifend eine Selbstdarstellung.

    Mit freundlichen Grüßen
    ein ernster, aber trotzdem auch amüsierter „neuer Reingucker“

    • Matthias Borchelt says:

      Ich amüsiere mich gerade auch und dann ist ja alles harmonisch ausgeglichen. Ihnen wünsche ich noch viel Freude mit der positiven Sicht auf die Bankrotteure dieser Stadt. Ist ja auch wirklich furchtbar, wenn immer nur negativ berichtet wird! Wie zum Beispiel bei der Hetzkampagne gegen Guttenberg. Da konnte man ja auch sehr schön sehen, wie ein politisches Talent, das sich mit Freude und Engagement einbrachte, von „solchen Menschen“ niedergeschrieben wurde.

      Aber nur mal so am Rande: Ist irgendwann auch mal mit einem Argument zu rechnen? Können Sie mal ein Beispiel bringen, wo ich falsch liege, Unsinn schreibe, so einseitig bin, dass es dringend einer Korrektur bedarf? Warum korrigieren Sie nicht? Los, nur zu, getrauen Sie sich und stellen richtig, was der Richtigstellung bedarf! Blamieren Sie mich und meine „Selbstdarstellung“ und decken schonungslos auf, was für einen einseitigen, negativistischen, unzutreffenden „Erguss“ ich hier absondere! Ehrlich, einige Leute wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie das könnten. Und ich wäre ehrlich interessiert und dankbar. Ich renne ja nicht umsonst immer wieder zur Einwohnerfragestunde und FRAGE. Aber die antworten nicht und da muss ich mir halt meine eigene Wahrheit stricken, auch auf die Gefahr hin, dass da mal die eine oder andere Masche fällt. Würde mich also sehr freuen, wenn es jetzt einen gäbe, der die aufhöbe und mir die hassverklebten Augen öffnete.

  4. Blogfan Nr. 1 says:

    Sehr geehrter Herr Heering,

    erst einmal: Obwohl sicherlich etwas mehr als nur ein „Mitläufer“, fühle ich mich nicht beleidigt. Im Gegenteil, ich freue mich, dass sich ein optimistisch eingestellter Neubürger an der Diskussion beteiligt, und sehe es als dankbare Aufgabe, kritische Denkanstöße zu geben.

    Es sieht in Schwarzenbek nun einmal so aus, dass mit Beginn der Legislaturperiode 2008 ehrgeizige wirtschaftliche wie kulturelle Ziele ausgegeben wurden. Dazu gehörten u.a. der Neubau eines Schwimmbades, der in der Hochplanungsphase sogar zum potentiellen Hochleistungszentrum hochstilisiert worden ist; und der nunmehr seit drei Jahren währende Kampf um die Umgestaltung der Innenstadt + Neubau des Jugendtreffs. Bei Nachfragen, wann es denn endlich losginge, heißt es von Bürgermeister unisono: „Wir befinden uns noch in Vertragsverhandlungen, sind aber auf einem guten Weg.“

    Und dabei wird gern übersehen, dass die Stadt keinen Cent für derartige Großvorhaben hat. Das Geld steckt nämlich im einzigen Großprojekt, das in den letzten Jahren überhaupt umgesetzt wurde – dem Europa-Gymnasium. Eigentlich ein Prestigeobjekt, für das die Investition von (offiziell) 20 Mio € gerechtfertigt erschien; nur wurde nicht bedacht, dass bei ausbleibenden Investitionen weder Geld für Neuprojekte noch für eventuelle Risikoausgaben vorhanden war. Ergebnis: Ein schimmelbefallenes Gymnasium, eine schlecht sanierte Gemeinschaftsschule und ein selig verrottendes ehemaliges Realschulgebäude.

    Der Bürgermeister weiß das und wendet den ältesten politischen Trick an: Große Investitionsversprechen, Kontakte ins wirtschaftlich blühende Ausland und die Garantie von 1.000 Arbeitsplätzen. Und auf Nachfrage, wann es denn endlich losginge: „Wir befinden uns noch…bla bla bla.“

    Glauben Sie bloß nicht, was die Regionalpresse verbreitet…

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