Wer aber von euch leben will

Ich schenkte aus dem Nichts heraus dem Menschensohn das Leben.
Hab Nahrung, Wärme, nicht zuletzt auch Liebe ihm gegeben.
Ich wachte über seinen Schlaf, ich hielt ihn bei der Hand.
Für kurze Zeit war ich der Gott, der seine Welt umspannt.

Der Mensch ward größer, stärker, klüger; sollt‘ ich ihn länger hüten?
Selbst wenn die Welt gefährlich ist, wie konnte ich verbieten,
dass er das Leben, mein Geschenk, in eigne Hände nahm
und beim Versuch, es auszukosten, an die Neige kam?

Nun liegt zerschmettert er im Sand, mein heißgeliebter Sohn
und seine Brüder rütteln jetzt an ihres Vaters Thron.
Wo ich denn wohl gewesen sei, als Menschen in Gefahr?
Warum ich ihm sein Leben nahm, wo ich es doch gebar?

Ach, Kinder, sie verstehen nicht, dass, wenn ich sie behüte,
ersticken sie im lähmenden Gefängnis meiner Güte.
Entscheidet und dann lasset euch vom goldnen Käfig blenden;
wer aber von euch leben will, wird mit dem Tode enden.

Aus der Bamberger Apokalypse: Die Himmelfahrt

Der blackbekblog wünscht Frohe Ostern und freut sich auf ein Wiederlesen am kommenden Dienstag nach Ostern.

2 Responses to Wer aber von euch leben will

  1. Margot says:

    Sieh an, es dichtet noch. 😉 Frohe Ostern!

  2. Matthias Borchelt says:

    Ach, das ist doch schon 6 Jahre alt…
    Aber ich wünsche ebenfalls, frohe Ostern gehabt zu haben! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: