Offener Brief an den Bürgermeister

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

über den büroleitenden Beamten erhielt ich Ihre Antwort, dass bei dem jüngsten Arbeitsessen vertrauliche Gespräche geführt wurden, wie sie im Rahmen von Investitionsvorbereitungen üblich wären.  Ich weiß nicht, was im Rathaus üblich ist, aber ich persönlich habe noch nie davon gehört, geschweige denn selbst erlebt, dass ausgerechnet bei einem „Arbeitsessen“ vertrauliche Gespräche geführt würden, schon gar nicht in so großer Runde. Zudem ist mir schleierhaft, dass man das dann auch noch von sich aus an die große Glocke hängt. Ich muss Ihnen daher sagen, dass ich Ihnen das nicht abnehme, weil ich doch hoffen möchte, Sie wären nicht so unvernünftig, sich angesichts vertraulicher Gespräche derart fahrlässig zu verhalten.


Allerdings ist auch für vertrauliche Gespräche ein klarer Rahmen vorgegeben. Wir reden hier ja nicht davon, dass ein potentieller Investor Ihr Ohr und Ihren Rat sucht und sie beides im Hinblick auf die Aussichten auch gewähren und zur Sicherheit ein oder zwei Beamte als Zeugen dabei haben, nein, wir reden von einer rauschenden Ballnacht mit allen möglichen und unmöglichen Leuten aus Schwarzenbek und Lauenburg! Die Darstellung gefällt Ihnen nicht, ist vielleicht auch unsinnig, aber diesesn Eindruck vermitteln Sie, wenn Sie „weitere Auskünfte nicht erteilen“ wollen. Haben Sie außer den Gesprächsinhalten etwas zu verheimlichen oder warum beantworten Sie wieder einmal nur eine einzige Teilfrage? Wie kann es angehen, dass Sie das komplette China-Geschäft bislang konsequent der Stadtverordnetenversammlung vorenthielten (es gibt keinen einzigen Beschluss, keine Willenserklärung, nicht einmal ein Meinungsbild), aber nun bei angeblich vertraulichen Gesprächen auch noch die Fraktionsvorsitzenden aus Lauenburg einladen? Wem wollen Sie etwas vormachen?

Unabhängig davon, was Sie wollen, möchte ich als Steuerzahler und Souverän wissen, von wem mein Bürgermeister sich aushalten lässt oder wen er aushält. Wo waren Sie essen, wer war alles dabei, was hat das gekostet und worüber wurde gesprochen (Überschriften, nicht Inhalte)? Warum musste die Lauenburger Obrigkeit ebenfalls teilnehmen? Wann haben Sie wen dazu eingeladen, wer hat teilgenommen und warum ist diese Einladung nicht öffentlich, wo doch offenbar alle Fraktionsvorsitzenden eingeladen wurden? Unter welchem Rubrum läuft denn so eine Sitzung, wer bestimmt die Teilnehmer? Warum weiß außer den Fraktionsvorsitzenden kein Stadtverordneter von so einem Termin?

Oder hat am Ende der Investor eingeladen? Neben der offenkundig ebenso heimlich wie rechtswidrig gegründeten Gesellschaft zur Erlangung von Courtagen aus Grundstücksverkäufen sind jedenfalls auch solche „Arbeitsessen“ in Kompaniestärke bestens geeignet, den Verdacht auf Korruption zu nähren und zwar spätestens dann, wenn bei dem einen wie dem anderen keinerlei Fragen beantwortet werden.

Schlimm genug, dass Schwarzenbek wirtschaftlich ruiniert wurde. Jetzt sind Sie dabei, es auch noch moralisch zu beschädigen.

Mit konsternierten Grüßen
Matthias Borchelt

One Response to Offener Brief an den Bürgermeister

  1. Bekannnt says:

    Es ist doch sehr bedauerlich, daß ein Bürgermeister sich so verhält. Ich möchte auch gerne wissen, warum alles verschwiegen wird. Was passiert tatsächlich im Rathaus??? Man wird wohl keine Auskunft bekommen, nur die Schulden, die wachsen. Was kann man als mündiger Bürger eigentlich glauben, hier haben alle etwas zu verschweigen.
    Warum wird auch von den Fraktionen nichts unternommen???? Haben die Damen und Herren etwa Angst??
    Die gesamte Bevölkerung müßte mal demonstrieren, oder besser ein Volksentscheid um diese Missstände aufzudecken.
    Ich glaube, Herr Borchelt, daß es den Politikern egal ist, der Brief wird doch nicht gelesen und geht in den Schredder, genug fürs erste.
    Allerseits ein schönes Osterfest.

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