Das Fell des Bären

Um diese Rechengenies geht es

Dass die Schwarzenbeker Milchmädchen Meister der kühnen Kalkulationen sind, wissen wir ja nicht erst seit heute. Das Mahnmal kommunaler Kontoführung, das Europagymnasium, wird die Kassenlage einer kompletten Generation verhunzen. Und das liegt keineswegs an globalen Krisen und Steuereinbrüchen, sondern schlicht an mangelnder Vor(aus)sicht in Verbindung mit Großmannssucht und verfehlter Planung. Und wenn ich heute in den Lübecker Nachrichten lese, dass weder der Umzug des Vereins Füreinander-Miteinander, noch der des Jugendtreffs aus dem Ensemble Am Markt 6-8 in irgend einer Form sicher gestellt ist, obwohl dort am 31. Juli mit den Bauarbeiten begonnen werden soll, dann ist das ein erneuter Beleg für ein Verwaltungschaos erster Rangordnung.

Was wollt ihr haben? Habt Ihr sie noch alle?

Allerdings stellt sich mir viel eher die Frage, ob man diese Umzüge überhaupt unter diesen Zeitdruck stellen muss? Ich habe auch schon Meldungen gelesen, wonach der Verein „eine neue Heimat an der Allensteiner Straße gefunden“ (siehe: Bergedorfer Zeitung) und auch der Jugendtreff ein neues Domizil aufgetan haben soll. Letzteres wurde offenbar über Monate von den Jugendlichen selbst renoviert, bevor es in diesen Tagen als allzu marode erkannt und darob aufgegeben wurde. Nun soll unter Hochdruck der Umzug in das Gebäude der Compeschule forciert werden. Natürlich mit Kassenkrediten, wir stehen ja erst mit knapp unter 20 Millionen Euro Schulden in der Schufa auf einem Ehrenplatz. Nun werden Sie vielleicht einwenden, dass die Jugendlichen doch irgendwo bleiben müssen, wenn doch ab 1. August die Bagger anrollen! Richtig. Wenn! Frau Geercken schreibt heute in der LN: „Investor Frank Kiefaber hat den Kaiserhof und den Jugendtreff (Markt 6 und 8 ) gekauft.“ Das ist ja toll. Am 6. April leistete Herr Kiefaber noch „Feinarbeit an den Entwürfen“ und nun ist der Bär offenbar erlegt.

Vermintes Gelände?

Da wundert man sich doch! Ich meine, seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten planen und überplanen wir diesen Bereich und kommen nicht voran. Auch die Geschichte um und mit Herrn Kiefaber schien sich zu einer unendlichen zu entwickeln, mit immer neuen Fristen, Anhandgaben, Kaufpreisen, Umzugs- oder Einbindungsplänen und so weiter. Jeder ebenso inoffizielle wie rechtlich komplett unverbindliche Investitionsvertrag mit Chinesen wurde und wird wochenlang abgefeiert und jede der lächerlichen Vertragsunterzeichnungen wie ein Hochamt zelebriert und dieser Durchbruch der Innenstadtentwicklung ist nur eine Randnotiz!? Frank Kiefaber hat Grund und Gebäude am Markt endlich gekauft? Heureka, das ist ja tatsächlich mal ein Schritt voran! Oder etwa nicht? Laufen die Verhandlungen doch noch? Hatte Herr Kiefaber nicht in der letzten Hauptausschuss-Sitzung gefehlt, da er andere, dringendere Projekte hat? Ist die Kirche doch noch nicht restlos befriedigt, die Grenzmauer-Streitigkeit doch noch nicht Geschichte? Ich fürchte, so ist es. Da ist noch nicht einmal Tinte auf den Verträgen, die trocknen könnte, da bauen wir schon die Schränke für die Tücher. So wie Schwarzenbek ja auch flugs und rechtswidrig eine Stadtmarketing GmbH gründete, gerüchteweise um die Provision für den Grundstücksdeal zwischen Fette und Zhu einzusacken, die sie jetzt vermutlich wieder einstampfen darf, könnte also auch im Fall Kiefaber das Fell noch zu Lebzeiten des Bären verkauft worden sein.

Vorgeschobene Interessen?

Erinnern Sie sich dunkel daran, wer gar nicht verkaufen wollte? Wissen Sie noch, wer die Gebäude lieber abreißen und auch den Baugrund auf städtische Kosten sanieren lassen wollte, um hernach einen Parkplatz bauen zu lassen? Haben Sie noch im Gedächtnis, wer grünen Tee trinken und abwarten wollte, was sich ergibt? Wer wurde denn wegen des Druckes der Straße (Bürgerverein, WVS at al.) vom strikten Abriss-Befürworter zum Retter der Fassade? Wer inszenierte Umfragen auf eigenen Homepages, die erstaunlicherweise diametral andere Ergebnisse erbrachten, als die händischen Zählungen der Bergedorfer Zeitung? Ja, genau, das war der Herr Delfs mit seiner immer überschaubarer werdenden schwarzen Herde Stimmviehs. Wegen des öffentlichen Drucks mutierte er erstaunlich schnell vom Saulus zum Paulus und propagierte danach lautstark den Investor. Danach wurde einiges unternommen, diesen zum Abspringen zu verleiten, u.a. wurde mal eben der bereits verhandelte Kaufpreis verdoppelt. Aber Kiefaber sprang nicht. Übrigens war auch Herr Schröder von der FWS, seinerseits benachbarter Grundstückseigentümer und gleichzeitig Patron der ebenfalls benachbarten evangelischen Kirche, gegen den Verkauf. Und wenn weder der Preis, noch die befürchtete Kontaminierung des Bodens dem Projekt den Garaus machen konnten, wird das eventuell die Grenzstreitigkeit erledigen. Weiß eigentlich irgend jemand, worum es dabei geht? Warum lese ich das nicht in der Zeitung? Ach ja, Vertragsangelegenheiten… immer ganz geheim.

Vermutlich auch bald Geschichte

Worauf ich hinaus will? Zählen Sie zwei und zwei zusammen: Starke wirtschaftliche Kräfte der Stadt haben starke wirtschaftliche Interessen an und mit diesem Grundstück, wobei im Dunkeln bleibt, welche das sind. Die SPD bringt einen Investor an, der für kleines Geld kaufen, dafür aber die Fassaden erhalten will. Aus dem kleinen Geld wird größeres Geld gemacht und auch ansonsten wird nichts unversucht gelassen, das Projekt zu verzögern, zu verhindern. Jetzt, wo schon kein Mensch mehr an die Umsetzung glaubt, werden die Umzüge mit Hochdruck begonnen und mindestens der Abriss eines der beiden Gebäude als nun doch unerlässlich bezeichnet. Wie geht es weiter? Wir spinnen mal etwas zusammen: Verein und Jugendtreff ziehen auf Kosten der Stadt um, was ja eigentlich aus den Verkaufserlösen finanziert werden sollte. Das Feintuning der Pläne stockt weiter, schließlich springt Kiefaber endgültig ab. Die Gebäude stehen leer, wovon noch kein Gebäudezustand besser geworden ist. Eines musste ohnehin weg, also wird es zu Lasten der Stadt abgerissen. Dabei wird festgestellt, entweder wahlweise oder beides: Der Grund und Boden ist schlimmer verseucht, die Bausubstanz des Jugendtreffs schlechter als gedacht. Der Jugendtreff wird abgerissen, der Boden dekontaminiert, die Kosten explodieren. Mangels Geld und Plan wird ein Parkplatz errichtet.

Und dann taucht ein anderer Investor auf. Oder der selbe auch schon egal. Dieser freut sich, einen so schönen Baugrund im Herzen der Stadt erwerben zu können. Keine Grenzstreitigkeiten, keine Altlasten, keine Mieter, kein Denkmalsschutz, kein gar nichts. Der Bärenkadaver verwest in der städtischen Bilanz und stinkt dort zusammen mit den anderen gemeinsamen Leichen unserer Stadtverweser immer mächtiger zum Himmel. Kein Grund zur Aufregung, alles läuft wie immer.

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