Der neugrüne Spätblüher

Zu spät und nicht überzeugend gewendet

Während sich das AKW Fukushima auf seinem Weg zur Spitze der Weltkatastrophenrangliste langsam aber unaufhörlich (?) der Dino auslöschenden Mutter aller erdgeschichtlichen Katastrophen annähert, hat in Deutschland auch der letzte Bock wenn nicht verstanden, dass Atomkraft schon immer unverantwortlich war, so aber doch begriffen, dass damit kein Blumentopf, sprich: keine Wahl mehr gewonnen werden kann, und lässt sich daher schleunigst zum Gärtner umschulen. Für den einen oder anderen kamen die Wahlen zu früh, um den gewendeten Hals zu retten, aber wer weiß, ob nicht diejenigen, die beizeiten vorsorgen, mit grünem Auge davonkommen?

Bald nur noch Rang 3 der All-Time-High-Katastrophen

Noch besser, als nur zum grün gefärbten Schaf in schwarzer Herde zu mutieren, blökt man von später Erkenntnis und konvertiert. Wenn doch die immergrünen Wiederkäuer auf absehbare Zeit vom Wähler verlässlich von satten Wiesen zu saftigen Weiden geleitet werden, dann sollte mitlaufen, wer immer kann. Was glauben Sie, wie gerne Gabriel und Gysi jetzt ergrünten, statt grün vor Neid durch die Täler der kargen Umfragen und Wahlergebnisse gehen zu müssen? „Zurück! du rettest den Freund nicht mehr!“, möchte man ihnen mit Schiller zurufen, aber das wissen die bereits. Nun muss man gezwungen lächeln, den „verdienten Lohn“ jahrzehntelanger Kärrnerarbeit (die jetzt viele nur dank der Katastrophe überzeugte, so zynisch das auch ist) zugestehen und auf bessere Tage hoffen.

Das Sams mit seinen grünen Wunschpunkten?

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man bislang nur insgeheim Farbe bekannte oder besser gar nicht blühte. Dann können diese späten (Machterhaltungs-)Triebe wie ein Coming-out erscheinen. Dann könnte selbst der überraschendste Haken ausreichen, um die Kurve doch noch zu kriegen. Und so verzweifelt es auch ausschauen mag, so ist es vermutlich die letzte Chance, vom Saulus des Rekordschulden verursachenden und regelmäßig an der Stadtvertretung vorbei regierenden Mini-Napoleon zum Paulus des radelnden, verständnisinnigen Bio-Bürgermeisters zu werden, um das grüne Ticket zur Weiterfahrt zu lösen, die Green Card zur Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis im Rathaus. So oder so ähnlich mögen die Überlegungen des Schwarzenbeker Bürgermeisters angesichts der rasanten Talfahrt des ehemaligen Primus im Kreis gewesen sein, als er nun den Bündnisgrünen beitrat, um zu retten, was nicht mehr zu retten sein dürfte.

Nur 2 von vielen Möglichkeiten

Es ist jedenfalls nicht respektloser ihm gegenüber, als er sich gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern und deren politischer Vertretung benimmt, wenn man die Motive des bald 50-jährigen anzweifelt. Gegen Atomkraft und Treibhauseffekt ist inzwischen jeder noch so verstockte Ideologe. Um aber für oder besser gegen diese Gefahren ideologiefrei und ohne falsche Rücksicht gegenüber Parteipfründen und Lobbyinteressen streiten zu können, bieten sich vom BUND bis zu Greenpeace jede Menge Organisationen an. Die sind schon heilfroh über passive Mitglieder. Da müsste der Bürgermeister auch nicht  zu sterbenslangweiligen Ortsvereinssitzungen zur Rettung der Haselmäuse, über die er sich in der Vergangenheit auch schon lustig machte, weil sie die Ortsumgehung erschwerten. Es hat einfach mehr als ein Geschmäckle, wenn ein erfahrener Politprofi im Amt und überraschend seine Liebe zur grünen Partei erkennt; einer Partei, die sich neben dem Atomausstieg folgende Dinge auf die in Regierungsverantwortung allerdings regelmäßig auch flatterhafte Fahne schreibt:

  • Menschenrechte (wir denken an das chinesische Handelszentrum)
  • Ökologie (die Haselmaus lässt grüßen)
  • Demokratie (da ist Essig mit Alleingängen, Herr Ruppert!)
  • Soziale Gerechtigkeit (unabhängig von Kaufkraft und Wahlbereitschaft)
  • Gesellschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen (wie war das mit der Gleichstellungsbeauftragten?)
  • Gewaltfreiheit (auch im Sinne von „mehr Partizipation, mehr Kontrolle und mehr direkte Demokratie.“)

Die hat es damals kalt erwischt, als Schirmacher ergrünte

Und das sind nur die Grundregeln. Wenn Sie sich die Inhalte im Einzelnen anschauen wollen, werden Sie erstaunt sein, welche Werte der Bürgermeister in sich entdeckte, obwohl er sie doch jahrelang so geschickt verborgen hatte. Aber nun will er auch aktiv „vor Ort“ mitwirken. Den seit Jahren scheintoten Grünen Schwarzenbeks, die selbst ihre Probleme mit der Partei haben, wird auch dieser neue Gärtner willkommen sein. Dass die schon länger nur noch ein Muster ohne Wert sind, bewies bereits die nicht so wundersame Wendung des mittlerweile in jeder gewünschten Farbe irrlichternden Matthias Schirmacher. Der war zwar gar nicht beigetreten, aber benannte die von der Wählervereinigung Bürger für Bürger abgeknöpfte Fraktion, in krasser Missachtung des Wählerwillens und mit allen Mitteln bis hin zur offenen Lüge in der Stadtverordnetenversammlung,  kackfrech in „Die Grünen“ um, obwohl man angeblich gar nichts mit denen zu tun hat, nur eng zusammenarbeitet.

Alle drei könnten dabei gewinnen: der Ortsverband der Grünen, weil selbst diese Untoten wie eine Frischzellenkur wirken, das Polit-Chamäleon Schirmacher und sogar der vom Bock zum Gärtner mutierte Bürgermeister. Die vage Hoffnung bleibt, der Wähler möge nicht so blöde und vergesslich sein und auch in 2 Jahren noch erinnern, dass diese Grünen allesamt Grün nur als Ausdruck ihrer letzten Hoffnung tragen und mindestens den basisdemokratischen Idealen der Grünen Hohn sprechen. Schirmacher und Ruppert möchte ich mit dem anderen Weimarer Klassiker eine Warnung ins Stammbuch schreiben: „Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen“! Und wie Goethes Wanderer auf fremden Äckern der Besitzer begegnet, um ihm ohne weitere Fragen hinter die Ohren zu schlagen, so könnte es im Falle der beiden Gestaltenwandler der Wähler sein, der ihnen fröhlich auf die Zwölf gibt. Die Hoffnung stirbt jedenfalls zuletzt.

5 Responses to Der neugrüne Spätblüher

  1. wölfi48 says:

    Auch mich hat Fukushima geschockt. Aber sollten wir nicht zunächst einmal in „japanischer Gelassenheit“ machen, bevor wir in Torschlusspanik verfallen?
    Ich habe keinen Dienstwagen, daher kann ich meinen Golf Plus nicht so einfach abschaffen. Denn Lebensmittel und Mehrweggetränke muss ich irgendwie nach Hause schaffen. Ob ich dies mit dem eigenen PKW mache oder den Lieferservice nutze, ist der Umwelt doch egal. Aber vielleicht hat die Frau vom Bgm ja noch einen (Zweit-) Wagen?
    Übrigens, unsere Familie nutzt jetzt schon ÖKO-Strom aus 100 % Wasserkraft. Müssen wir deshalb jetzt in die „Grüne-Gegen-Alles-Partei“ eintreten?
    Herr Bgm ist dies nun der Anfang von Ihrem Ende als Verwaltungschef?

  2. Joe says:

    Ich musste auch glatt laut lachen als ich diesen Artikel las,
    dachte schon der lag noch vom 1.April auf dem Schreibtisch
    des BZ-Redakteurs.. Auch Rupert kommt etwas spät. Die Berliner
    FDP hat schon einen Tag nach der Wahl in BaWü verkündet, dass
    sie (eigentlich schon immer) AKWs abschalten wollen. Ob wir Herrn
    Ruppert jetzt am Ostermontag auf der Demo in Krümmel treffen?
    Nun, persönlich schwanke ich ziemlich hin und her.
    Zum einen bin ich ja schon froh, wenn ein Bürgermeister
    nicht der NPD beitritt, und wenn Umweltpolitik mehrheitskonform
    wird ist das auch erfreulich. Nur glaubwürdiger wird der Herr Ruppert
    dadurch keinesfalls.. Ich hoffe nur dass es dem Ansehen derUmweltpolitik
    langfristig nicht eher schadet als dient..

    achja und herr rupert möchte nur noch radeln.. vielleicht tut sich dann
    auch in dieser sache was. (ich überlege glatt ob ich ihm seinen mercedes
    abkaufe, denn mir wurde erst vor zwei wochen zum 3. male seit ich hier wohne
    ein fahrrad geklaut.. )

  3. Joe says:

    @wölfi48
    Nun wir haben auch keinen Dienstwagen. Und trotz Kinder
    haben wir es geschafft seit fast zehn Jahren in Schwarzenbek
    ohne Auto auszukommen. Selbst Getränkekisten kann man
    mit einem Fahrradanhänger transportieren.
    Dass sie Ökostrom beziehen ist löblich, wirklich! Allerding ist
    ihr Strom derselbe wie vorher. Man muss sich das Netz wie
    einen See vorstellen. Ein Ökostrom auf der anderen Uferseite
    sorg nur dafür, dass der See insgesamt grüner wird. Wichtig
    dabei ist, dass ihr Anbieter in neue regenerative Energie investiert.
    Wirklich vertrauenswürdige Anbieter gibt es derzeit nur 4 !
    Googeln Sie einfach mal “ Atomausstieg selbermachen“..
    Natürlich müssen Sie, selbst wenn sie sich bspw. für „Greenpeace-Energy“
    entscheiden sollten, nicht bei den Grünen bzw. bei Greenpeace eintreten.
    Aber dass diese Leute „gegen alles“ sind ist ein Klischee, sie sind
    auch mal dafür, wenns richtig ist.

  4. Blogfan Nr. 1 says:

    Bei dem Genuss des BZ-Artikels ist mir folgender Satz besonders ins Auge gefallen:

    „Bereits am Vorabend hatte Ruppert die Fraktionsvorsitzenden der Parteien von dem Schritt informiert, da er zwei Amtszeiten als parteiloser Bewerber für den Bürgermeisterposten kandidiert hatte.“

    Da drängt sich doch die Frage auf, ob sich in unserem Kommunalgesetz nicht irgendein gut versteckter Passus verbirgt, der die dritte Amtszeit eines parteilosen Bürgermeisters ausschließt – und ob nicht vielleicht ein aufmerksamer Kreisbeamter den Tip schnell weitergegeben hat, bevor Frankie seine erneute Kandidatur bekanntgibt. Es wäre ja auch reichlich peinlich, wenn sich innerhalb einer Legislaturperiode herausstellen würde, dass Schwarzenbek einen „Illegalen“ auf dem Chefsessel beschäftigt…(natürlich nur für den Fall, dass er 2013 wiedergewählt wird, und das sollte mit einem anständigen Gegenkandidaten verhindert werden können).

    Spinnen wir den Faden weiter: Wenn der Super-GAU von Fukushima nur einen Bruchteil unserer Politvertreter zum ehrlichen Nachdenken und Handeln brächte, wäre bereits ein großer Schritt getan.
    Aber bei einem Bürgermeister, der sich in den letzten drei Jahren vor allem damit hervorgetan hat, wirtschaftliche Beziehungen zu dem weltgrößten Umweltverschmutzer (der Volksrepublik China) aufzubauen, darf diese Ehrlichkeit in ernsthaften Zweifel gezogen werden.

    • Arno Boldt says:

      Nun ist das Aufbauen wirtschaftlicher Beziehungen per se nicht vorwerfbar – auch nicht, wenn man sich den weltgrößten Umweltverschmutzer als Partner ausgesucht hat. Wichtig ist hierbei nur, Rahmenbedingungen zu setzen, die einem modernen Ökoverständnis hierzulande eine Chance in der Realität verschaffen. Und genau hier muss Ihr Blick ansetzen, und nicht bei einer allgemeinen Ausgangslage.

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