B.auauau.schuss – …nach Digbek

Halten Sie es für sinnvoll, die vorhandenen gemieteten DSL-Leitungen gegen eigene Lichtwellenleitungen auszutauschen, wenn die Zugkanäle bereits vorhanden sind und der städtische Bauhof die 24-aderigen Glasfaserkabel ziehen kann, so dass lediglich die Aufspleißarbeiten fremdbezogen werden müssen und  dadurch die vorhandenen Server im Bauhof, in zwei Schulen und im Holzhaus gegen virtuelle Server im Rathaus ersetzt werden können, was insgesamt die Performance deutlich erhöht?

Das Mäh vom Mähdiakonverter hat sie ja noch verstanden...

„Die Fragen habe ich schon nicht verstanden, die Antworten vielleicht zur Hälfte“, bekannte der Vorsitzende des Bauausschusses Nils Hilger in lobenswerter Offenheit. Die gerade einmal ein oder zwei Nachfragen aus der „Mitte des Ausschusses“ zeigten, dass es dem Rest der Politiker nicht besser erging. Wenigstens hatte die FWS mit Herrn Piossek ein bürgerliches Mitglied zu bieten, welches schriftlich ein paar Fragen bzw. Überlegungen vorgelegt hatte. Allerdings hat man seltsamerweise mit diesen Fragen begonnen und darin und in den relativ ungnädigen Antworten des städtischen Systemadministrators Walter Evers hagelte es weitere Fachbegriffe, wie Patchschränke, Mediakonverter, Switche usw. Die Ausschussmitglieder schalteten daraufhin erkennbar ab. Und auch der Vorsitzende stoppte Herrn Evers nicht, der in vermeintlich gerechtem Zorn sehr ungehalten wirkte. Dabei waren die Fragen und Anmerkungen sämtlich berechtigt und die Antworten geeignet, die Ausschussmitglieder skeptisch werden zu lassen.

Spleißbox mit innenliegender Spleißkassette

Zu Recht wies Herr Piossek darauf hin, dass die Spleißboxen in der Kostenaufstellung fehlen. Das musste Herr Evers auch einräumen und da spielt es keine Rolle, ob das tatsächlich „nur“ eine Position von 300€ ist, wie er ungehalten grummelte. Schwarzenbek hat ehrenamtlichen Organisation kleinere Etats weggenommen! Die Frage nach den Mediakonvertern blieb offen. Tatsächlich müssen die Kabel nicht nur aufgedröselt, sondern auch irgendwo angeschlossen werden und möglichst in einem Gerät, welches die Lichtsignale versteht! Ob die Switche vor Ort ausreichten, fragt Herr Piossek, woraufhin Herr Evers nur rückfragt: Switche?

Nun, vermutlich stehen da momentan schon Switche. Ganz sicher sogar. Aber wenn die Standorte, also Bauhof, Schulen, Holzhaus über die sogenannten Spleißboxen an das Rathaus angeschlossen werden sollen, müssen dann nicht auch an den Standorten Switche hin, die man an diese Spleißboxen anschließen kann? Mit einer Fritzbox wird man da wohl keinen Erfolg haben. Akustisch war die in den Bart gemurmelte Antwort kaum zu entziffern, aber eventuell musste Herr Evers auch das konzedieren. Jedenfalls meinte er, eventuell lägen die Dinger auch noch irgendwo herum, wobei das Herumliegen businesstauglicher Switche (also nicht der  5,50-€-Switche, die wir Normalsterblichen verwenden würden, um unseren Multimediaserver zu betreiben) sehr seltsam anmutet. Aber auch an dieser Stelle erfolgte kein Hinweis aus dem Ausschuss, dass man vielleicht etwas präziser und aufmerksamer antworten könnte.

Lichtwellenleiter

Die Frage nach der Dimension des Kabels beantwortete Herr Evers mit 24-paarig, wobei man erneut den Eindruck gewann, er hielte auch diese Fragen für überflüssig. Aber wie sonst soll man beurteilen, ob die mit 2.900€ angesetzten Materialkosten für das Kabel realistisch sind? Dem Frager aus der FWS erschien das nicht so, aber der städtische IT-Mann rechnete geschwind vor, dass bei 2,7 km und einem Preis von 1,10 pro Meter ein Betrag von 3.052,35€ resultiere. Kommt nicht hin, oder? Andere notierten 3.254,35€, aber das geht auch nicht an. Oha, werden Sie denken, der blackbekblog scheint ja doch ziemlich ungenau zu sein. Mag sein, aber ich gelte allgemein als guter Protokollant und nicht ganz debil. Sie mögen hoffentlich daraus ersehen, dass man dem Ganzen nicht gerade gut folgen konnte. Wie dem auch sei, die 2.900€ gemäß Aufstellung Evers waren offensichtlich auch nicht richtig. Und so ging das munter fort: Wie das Rathaus an das Internet angebunden sei, begehrte der Frager zu wissen, und ob die Kapazitäten hinsichtlich des zusätzlichen Anschlusses vieler PC’s ausreichten. Mit der besten und schnellsten DSL-Leitung, die man für Geld mieten kann, so der Systemadmin und fragte zurück, was denn das Ganze mit dem Internet zu tun hätte. Müsste er eigentlich wissen, denn er plant ja, die DSL-Verbindungen der vier Stationen zu kündigen, so dass auch alle PC’s an den Schulen über das LWL-Kabel und den Internet-Anschluss des Rathauses surfen.

In die Switche vor Ort passt keine LWL

Ob denn die Server-Kapazitäten im Rathaus ganz grundsätzlich ausreichten? Jetzt nicht, später schon, gefiel Herr Evers sich in der Rolle des Spaßmachers. Der Ausschuss fand zwar keinen entsprechenden Ansatz in der Kalkulation, störte sich aber nicht daran. Auch die Tatsache, dass die künftigen Betreuungskosten der zusätzlichen Netze nicht in der Tabelle erschienen, bekümmerte keinen der Anwesenden. Schließlich erhellte sich ein wenig das Dunkel, weil der schriftliche Frager zu wissen begehrte, ob anschließend alle in einem Netz zugange wären oder eine Trennung in virtuelle Teilnetzwerke erfolge. Ja, genau, das sei halt der Clou und daher wäre es auch gar kein Problem, dass alle Rechner später auch auf das Rathaus zugriffen, denn virtuell wären sie ja abgetrennt. Daher wären auch keine zusätzlichen Sicherungsmechanismen erforderlich. Aber natürlich müsse man einen größeren, einen deutlich größeren Server im Rathaus beschaffen, der dann auch die künftige, virtuelle Teilung in viele Server erlaubte. Kostenpunkt? Wurde nicht thematisiert.

Man kann ja nicht ständig nur stramm stehen

Was denn mit den alten Servern aus den Schulen passiere, wollte Nils Hilger noch wissen. Ob die anderweitig eingesetzt werden könnten. Löblich in der Absicht, sparen zu wollen, aber offensichtlich gedanklich nicht mit der Sache beschäftigt. Bei der Abschaffung der Server und der fiktiven Ersparnis geht es um die nicht mehr erforderliche Ersatzbeschaffung. Alle Server sind angeblich fünf bis sechs Jahre alt, mithin abgängig und müssten, ohne LWL und VLAN für ca. 20.000€ ersetzt werden. Okay, meinte Hilger, dann müssten jetzt also erst einmal diese 3.052 oder 3.254€ abgesegnet werden? Nein, natürlich nicht, sondern bitteschön die von Herrn Evers zusammengestellten 13.200€. Und so geschah es dann auch: Bei einer Enthaltung einstimmig angenommen.

Kein Aas hat zu keinem Zeitpunkt gefragt, warum denn der Bauhof nicht für ein paar zusätzliche Euro monatlich eine bessere DSL-Leitung bekommen könnte, denn das ist doch der Anlass für den ganzen Zinnober?! Und es fragte auch niemand, wie es denn angehen könnte, dass 4 Mitarbeiter des Bauhofes 6 Wochen lang dafür eingesetzt werden können, ohne dass die an allen Ecken und Enden fehlten! Erinnern Sie sich an die Schmutzbeker Dirtbiker? Deren Anlage könne auch durch die Mitarbeiter des Bauhofes nebenbei gepflegt werden, war der Ausschuss zuversichtlich. Kann es sein, dass wir zu viele Mitarbeiter im Bauhof beschäftigen? Kann es zudem sein, dass wir noch immer zuviel Geld haben, oder warum fragt eigentlich kein Ausschussmitglied nach der großen Diskrepanz zwischen Ausgaben und Ersparnissen?

Erste Verlegung eines Lichtwellenleiters in Schwarzenbek anno 1880

Fazit: Es ist höchst bedauerlich, dass ein – zumal langfristig betrachtet – interessanter Plan sich damit verkaufen will, dass er weglässt oder allen Ernstes im Trödel nachschauen will, ob sich nicht noch geeignetes Flickwerk fände, kurzum: nicht aufklärt, nicht erklärt, sondern schlicht auf die anwendertypische Unkenntnis und die bis dato abgehobenen Sprachregelungen in der IT-Welt setzt, statt das eigene Wissen und den Charme einer guten Idee, trotz, wenn man es richtig machen will, nicht unerheblicher Investitionen, umfassend zu erklären. Letztlich ist eine LWL-Leitung vergleichbar mit einer Umgehungsstraße bzw. einer Stadtautobahn oder einem Durchgangs-, statt eines Kopfbahnhofes. Eine gute Idee ist eine gute Idee und sollte weder dumme und erst recht keine kritischen Fragen scheuen. Für letztere sollte Herr Evers dankbar sein, denn seine Lichtwellenkabel verlegenden Steinsetzer würde ich als Stadtrat nicht haftbar machen wollen, wenn sich herausstellt, dass bei einer fünfstelligen Investition eine Komplikation der Komplikation eintritt und der Posten für Unvorhergesehenes auf weit über 10% schnellt. Gibt es eigentlich einen Posten für Unvorhergesehenes?

4 Responses to B.auauau.schuss – …nach Digbek

  1. H.Rose says:

    Hätte der mitdenkende, seine Überlegungen schriftlich äußernde Herr Piosseck live miterlebt, in welchem Stil die Obrigkeit seine vielleicht nicht extrem kommunalpolitisch-professionell formulierten,sicher aber gut gemeinten Punkte abgefertigt hat, nie wieder würde er sich wohl zu Belangen der Stadt – „unserer“ Stadt – äußern. Aber das ist typisch für die Obrigkeit: Sagt ein Bürger mal was, wird das gleich als Affront gewertet, anstatt sich über engagierte, mitdenkende Bürger zu freuen.

    Auch eine Version von Management by Champignons – Die „Untergebenen“ im Dunkeln stehen lassen, sie mit Mist überschütten und wenn sie die Köpfe hoch strecken, werden die abgemäht.

    • Matthias Borchelt says:

      Guten Morgen, Herr Rose!

      Im gelben Blatt stand zu lesen, dass Herr Evers „überraschend unwirsch“ mit den Fragen umging, „so dass sich Hilger veranlasst sah, zu betonen“, natürlich seien Fragen zulässig und müssen beantwortet werden. Nun, meine Erinnerung ist eine andere. Hilger reagierte nicht etwa auf Herrn Evers, sondern auf Herrn Heitmann aus ihrem Verein, der meinte betonen zu müssen, dass die Fragen nicht von der FWS sondern von Herrn Piossek stammten. Daraufhin fuhr der Vorsitzende des Bauausschusses – ebenfalls überraschend – Herrn Heitman an, dass es keine Rolle spiele, wer die Fragen stelle, auf jeden Fall müssten sie beantwortet werden. Mag ja sein, dass Hilger aufgestauten Zorn in sich hatte, weil der IT-Admin der Stadt sich ja wirklich geradezu flegelhaft benahm, nur reichte sein kleines bisschen Mut dann offenbar nicht, herrn Evers zusammenzustauchen. Das allerdings wäre nötig gewesen!

      Jetzt ist unser Bürgermeister ja grün und von nun an wird sich das alles sicher ganz anders darstellen. 😉

      Beste Grüße
      Matthias Borchelt

  2. Ruben Ballutschinski says:

    Spannend. LWL-Leitungen um Standorte anzubinden ist eine gute Idee. Was ich mich frage ist, wie die Netzwerke der noch dezentralen Standorte z. Zt. organisiert sind? Arbeiten die Anwender mit Windows-Büchsen in einer Unix/Novell-Umgebung? Oder sind es reine Windows-Domänen? Was stehen da eigentlich für Drucker? Alle mit einem tauglichen Printserver ausgerüstet? Andere Drucker machen für mich keinen Sinn. Ein Single-Port-Printserver von HP kostet schon mal 170 -200 € pro Stück. Geht auch billiger von anderen, muss man dann nur häufiger zurücksetzen.

    Ohne Lizenz wird ein neuer HP G7-Server, der vier bis fünf Server virtualisieren soll (z. B. vSphere 4 Essentials Bundle für 500 € – kann man m. W. auf drei Maschinen ballern, bevor es richtig teuer wird) mindestens an die 6.000 € mit Carepack kosten. Das ist vergleichsweise günstig, wenn ansonsten 2.000 – 2.500 pro Server ausgegeben werden müssten. Das Einsparpotenzial hätte man dann auch bei den Care Packs von HP. Ein fünfjähriges Care Pack mit erweitertem Service (Businessday bis 21.00 Uhr) kostet allein über 2000 € für einen DL 380 Server.

    Welcher Switch im Rathaus steht, dürfte wesentlich für den Erfolg sein. Ein Pro Curve Switch von HP mit 88 Anschlüssen und 8 GBic Steckplätzen kostet ca 6000 € (ohne die Module, das GBic Modul muss man extra kaufen und bei HP passt nur HP. Ein Modul kostet ca. 300 € ) – es sei denn man findet dieses Modell als Bundle und bekommt es (ohne GBic Module) für 4.500 bis 5000 €. Die GBic Module kämen wahrscheinlich insgesamt auf schlappe 2000 €. Ich gehe mal stark davon aus, dass im Rathaus ein vergleichbarer Switch schon vorhanden ist, denn ansonsten kann die Kalkulation nicht funktionieren.

    Ein ProCurve Switch ist nicht nur voll managbar und kann verschiedene VLANs integrieren, es lassen sich auch im Zusammenspiel mit HP Servern sehr einfach die Netzwerkkarten der Server mit Lastenausgleich bündeln. Was zwingend notwendig ist, wenn ein physikalisches Gerät vier oder fünf Server spielen soll. Da braucht es einen Switch, der auf der letzten Meile zu den Servern aus 5 mal je 1 Gigabit fünf Gigabit macht. Wobei bei der Trennung der Netzwerke mir gerade auffällt, dass die Anzahl der virtuellen Server schnell sprunghaft ansteigen kann. Jede Schule ihren Mailserver? Jede Schule ihren Backup und Fileserver? Und nicht zuletzt jede Schule ihren Terminalserver? Oder kann eine virtuelle Maschine mehrere Mandanten verwalten und trotzdem getrennte Netze haben? Wirklich spannend.

    Wie werden die VM’s gesichert? Reichen die jetzigen Sicherungssysteme? Davon gehe ich auch stark aus, dass das Bandgerät über genügend Kapazitäten und Speed verfügt, um alle virtuellen Server im Sicherungsfenster aufs Band zu spielen. Oder plant man etwa mit Festplattensicherungen zu arbeiten?

    Spannend ist auch die Frage ob ein Faxserver Bestandteil des Netzes sein wird oder zukünftig sein soll oder muss? Einen solchen zu virtualisieren ist nicht ohne. Geht, aber die passende Hardware dafür ist nicht billig und tricky. Ansonsten muss der Faxserver ein physikalischer Server sein und damit wüchse die Anzahl der physikalischen Server meiner Meinung nach auf zwei.

    Also mir fallen etliche Fragen ein, die sich möglicherweise ganz schnell in Luft auflösen, aber die ich – bevor ich 13.000 € verballere – mir auf jeden Fall beantworten bzw. erklären lassen würde.

    • Matthias Borchelt says:

      Auch wenn es mir angesichts dieses Kommentares ein wenig geht, wie dem Ausschussvorsitzenden, habe ich doch begriffen, dass es a) einige Unwägbarkeiten und b) ganz sicher einige Hardware gibt, die noch nicht in der Kostenaufstellung berücksichtigt wurde. Ich habe mir erlaubt, diesen Kommentar dem Ausschuss zuzustellen und diesen aufzufordern, sich noch einmal mit dem Admin ins Benehmen zu setzen, ob alle diese Dinge tatsächlich schon vorhanden sind. Wenn nicht, und wenn tatsächlich einiges auf jeden Fall noch zu besorgen ist, dann ist der Beschluss nichtig und müsste wiederholt werden. Allerdings bedürfe es dann einer neuen Vorlage.

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