bAUAusschuss – Von Dirtbek…

Eine Woche Vorbereitung auf Themen, in denen man nicht unbedingt zuhause ist,  erscheint knapper als es ist. Niemand erwartet von den Mitgliedern des Bauausschusses Experten in allen Aspekten der Tagesordnung zu werden. Aber muss man nicht erwarten dürfen, dass man sich wenigstens ein paar Gedanken macht und Fragen überlegt? Warum meldet man sich sonst in einen Ausschuss? Ich will den braven Stadtverordneten und bürgerlichen Mitgliedern nicht zu nahe treten und sie mögen sich ja auch redlich bemühen, aber mich erschreckte das schon, wie leicht so ein Ausschuss zu (ver)leiten ist. Am vergangenen Donnerstag konnte man jedenfalls in 2 Akten miterleben, wie hilflos so ein Ausschuss sein kann, sei es nun mit oder ohne Fragen. In dem heutigen Artikel geht es um den ersten Akt dieses Trauerspiels.

Das Dirtbiken rührt vom Fahren im Dreck und nicht auf gepflegten Luxusanlagen

Die jungen DirtBeker, die ihr Anliegen präsentierten, haben bestimmt größere Mühe, auf dem Sattel zu bleiben, als die Bauausschussmitglieder bei ihrem Thema. In der Sitzung vom vergangenen Donnerstag konnte der Vorsitzende  Nils Hilger zwar seine eigene Parteigenossin belehren, dass Fragen zur Brüggemannschen Koppel nicht in den Ausschuss gehörten, ansonsten war er aber weniger konsequent. Wie sonst ist zu erklären, dass der zwar konkrete, aber noch reichlich planlose Wunsch weniger jugendlicher Hobbysportler nach einem DirtBike-Parcours in Schwarzenbek bereits mit großem Tamtam im Bauausschuss präsentiert werden durfte? Von Haus aus gehört so ein Thema zuerst in den Sozial- und Kulturausschuss! Dort hätte man sich vielleicht auch mehr Gedanken darüber gemacht, wie sinnvoll und notwendig eine solche Einrichtung ist und nicht nur über die Umsetzbarkeit nachgedacht. Benötigt Schwarzenbek in Zeiten gigantischer und nicht mehr beherrschbarer Finanzlöcher einen Spielplatz für Wohlstandszöglinge, die ihrem Hobby bislang problemlos – auch nach eigenem Bekunden – z.B. in Trittau nachgehen konnten?

Die beiden Gymnasiasten waren jedenfalls von ihren Vätern nicht nur begleitet, sondern auch prima vorbereitet worden. Neben einem PowerPoint-Vortrag und einem entsprechenden, vielfach farbig ausgedrucktem, vielseitigem Handout, hatten sie auch ein Modell der geplanten Bahn dabei. Und weil sie dann auch noch „so süß“ waren,  punkteten sie sich durch. Trotz völlig ungeklärter Rahmenbedingungen sah Hans-Heino Meier von der CDU am Ende „nur noch“ die Versicherungsfrage als offen an. Die hatte – Ehre wem Ehre gebührt – der Bürgervorsteher zu recht als wesentlich eingebracht. Helmut Stolze von der FDP hatte nach den Erstellungskosten (ungeklärte Sponsoren sollen die tragen) und dem Erhaltungsaufwand in den folgenden Jahren (hier hatte man an den Bauhof gedacht…). gefragt. Der Ausschussvorsitzende bekümmerte sich um das Grundstück, inwieweit es im städtischen Eigentum (das ist es) und ob es Ausgleichsfläche sei (das ist es nicht). Der Ausschuss stellte also schon seine Fragen. Die drehen sich aber eben wie üblich nur um die Machbarkeit, nicht um die Notwendigkeit. Ich bezweifele, ob z.B. darüber nachgedacht wurde, wer den Spielplatz am Grover Weg in welcher Form momentan nutzt.  Eventuell gibt es ja Kinder und Jugendliche, die nicht das Geld für BMX- und/oder Dirt-Bikes haben und das Feld lieber frei behalten wollten? Vielleicht ist es ja auch einmal angebracht, nicht schon wieder zuallererst an die Gymnasiasten zu denken? Wo spielen eigentlich die türkischen und russischen Kids?

Entsprechende Presse hat man bereits

Und was ist, wenn die begüterten Zöglinge das Interesse verlieren?  Offenbar erst einmal alles egal. Obwohl hier nicht mehr als eine erste Idee päsentiert werden konnte (und erstaunlicherweise durfte), sahen die Ausschussmitglieder  offenbar die Möglichkeit, sich (hoffentlich!) ohne großen Aufwand lieb Kind zu machen und daher stieß das Projekt auf positive Resonanz. Die Radfahrer könnten schon einmal damit beginnen, Sponsoren zu suchen, so das Fazit des Ausschusses. Tja, das hat man nun davon, wenn man sich kleine Jungs in den Ausschuss lädt und die Strippen ziehenden Papis im Hintergrund behält. Die Beißhemmung gegenüber Kindern ist ja grundsätzlich positiv, aber wenn das bewirkt, dass man trotz vollständig unausgegorener Ideen bereits Grundstücke zur kostenlosen Nutzung in Aussicht gestellt bekommt, dann wird das Schule machen. Schade, dass kein Ausschussmitglied den Mumm hatte, den vom Schicksal begünstigten Wohlstandskindern oder wenigstens deren Vätern zu erklären, dass Schwarzenbek es sich gerade aber so etwas von überhaupt nicht leisten kann, auch nur einen einzigen Cent in solche „special interests“ zu investieren! Man kann doch nicht ernsthaft, wichtigen sozialen Einrichtungen die wenigen Euro, die sie bislang bekamen, mit Hinweis auf die finanzielle Misere vorenthalten und gleichzeitig – wieder einmal – dem oberen Drittel der Gesellschaft entgegenkommen!

Aber man muss sich gar nicht aufregen, denn so unfertig die Idee, so unverbindlich sind auch die Aussichten. Der Bauauschuss hat in dieser Frage nichts beschlossen und hat ja auch gar nichts zu beschließen. Selbstverständlich muss das Ganze zuerst durch den Sozialausschuss und daher muss man sich fragen, warum man die Zeit des Ausschusses und ja auch der Antragsteller verschwendete. Hoffte man, mit einem positiven Signal des Bauausschusses im Sozialausschuss nicht bei Null anfangen zu müssen? Spekulierte man auf positives Echo in der Presse, um dadurch die Mitglieder des eigentlich zuständigen Ausschusses unter Druck setzen zu können? Und wenn ja, warum hilft der Bauausschuss dabei? Der erste Brief in dieser Sache ging übrigens an den Bürgermeister und mindestens der hätte doch wissen müssen, welcher Ausschuss zuständig ist. Was wird hier also wieder gespielt? Bevor ich mich aber empöre, halte ich mich lieber wieder an meinen Lieblingsstadtverordneten, den unnachahmlichen Fraktionsvorsitzendennebendarsteller der SPD. Egon Siepert wollte vielleicht etwas ganz anderes ausdrücken, aber mit seinen Worten gelang es ihm, die Beerdigung des Projektes deutlich mitzuteilen, wenn man denn zuhören wollte: Das sei eine tolle Idee, die man positiv weiterbehandeln sollte. Nichts sei unmöglich. Es wären zwar viele Fragen offen, über die man in aller Ruhe reden sollte, aber als Idee sei das doch eine sehr schöne Idee, wie gesagt, darüber kann man ja nachdenken und sollte man auch.

4 Responses to bAUAusschuss – Von Dirtbek…

  1. Name says:

    Puren Neid auf den vermeintlichen Wohlstand anderer lese ich in erster Linie aus Ihrem Beitrag heraus. Ist das der wirkliche Grund für Ihre ablehnende Haltung, fragt man sich da ganz automatisch. Warum sonst greift man immer wieder in abwertender Manier auf die Begriffe Wohlstandskinder/-zöglinge zurück? Wann ist man in Ihren Augen ein Wohlstandskind? Wenn man ein Rad besitzt oder die Eltern dieser Kinder generell gut oder besser verdienen als Sie selbst? Und muss man sich für den Erfolg der Eltern schämen oder schuldig fühlen? Klingt fast so. Peinlich, wenn einem diese Unsachlichkeit direkt ins Auge springt. Mal davon abgesehen ist, im Vergleich zu anderen Ländern, wohl fast jedes deutsche Kind als Wohlstandskind zu bezeichnen (Nahrung, Wohnverhältnisse, Krankenversorgung, Zugang zu Bildung).

    „Und weil sie dann auch noch „so süß“ waren, punkteten sie sich durch.“ Vielleicht respektiert man die Wünsche Jugendlicher einfach mal und möchte ihnen auch etwas bieten, woran sie sich erfreuen können. Mir sind Jugendliche auf dem „Spielplatz“, wie sie es nennen (Suggestion in Reinform, die dazu dienen soll, das Projekt ins Lächerliche zu ziehen) lieber als auf der Straße, wo sie aus purer Langeweile Mist bauen und Dinge zerstören, weil sie ihre Energie nicht loswerden.

    • Matthias Borchelt says:

      „Puren Neid“ lesen Sie aus meinem Artikel und das finde ich schade. Spielt es eine Rolle, ob die Eltern potentieller Dirtbeker Kinder besser verdienen als ich? Wertete das meine Einschätzung eo ipso ab? Gut, Sie stören sich offenbar an den Bezeichnungen und empfinden diese als abwertend. Darüber will ich gar nicht diskutieren, zumal nicht mit jemandem, dessen Name „mich nichts angeht“. Ich veröffentliche Ihren Kommentar trotz seiner Anonymität, weil ich es wichtig und unerlässlich finde, auch die andere Seite zu hören. Allerdings gehen Sie auf die Argumente nicht ein, wie ich finde, sondern hängen sich ausschließlich daran auf, dass ich hinsichtlich der netten Kinder nicht ins selbe Horn stoße, in das die drei kommunalen Presseerzeugnisse bereits tuteten. Und Ihr Hinweis darauf, dass es doch besser sei, wenn die Kinder im Mist spielten, statt denselben zu bauen, ist obsolet. Natürlich ist es das. Nur schätze ich die Gefahr für die – ja, wie soll ich sie nennen? – relativ behüteten Kinder aus besser situierten Haushalten doch als geringer ein, als für die Hartz-IV-Abkömmlinge. Letzter Satz: Der Artikel sollte in erster Linie eine Kritik am Bauausschuss sein, denn der hatte hier nicht als erster zu befunden.

  2. Blogfan Nr. 1 says:

    Auch wenn ich dem Artikel in der Vermutung zustimmen muss, dass in erster Linie der Bauausschuss in Symbiose mit der BZ versucht, positive Stimmung in der Öffentlichkeit zu schüren – motivierte Jugendliche (von denen Schwarzenbek definitiv mehr braucht) als „Wohlstandszöglinge“ zu bezeichnen, geht echt zu weit…

    • Matthias Borchelt says:

      Es mag sein, dass ich mit Formulierungen gelegentlich übers Ziel hinaus schieße, auch wenn ich das hier nicht so empfinde. Man muss auch nicht mit jeder Formulierung glücklich sein. Ich denke, die arrivierten Schwarzenbeker Politiker/innen sind es in den seltensten Fällen. Wer sich grundsätzlich an Kritik freut, wird auch mit unliebsamer Kritik leben müssen. Über zwei Aspekte Ihrer Kritik freue ich mich sehr: 1. Die Stoßrichtung meines Artikels scheint nicht von meinem angeblichen Sozialneid überlagert . 2. Sie kommentieren, zumindest intern mir gegenüber, nicht anonym!

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