Wir müssen leider draußen bleiben

Gegen solche Ordensbrüste ist nur im Film ein Kraut gewachsen

Wissen Sie, was ein Staat im Staate ist? Bestimmt erinnern Sie sich an wenigstens einen dieser Spielfilme, in denen es um die eigene Gerichtsbarkeit nicht nur innerhalb der US-amerikanischen Armee geht. Nicht nur fehlt der ordentlichen Gerichtsbarkeit der grundsätzliche Zugriff, auch gilt es den eigenen Strafverfolgern als potentiell strafbar, einen Offizier auch nur zu verdächtigen. Umgekehrt landet ein Soldat (auch als Offizier!) vor einem ordentlichen Gericht und wird dort auch bestraft, sobald er den Gehorsam verweigert. Wenn es nicht gelingt, einen Befehl als offensichtlich rechtswidrig zu entlarven, ist der ehemalige Soldat nicht nur unehrenhaft entlassen, sondern auch vorbestraft. Das ist in Deutschland übrigens nicht anders. Als Wesensmerkmale eines Imperium in imperio gelten dann auch noch ein von der Gemeinsprache unterschiedlicher Sprachgebrauch, abgeschottete Lebensbereiche, zivile Kontrolle durch eigene oder wenigstens ehemalige Mitglieder, ausgeprägtes Kaderdenken und tiefes Misstrauen gegen den Rest der Welt. Kritik von außerhalb, sei es nur in Form von Fragen, wird als Angriff betrachtet und bedrohlich wahrgenommen; Selbstkritik gilt als Verrat.

So sehen sie heute nicht mehr aus, eine Karikatur ihrer selbst sind sie aber häufig auch heute noch

Genau so ein System bildet Schule in Deutschland. Schuld daran ist nicht zuletzt unser Grundgesetz, welches dem Staat auch in punkto Bildung ein Monopol zuweist. Wie jedes Monopol, so ist auch dieses höchst anfällig für Missbrauch und unfähig, sich von innen zu reformieren. Von außen ist es schier unmöglich, denn wo man hinschaut, sind Lehrer. Nicht selten bereits Nachfahren von Lehrern und wiederum mit Lehrern verheiratet, haben diese überwiegend keine andere Lebenserfahrung als Schule. Sie starten im Kindergarten und absolvieren nach Grund- und Oberschule ein Hochschulstudium, quälen sich durch das anschließende Referendariat, um anschließend wieder im Kindergarten, sorry: in der Schule zu landen. Auch innerhalb dieses Berufes haben sie kaum bis gar keinen Kontakt mit anderen Berufsgruppen oder Lebenswirklichkeiten. Beaufsichtigt werden Lehrer, ob in der Schulaufsicht oder im Ministerium von Lehrern. In der Schulpolitik finden wir überwiegend Lehrer. Dieses System befruchtet und ernährt sich nicht nur aus sich selbst, es kontrolliert sich auch selbst. Das kann es nicht zuletzt Dank des unseligen föderalen Systems offensichtlich ungestört.

Der Einfluss der Schüler ist denkbar gering, denn wer riskiert schon gerne seinen Schulabschluss? Wer als Elternteil aufbegehrt, wird nicht selten mit brutalen Mitteln wie Verleumdung und Rufmord bekämpft (alles selbst erlebt) und wo das nicht reicht, werden die Kinder in Geiselhaft genommen. Ja, es gibt auch unter Lehrerinnen und Lehrern bewundernswerte Ausnahmen. Auch solche habe ich kennenlernen dürfen und denen gebührt doppelter und dreifacher Respekt, denn die verbauen sich nicht nur die Aufstiegschancen, sondern dürfen gerne auch Spießruten laufen, weil es dem „Kollegium“ (auch so ein Kunstwort aus der Lehrersprache) gar nicht gefällt, wenn jemand die Preise verdirbt. Leider sind Eltern und auch Schüler nicht selten genau so feige. Nur auf den eigenen Vorteil bedacht und fixiert, schaut man regelmäßig ungerührt zu, wie Leidensgenossen über die Klingen springen.

Stilisiert sich gern selbst: Heike Franzen

Aus meiner Zeit als Mitglied des Landeselternbeirats für Gymnasien kenne ich diese Scharwenzelei zur Genüge und musste ein um das andere Mal zusehen, wie auch dort zurückgezuckt wird, wenn sich doch mal einer aus der Deckung wagt. Wenn man den Erzählungen glauben darf, wagte auch Heike Franzen als Elternvertreterin ein offenes Wort. Jedenfalls strickt sie gerne auch selbst an dieser Legende. So habe ich sie jedenfalls kennengelernt, als sie dem Landeselternbeiräten Mut zusprach, doch bitte unbequem zu sein und zu bleiben. Getreu dem Motto ihrer damaligen Ministerin Erdsiek-Rave (ehemalige Lehrerin), wonach erfolgreiche Schule unverzichtbar kritische Eltern benötige, gefiel sich auch Frau Franzen in der Rolle als große Elternversteherin. Ich habe ihr bereits damals nicht geglaubt und stieß innerhalb meines eigenen Vereins auf großes Unverständnis. Die wäre doch quasi „eine von uns“ und könnte man doch prima als Speerspitze des Elternwillens einsetzen. Ja, Pustekuchen! Heike Franzen sitzt heute als Abgeordnete der CDU im Landtag von Schleswig-Holstein und ich fürchte, sie ist exakt das geworden, was sie angeblich einstmals bekämpfte.

Jedenfalls habe ich nicht erst durch diese Pressemitteilung des Landeselternbeirats für Grundschulen und Förderzentren von dem jüngsten Rauswurf eines hochkarätigen Elternvertreters aus dem Ministerium gehört. Über diesen Eklat war in diesem Artikel auch bereits in den Lübecker Nachrichten (und vermutlich anderswo) berichtet worden, zusammen mit dem Geschmäckle, dass Frau Franzen vielleicht auch noch aus anderen Gründen nicht ganz unvoreingenommen ist. Selbst wenn da nichts dran ist, bleibt der Ausschluss des zuständigen Landeselternbeirates aus dieser Gesprächsrunde ein Skandal für sich. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Eltern sich dieses Mal deutlicher wehren und nicht wie die luschigen Gymnasialeltern das gar zu kleine Schwänzchen wieder einziehen. Die Eltern von Kindern in Förderzentren haben vielleicht zu kämpfen gelernt und wehren sich nachhaltig gegen die Arroganz der Macht, besonders gegen die verlogen anmutende Arroganz der Frau Franzen.

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