Torloses Unentschieden

Das soll Fußball sein?

Ich gebe zu, es ist bisweilen schwer, in Schwarzenbek am Ball zu bleiben. Mitunter (ja, es gibt auch noch andere Worte für ‚zwischenzeitlich’) wechselt die Spielrichtung, dann spielen Auswechselspieler ein völlig anderes System oder es werden während des Spieles die Regeln geändert. Aber eines ist auch beim herzogtümlichen Absteiger nicht anders: Eine Vorlage sollte in ein Tor verwandelt werden. Stefan Huhndorf, einer der Sportfreunde von der Lauenburgischen Landeszeitung, hatte jetzt sogar einen Elfmeter vor den Füßen bzw. den schreibenden Händen – und vergab kläglich.

Jetzt, so schlagzeilt er in der gestrigen Ausgabe, hätten die Politiker den Weg für den Investor Kiefaber freigemacht, „grünes Licht“ gegeben. Nun müsse nur noch der Jugendtreff bis zum 31. Juli raus und der Kaiserhof abgerissen, dann könne mit dem Bau begonnen werden. Die nicht ganz unwesentliche Voraussetzung einer Vertragsunterzeichnung durch den Herrn Investor bleibt dabei leider unerwähnt. Sollte es an der Schlafmützigkeit des grün gefärbten Stadtverordneten Schirmacher liegen? Letzterer hatte, wie der blackbekblog exklusiv berichtete, seinen eigenen Antrag von der Stadtverordnetenversammlung in den Hauptausschuss delegiert. Danach sollte dem Investor eine „letzte Frist“ gesetzt werden.

Schirmacher, wie immer kaum auszumachen, aktuell in grün

Der auch nach 20 Jahren in der Stadtvertretung noch seltsam unbeleckte Feierabendpolitiker hatte offenbar verpennt, dass er dort gar keinen Antrag mehr stellen konnte. Dafür hatte sein gieriger Freund und einstiger Gönner Delfs („Der CDU verdanken wir unsere Sitze!!!!!“) gesorgt. Aber auch im Ausschuss ruhte der bei Bedarf in allen Farben schillernde Schirmacher zumindest während des öffentlichen Teils in Morpheus Armen und verpennte sein Stichwort. So blieb es meiner Frau und der SPD vorbehalten, die Frage aller Fragen zu stellen, wie lange sich Herr Kiefaber denn noch auf der lange abgelaufenen Anhandgabe und dem seit Monaten unterschriftsreifen Vertragsentwurf ausruhen dürfe.

Der war wirklich unparteiisch: Collina (Foto: Free-ers)

Wer nach dieser Maßflanke nun aber einen Treffer des allzu braven Berichterstatters erwartete, sieht sich getäuscht. Schlicht verschlafen? Oder hat er den Spielbericht vorab mit der Kontrollkommission abgestimmt? Das kennen wir doch aber bereits aus dem Sport, dass die grauen Herren Funktionäre den Spaß eher verderben. Gegen die wirkt doch sogar ein Robert Hoyzer unparteiisch! Das weiß Herr Huhndorf auch, also was verführt ihn bloß dazu, das erbärmliche (Schau-)Spiel so unkritisch zu bejubeln? Die Kirche, von der auch Huhndorf zu berichten weiß, dass ohne deren Zustimmung gar nichts läuft, habe „grundsätzlich grünes Licht“ gegeben, schreibt er. Und erwähnt auch, dass Herr Schröder von der FWS im Gegensatz zum Zeitungsredakteur skeptisch und ungläubig nachhakte, ob das realistisch sei. Weiß er nicht oder vergisst er nur zu erwähnen, dass Herr Schröder auch der Patron der Kirchengemeinde ist und als solcher sicher nicht ganz ohne Einfluss, was die Zustimmung der Kirche angeht.

Wenn Sie mich fragen, ob dieser Herr Schröder, zumal als benachbarter Grundbesitzer in dieser Frage nicht als befangen zu gelten hat, so würde ich schweren Herzens zustimmen. Das fällt mir nicht leicht, da ich Herrn Schröder sehr schätze und in der Stadtvertretung niemanden sehe, der auch nur annähernd in Schröders Liga spielte, aber ich würde mir selbst untreu, wenn ich diese Frage anders beantwortete. Aber mir stellt ja keiner diese Frage und der Herr Huhndorf stellt gleich gar keine Fragen. Schade, aber offenbar nicht zu ändern.

One Response to Torloses Unentschieden

  1. Bekannnt says:

    Wenn ich mir die Entwicklung vom Projekt Markt 6-8 ansehe, muß ich sagen, daß die Kirche nun doch umgefallen ist. Herr Jennrich war vehement gegen dieses Projekt, der Kirchenvorstand ist dagegen und das gesamte Bauvorhaben wird abgelehnt. Wie kommt solch ein Sinneswandel zustande? Ist eventuell doch ein Deal entstanden, der folgendermaßen aussehen könnte: Kiefaber saniert die Kirche und der Kirchenvorstand sagt dann Ja zu allen Bedingungen? Ich vertraue Herrn Jennrich in der Frage nicht und wie es dann im Bauausschuß gelaufen ist, kann man nur spekulieren.

    So verschwindet ein schöner Ort, der dann nicht mehr gebraucht wird und Schwarzenbek hat eine Ruine stehen. Warum kann man den Kaiserhof und das Jugendtreff nicht abreissen und den Kaiserhof im alten Stil wieder aufbauen? Dazu würde man kleine Kneipen, eventuell einen Bier-/Weingarten mit einbeziehen , wo auch dann der Wochenmarkt wieder in den Ortsmittelpunkt kommt, denn der gehört nun mal dahin. Gerade an den beiden Wochentagen Mittwoch und Samstag war das der Mittelpunkt von Schwarzenbek. Hier hat man sich getroffen, geklönt und eingekauft.

    Die Geschätsleute um den Marktplatz möchten auch den Wochenmarkt wieder im Zentrum haben. Es wird dann keinen Brunnen mehr geben und in diesem Jahr würde dann der Maibaum zum letzten Mal aufgestellt werden. Es würde dann auch in diesem Jahr das letzte Weinfest sein. Auf diese Feste müssten wir verzichten, nur weil es den Politikern so gefällt, es wäre jammerschade.

    Wenn Sie sich die Chronik und den neuen Kalender ansehen, so verliert Schwarzenbek einen historischen Ort, wo die Stadtrechte und die Verbrüderung stattfand unter der Leitung von Hans Koch. Solch ein Platz wird einfach dann dem Erdboden platt gemacht. Ich war schon entsetzt darüber, daß der andere Altbestand nicht wieder aufgebaut wurde, aber da waren die Politiker auch mitschuldig. Die haben offenbar ganz vergessen, wie schön der alte Ortskern war. Leider kann man wohl nichts mehr daran ändern, es sei denn, daß der Investor den Vertrag nicht unterschreibt.

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