Zählen wie der Belgier

Wie ich höre, ist vielen die Berechnung nach d’Hondt in meinen Beispielen völlig unklar geblieben. Daher will ich es anhand des Beispieles noch einmal erklären. Dabei hilft, wie immer, wenn es etwas zu erklären gibt, erst einmal Wikipedia:

Bei Verwendung des d’hondtschen Höchstzahlverfahrens teilt man die Stimmen nacheinander durch eine aufsteigende Folge natürlicher Zahlen (1, 2, 3, 4, 5, …, n). Die dabei erhaltenen Bruchzahlen werden als Höchstzahlen bezeichnet. Als Basis der Division wird immer die Ausgangszahl – hier also die ursprüngliche Zahl der (anwesenden) Fraktionsmitglieder – herangezogen. Der Dividend bleibt in jeder Spalte stets gleich und wird durch den sich verändernden Divisor (hier: 1, 2, 3, …) geteilt.

Die Höchstzahlen werden danach absteigend nach ihrer Größe geordnet. Die so ermittelte Reihenfolge gibt die Vergabereihenfolge der Sitze an. Es finden so viele Höchstzahlen Berücksichtigung, wie Sitze im Gremium zu vergeben sind.

Das läuft im Einzelnen bei unserem Beispiel wie folgt:

Im ersten Schritt werden die Höchstzahlen ermittelt, indem man einfach nacheinander durch die sich jeweils um 1 steigernden Divisoren teilt

Danach werden die Höchstzahlen in absteigender Reihenfolge den zu vergebenden Sitzen zugeordnet. Bei gleichen Höchstzahlen entscheidet das Los. Der Losgewinner scheidet dann natürlich aus der jeweiligen Runde aus.

Und das läuft immer so, wenn eine Partei Verhältniswahlrecht beantragt. In unserem Fall war es die CDU, welche das verhältniswahlrecht beantragte und war es die CDU, welche auf dem Losverfahren bestand. Noch einmal: Hätte die CDU so wie die FWS verzichtet, wären FDP und Grüne in die Ausschüsse hinein gekommen. So aber müssen die Grünen im Hauptausschuss und muss die FDP im Kultur- und Sozialausschuss auf Stimmrecht verzichten. Besonders schäbig wäre natürlich, wenn mein Leserbriefschreiber recht hätte und Herr Delfs diesen Umstand jetzt der FWS in die Schuhe schieben wollte. Es liegt einzig und allein daran, dass

  • die SPD die Verkleinerung des Hauptausschusses und die Zusammenlegung von Kultur- und  Sozialausschuss beantragte und mit den Stimmen der CDU auch beschloss und
  • die CDU das Verhältniswahlrecht beantragte und
  • die CDU auf das Losverfahren nicht verzichten wollte.

Ich fürchte, das Ganze hatte Methode und diente dem Zweck, die Kleinen an den Rand zu drängen, um die Abstimmungen in den Ausschüssen möglichst deutlicher zu gestalten, als es in der Stadtverordnetenversammlung möglich ist. Man nähme damit nicht nur in Kauf, dass die Ausschüsse die Verhältnisse der StVV nicht mehr spiegeln, sondern wollte genau das erreichen.

One Response to Zählen wie der Belgier

  1. Bekannnt says:

    Die Berechnung ist schon kompliziert, aber die CDU und die SPD wollen dieses System ,damit Sie im geheimen mauscheln können.Die Mitglieder der beiden Fraktionen sind sich im klaren,daß es keine neue Sitzverteilung geben muß, es bleibt alles beim alten. Es ist schon sehr schlimm, daß die Politker dieser Fraktionen sich über bestehendes Recht einfach mißachten, aber keiner wagt auf zu mucken, denn alle haben Angst vor Delfs und Moldenhauer, und es kommt mir doch sehr spanisch vor, daß hier Schmiergelder geflossen sind.
    Hoffentlich werden bei der Neuwahl diese Damen und Herrn nicht wieder gewählt, denn wenn dieses passiert, bleibt alles beim alten.

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