Silberrücken

Traut sich was: Schröder

Gorillas verfügen über ein ausgeprägtes Imponierverhalten. Wenn sie ihren Kontrahenten beeindrucken wollen, stellen sie die Schulterhaare auf, laufen seltsam steif, schlagen auf Gegenstände und trommeln sich auf die Brust. Das sieht bisweilen sehr bedrohlich aus, zu direkten Körperkontakten kommt es jedoch selten. Dieses Bild hatte ich am vergangenen Freitag vor Augen, als Hans-Joachim Delfs, seines Zeichens Hauptausschussvorsitzender in Schwarzenbek, mit staksigen Schritten zum Katheder eilte, um dem Fraktionsvorsitzenden der FWS, Herrn Eberhard Schröder, nun aber zu zeigen, wo Bartelt den Most holt. Schröder hatte sich erfrecht, den Christdemokraten schlecht aussehen zu lassen, indem er ihm unterstellte, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Was war geschehen? Vor den Neuwahlen zu den Ausschüssen (TOP 9 bis 11) hatte Herr Schröder von der FWS dafür plädiert, auf das Losen zu verzichten, um allen kleinen Parteien einen Platz im Hauptausschuss zu ermöglichen. Die Verhältniswahl, von der CDU beantragt, führe bei 9 Sitzen im Ausschuss zu 3 Sitzen der SPD und jeweils 2 Sitzen für CDU und FWS. Die verbleibenden 2 Sitze könne man doch der FDP und den Grünen überlassen, anstatt zwischen denen und der CDU zu losen. Immerhin sei die FWS ja nur deswegen nicht im Lostopf, weil eines ihrer Mitglieder an diesem Abend verhindert sei. Herr Delfs enterte darauf das Sprechpult und donnert sein mittlerweile durch die Medien gehendes „No, Sir!“ Er warf dem Fraktionsvorsitzenden der FWS Populismus vor. Wenn der sich hier mit dem überraschenden Vorschlag als Gutmensch präsentieren wolle, bitte sehr, aber ohne ihn. Daraufhin sagte Herr Schröder erst einmal gar nichts mehr und daher hallte das Brustgetrommel des Herrn Delfs noch nach.

Zum Tagesordnungspunkt 15 kam der alte Fuchs jedoch wieder aus seinem Bau. Delfs Behauptung, so führte er ganz ruhig aus, entspreche nicht der Wahrheit. Der Vorschlag der FWS sei keineswegs überraschend gewesen, sondern habe bereits dem Ältestenrat vorgelegen. Das war zuviel. Das konnte Herr Delfs nicht auf sich sitzen lassen. In seinem eigenen Gehege begehrte man gegen ihn auf, nannte ihn missgünstig und stellte ihn als Lügner dar. Da war es um seine Ruhe geschehen: Lautstark bölkte er den Freien Wähler Schröder an: Er, Delfs, könne sich nicht daran erinnern, dass man etwa angekündigt hätte, künftig mit sechs FWS-Stadtverordneten hier anzutreten! Im Folgenden brüllten sich nun zunächst einmal beide Kontrahenten an, so dass ich den „Wortwechsel“ nicht mehr verstand. Als man voneinander ließ, führte Herr Delfs seine Wortmeldung dennoch in genau dem gleichen Ton weiter. Er beruhigte sich zwar irgendwann wieder, ans Rednerpult ging er, den man sonst immer dort erwarten darf, an diesem Abend nicht mehr.

Es reicht!

Was sollen Sie jetzt mit diesem Text anfangen? Ist das wieder nur typisch für Herrn Borchelt, der ja sowieso gegen den Herrn Delfs eingestellt ist? Ist es nicht nachvollziehbar, dass Herr Delfs sich ärgert, wenn der Herr Schröder ihm solche Dinge unterstellt? Und ist Schröders Verhalten nicht wirklich populistisch und gar nicht großzügig, sondern nur darin begründet, dass ihm an dem Abend ein Stadtverordneter fehlte? Im Gegensatz zu unseren Stadtverordneten werde ich ihnen antworten und lade Sie ein, diese Antworten kritisch zu überdenken:

  1. Ja, ich bin mittlerweile gegen Herrn Delfs eingestellt, aber bemühe mich dennoch, auch ihm gerecht zu werden und lediglich die Fakten zu betrachten.
  2. Ja, dass Herr Delfs sich ärgert, ist nachvollziehbar. Ich fürchte jedoch, er ärgert sich darüber, dass die Unterstellungen zutreffen.
  3. Ja, an diesem Abend wäre der Verzicht der FWS kein wirklicher Verzicht gewesen, denn sie waren gar nicht im Lostopf.

Und nun aber zu den Gründen, warum Herr Schröder recht und Herr Delfs unrecht hat. Es spielt nämlich überhaupt keine Rolle, ob die FWS-Fraktion aus 6 oder aus 4 Abgeordneten bestand, denn der Vorschlag des Herrn Schröder wäre in beiden Fällen großzügig und die Ablehnung durch Herrn Delfs das Gegenteil davon:

Variante 1: Um die Sitze 7 bis 9 bewerben sich die 5 Fraktionen mit dem Wert 2. Verzichten nun zwei Fraktionen (CDU und FWS) können die verbleibenden 3 Fraktionen die Plätze einnehmen.

Variante 2: Um die Sitze 8 und 9 bewerben sich die 4 Fraktionen mit dem Wert 2. Verzichten nun zwei Fraktionen (CDU und FWS) können die verbleibenden 2 Fraktionen die Plätze einnehmen.

Ist doch wahr!

Was meinen Sie? Hat sich Herr Delfs zu recht echauffiert oder versuchte er lediglich mit gespielter Empörung über seine engstirnige und kleingeistige Ablehnung heuchlerisch hinwegzutäuschen? Verleumdet Herr Schröder Herrn Delfs oder lügt eher der das Blaue vom Himmel herunter? Will Herr Schröder mit plattem Populismus trumpfen oder Herr Delfs die Wähler für dumm verkaufen? Entscheiden Sie selbst, aber tun Sie sich und mir einen Gefallen: Nennen Sie das Kind dann beim Namen!

Meine Meinung steht fest und bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung.

 

 

5 Responses to Silberrücken

  1. Blogfan Nr. 1 says:

    Wenn man dann noch bedenkt, dass The Big Boss direkt nach der Verlosung den Herren Schirrmacher (Grüne) und Stolze (FDP) hörbar zuraunte: „Ihr wisst ja, wem Ihr das zu verdanken habt“ und seinen Gorilla-Zeigefinger in fast theatralischer Anklage-Pose gegen M. Jennrich und seinen ehemaligen politischen Ziehsohn und jetzigen Erzfeind J. Kranacher erhob…

    • Matthias Borchelt says:

      Das habe ich weder gesehen, noch gehört. Ich habe ja eigentlich keinen Anlass an Ihren Worten zu zweifeln, aber vielleicht ist es doch ein Missverständnis? Denn das kann er doch gar nicht gesagt haben! Schließlich ist es allein seine „Schuld“, dass gelost wurde und eine der beiden kleinen Parteien jeweils auf der Strecke geblieben ist. Das wäre doch nun der Gipfel an Unverfrorenheit, die eigene Habsucht auch noch einem anderen anzulasten! Nein, das kann nicht sein, Sie müssen sich täuschen!

  2. Blogfan Nr. 1 says:

    Deswegen kann ich jedem STVO-Besucher auch nur empfehlen, sich strategisch hinter den CDU-Bänken zu postieren; denn spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem Herr Schröder oder ein anderes vernunftbegabtes Wesen dem CDU-Sixpack den Moralspiegel vorhält (gilt übrigens auch für Ausschusssitzungen), erheben Herr Delfs und sein ewig polternder Finanzbuddy ihre Stimmen gewöhnlich auch in privaten Kurzunterredungen derart, dass man den Inhalten ohne große Mühe folgen kann. Wenn einmal spaßeshalber Passagen daraus veröffenticht würden…heijeijei. (Aber Gerhard Moldenhauer ist nun mal ein sehr direkter Typ).

    Der Satz ist wortwörtlich so gefallen, was sicher auch weitere Zuschauer und Abgeordnete gerne bestätigen werden.

  3. Bekannnt says:

    Der Silberrücken muß ruhig sein, denn ich weiß nicht wieviel Dreck an seinem Silberrücken klebt..
    Dieser Silberrücken muß endlich die Bühne verlassen, so kann man mit Herrn Schröder nicht umgehen, denn dieser Politiker ist der einzigste der Mut hat gegen den Silberrücken und Konsorten auf zu stehen und Ihnen die Meinung zu geigen, warum mache das nicht die andern Fraktionen, alles Angsthasen. Der Silberrücken wäre ohne Herrn Moldenhauer eine farbloses Tier, was nichts mehr zu melden hat, beide sind ebenfalls farblos und der Silberrücken hat gar keine macht mehr , oder Sie ist gekauft.

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