Freund und Helfer

Hier findet sich der Bericht

In diesem Artikel berichten die Lübecker Nachrichten von dem gestrigen schweren Verkehrsunfall auf der B 207 bei Dassendorf. Gegen 7:30 Uhr kam es offenbar im Zusammenhang mit einem missglückten  Überholmanöver zu einer Kollision von drei Fahrzeugen. Die vermutliche Unfallverursacherin wurde dabei schwer verletzt und konnte nur mithilfe der Feuerwehr aus ihrem Auto befreit werden. Obgleich ich unmittelbar dahinter als zweiter oder dritter an der Unfallstelle war, habe ich selbst den Hergang nicht gesehen, was mich zunächst einmal erschreckt, wie unaufmerksam ich wohl fahren muss. Wie dem auch sei, mein Sohn sah den beteiligten Fiat Doblo noch auf den Fahrradweg kippen. Den Crash selbst hat auch er nicht gesehen. Erst als ich anhalten musste und der Vorausfahrende aus seinem Fahrzeug sprang, um zu helfen, realisierte ich, dass der Unfall gerade erst geschehen sein musste.

Nachdem wir den Doblo-Fahrer, dem außer einem leichten Schock nichts passiert zu sein schien, aus seiner misslichen Lage befreit hatten, war erkennbar, dass der zweite Unfallbeteiligte auch bereits auf der Straße herumlief. Außer dem unvermeidlichen Schock und einem Nasenbluten schien auch er unverletzt. Mit einiger Verzögerung entdeckten wir sechs oder sieben Unfallhelfer auch den schwer beschädigten VW Golf. Meinem Sohn gelang es zwar, die Beifahrertür zu öffnen, aber die eingeklemmte Frau konnte er nicht einmal richtig sehen. Außer einem Wimmern war nichts zu hören, an eine Befreiung nicht zu denken. Wir konnten daher nicht mehr tun, als auf Feuerwehr und Notarzt zu warten. Daher begann ich, den sich bereits aufstauenden Verkehr abwechselnd an der Unfallstelle vorbei zu führen. Mit meinem Sohn auf der einen und mir auf der anderen Seite regelten wir auf diese Art für einige Minuten den Verkehr und konnten so vermeiden, dass sich ein Stau entwickelte. Schwer erträglich war dabei, wie langsam so manche Verkehrsteilnehmer an der Unfallstelle vorbei schlichen, um nur ja einen guten Blick aufs Geschehen zu erhalten. Diese Schaulust ist wahrlich entsetzlich. Großartig war allerdings, wie sich die Unfallhelfer verhielten, wobei ich selbst mir ankreiden muss, den einen Helfer zu heftig angefahren zu haben, weil er meiner Meinung nach sein Fahrzeug ungeschickt positioniert hatte. Das war natürlich meiner eigenen Aufregung zuzuschreiben, dennoch überflüssig.

An dieser Stelle kam es zu dem schweren Unfall

Das Eintreffen der Feuerwehr war für uns alle eine große Erleichterung in einer solchen Ausnahmesituation und angesichts eigener Hilflosigkeit. Die professionellen Helfer arbeiteten schnell und präzise, jeder wusste, was zu tun war und was mich am meisten beeindruckte, war die relative Lautlosigkeit und komplette Unaufgeregtheit mit der hier zielsicher und geschwind zu Werke gegangen wurde. Das war wirklich großartig! Durch die Einsatzfahrzeuge war die Straße nun natürlich vollkommen blockiert. Wir hatten zwar den Eindruck, man hätte über den Radweg auch weiterhin den Verkehr vorsichtig durchleiten können, aber das war ja nun nicht wirklich wesentlich. Es kam uns auch nicht in den Sinn, die Helfer nun etwa mit einer solchen Frage zu behelligen. Uns blieb also zunächst nichts anderes zu tun, als nun untätig auf das Eintreffen der Polizei zu warten. Der Verkehr staute sich nun auch nicht weiter auf, da aus Richtung Schwarzenbek auf die L314 ausgewichen werden konnte und aus Richtung Kröppelshagen kaum mehr Verkehr nachfloss. Die Polizei hatte dann wohl bereits abgesperrt, was ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wusste. Wir wunderten uns nur, warum die Polizei sogar erst deutlich nach der mittlerweile sogar erschienen Presse am Ort des Geschehens eintraf.

Noch mehr wunderte ich mich allerdings über deren Verhalten. Relativ gelangweilt, teilweise mit Händen in den Hosentaschen lungerte man an der Unfallstelle herum, schwatzte mit den Feuerwehrleuten, die nicht unmittelbar in Anspruch genommen waren und kümmerte sich keinen Deut um die Unfallhelfer, die ja immerhin Zeugen eines schweren Verkehrsunfalls mit Personenschaden geworden waren. Nicht, dass die betreut werden mussten, aber erstens hätte auch das sein können und zweitens wäre die Aufnahme der Personalien und der ersten Eindrücke vermutlich keine schlechte Idee gewesen. Meine Tochter, mein Sohn und ich sahen uns abwechselnd verwundert an. Schließlich wurde mir das zu dumm und ich beschloss, den Ort des Geschehens zu verlassen. Ich hatte keine Lust, unfreiwillig zum Gaffer zu werden und auch sah ich keinen Sinn darin, noch länger nutzlos herum zu stehen. In meinem Wagen hatte ich noch die Tasche eines Unfallopfers. Die trug ich noch zu dem nach meinem Eindruck immer noch unter Schockwirkung stehenden. Zwei Polizisten schauten mir dabei leicht argwöhnisch zu, mich anzusprechen, kam ihnen jedoch nicht in den Sinn. Also stieg ich wieder ins Auto, kurvte mühsam um die Einsatzfahrzeuge herum und fuhr meinerseits über die L214 ab.

Auch ohne Sperrung im Berufsverkehr immer eine kitzlige Stelle

Als ich am Heidkoppelweg wieder auf die 207 abbiegen konnte, wurde deutlich, dass diese abgesperrt sein musste. In Kröppelshagen sahen wir dann auch den Polizeiwagen, der quer auf der Fahrbahn stand. Zwei Uniformierte standen daneben und hielten einen Plausch. Der aus vier Richtungen auf diese beeinträchtigte Kreuzung zuströmende Verkehr blieb sich selbst überlassen und bemühte sich auf glatter Straße um halbwegs zivilisierte Einfädelung. Das war mein letzter Eindruck eines Unfallgeschehens, welches mir ein noch mal gesteigertes Vertrauen in die Feuerwehr einflößte. Wie gut, dachten meine Kinder und ich, dass in einem solchen Fall Leib, Leben und Gesundheit nicht von der Polizei abhängen. Was die Frau in dem Golf angeht, kann sie jedenfalls bei allem Unglück froh sein, wie hervorragend die Feuerwehr arbeitet. Ich hoffe, sie ist nicht allzu schwer verletzt und wünsche ihr auf diesem Weg alles Gute.

Copyright des Kartenmaterials: Google Maps

2 Responses to Freund und Helfer

  1. Danke, für diesen doch positiven Bericht.
    Schön auch mal so etwas zu lesen, eigentlich wird nur über die Feuerwehr geschrieben wenn mal scheinbar etwas schief geht.
    Ich war in drei Wehren, zwei Freiwillige, eine hauptberuflich. (Hamburg,Hafen).
    Dein Bild von den Polizisten kann ich so nicht teilen, es wurde eigentlich immer hervorragend zusammengearbeitet.
    Allerdings scheint bei einer solchen Situation manchmal alles anders als es ist.
    Der „Schwatz“ mit den Feuerwehrleuten ist sehr wichtig, die Polizei handelt nach Angaben der Feuerwehr.
    (Wie lange Sperrung? ec.)
    Und die Feuerwehr teilt der Polizei z.B. Informationen über verletzte Personen mit.
    Das alles vielleicht beinahe gelangweilt aussieht, daran erkennt man die Professionalität.
    Ein Laie glaubt an einer Unfallstelle müßte ja alles wild durcheinandergehen.
    Aber es gibt eine hervorragende Ausbildung und extrem engagierte Einsatzkräfte.
    Nicht zu vergessen: Der psychische Druck.
    Bei Einsatzmeldung vor allem eingeklemmte Person weiß man nie was einen erwartet.
    Stellt es sich dann als nicht so schwerwiegend heraus wird es schon lockerer.
    Vergessen wir nicht wer diese Leute sind: Unsere Nachbarn, Du, Ich.
    Normale Menschen also denen körperlich und psychisch sehr viel abverlangt wird.
    Daraus entsteht ein Problem, das nämlich kaum noch jemand mitmachen möchte.
    Fast alle Wehren haben Nachwuchsmangel.
    Das ist eben mehr als Mitglied im Hühnerzüchterverein zu sein, es gibt Lehrgänge,
    jede Menge Dienstabende, und notfalls läuft Papa eben unterm Weihnachtsbaum weg wenn
    der Melder geht.
    Das alles um dann Gaffer oder Presse wegzujagen und dann von denen beschimpft zu werden.
    Oder sein Leben zu riskieren.
    Alles in allem kein „Traumjob“, aber einer der gemacht werden muss und viele tun es noch gern.
    Auch wenn fast nie Anerkennung kommt (noch mal danke für diese Ausnahme).
    Zur Polizei noch mal, wie gesagt, im Normalfall machen die hervorragende Arbeit, Ausnahmen gibt es aber ja immer. Allerdings sind die natürlich froh wenn die Feuerwehr vorher da ist, und die sind froh, wenn der Rettungsdienst schnell da ist 😉
    Gebummelt wird aber natürlich nie, gerade bei diesen Witterungen ist schon die Fahrt zum Einsatzort, aber auch schon die Fahrt zum Gerätehaus eine Sache für sich.
    Die erste Aufgabe der Polizei ist nun mal weitere Gefahr abzuwehren, zu sperren und umzuleiten.
    Das scheint ja auch hier geschehen zu sein.

  2. Matthias Borchelt says:

    Tatsächlich war ich nicht einverstanden mit dem Verhalten der Polizisten. Allein der Umstand, dass hier versäumt wurde, die Zeugen namentlich zu erfassen, ist ein schweres, kaum zu entschuldigendes Versäumnis. Der einzige Trost könnte sein, dass die ernsthaft Verletzte hier vermutlich die Unfallverursacherin ist und insofern die Zeugen nicht so wichtig sind. Aber das konnten die Polizisten vor Ort noch gar nicht wissen, sondern sollten sich zudem davor hüten, das abschließend beurteilen zu wollen.

    Egal, das Lob der Feuerwehr ist jedenfalls ungeteilt.

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