Der unbequeme Prinz

Der hier zur Rede stehende Prinz ist eben nicht klein und süß

Eugen Prinz ist im Grunde ein freundlicher, älterer Herr. Wenn man ihm begegnet, wirkt er vielleicht ein wenig zerzaust und auch seiner Art merkt man schnell an, dass dieser Mann auf Oberflächlichkeiten nicht so viel gibt. Ihm geht es um den Kern der Dinge. Er ist hochgradig interessiert, wissbegierig und kritisch. Die Dinge treiben ihn um, das sieht und merkt man. Und ja, er ist unbequem. Eugen Prinz gibt sich keine Mühe, gefallen zu wollen. Er findet klare Worte, bisweilen mögen sie sogar verletzend sein und nicht selten braust er auf. Auch mag er sich das eine oder andere Mal wiederholen, selten – ganz selten – auch einmal daneben liegen. Das alles ändert aber nichts daran, dass er ein wichtiger Mahner, Warner und Frager ist. Nicht umsonst hat er auch bereits den Umweltpreis der Stadt erhalten. Und außerdem verträgt er es, wenn man auch ihm ein klares Wort gönnt.

Dieser Eugen Prinz stellt Fragen. Mitunter stellt er viele Fragen, manchmal sogar nicht recht nachvollziehbare, mitunter rhetorische, bisweilen überflüssige Fragen. Nur eines habe ich noch nie erlebt: dass seine Fragen etwa unverständlich oder überbordend wären. Auch erscheinen sie mir stets recht einfach zu beantworten. Sein letzter Fragebogenkatalog stammt beispielsweise vom 6.5.2010 und war erkennbar ausgelöst und bezogen auf die in in den Tagen zuvor erschienenen Zeitungsartikel und die darin beschriebenen Umstände. Wer nachliest, mag erkennen, dass selbst die viel gescholtenen örtlichen Politiker ihren Unmut über die Vorgänge am Gymnasium im Zusammenhang mit der Schimmelbildung und -bekämpfung äußern. Bevor ich jedoch in die Fragen des Herrn Prinz einsteige, möchte ich noch erwähnen, dass Schimmelsporen allgemein als gravierende Gesundheitsgefährdungen anerkannt sind und als Allergene an erster Stelle stehen. Wenn wir Schimmel sehen, ist es bereits zu spät: Die lungengängigen Schimmelsporen sind dann längst in der Luft. Herr Prinz fragte die Verwaltung daher meiner Meinung nach am 6.5.2010 mit voller Berechtigung:

  1. Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Prinz

    Wann wurde der Schimmel entdeckt?

  2. Wann und durch wen erfuhr der Schulträger, die Stadt Schwarzenbek, davon?
  3. Wann wurden die Eltern darüber informiert?
  4. Wann informierte die Stadt das Kreisgesundheitsamt?
  5. Wann und durch wen wurde die Schulaufsicht informiert?
  6. Wieviele Räume sind bisher betroffen?
  7. Worauf ist der „Gestank“ während der augenblicklich stattfindenden Sanierung zurückzuführen?
  8. Wer hat in wessen Auftrag wann und wie oft Raumluft-Messungen durchgeführt?
  9. Wann wurden die Messergebnisse veröffentlicht?
  10. Wann wird die Sanierung beendet sein?
  11. Wielange hat der Schimmel-Befall bestanden, der bekanntlich erst durch Zufall – Loch in einer Gips-Karton-Leichtbauwand – entdeckt wurde?
  12. Hält die Einschätzung des Betreibes des Gymnasiums:
    „die Schimmelbildung und die Beseitigung des Schimmels habe keine gesundheitlichen Auswirkungen auf Schülerinnen, Schüler und Lehrerschaft“,
    hält diese Einschätzung einer medizinischen Beurteilung stand?
  13. Aufgrund welcher vertraglichen Bestimmungen werden die erheblichen Kosten für die Sanierung nur vom Betreiber des PPP-Gymnasiums, nicht aber von der Stadt Schwarzenbek getragen?

Nicht gut fürs Image?

Das sind erst einmal viele Fragen, klar. Ich bin ein wenig im Thema und habe einfach einmal ausgetestet, wieviel Zeit mich die Beantwortung kostete. Es waren runde 20 Minuten. Ich benötigte, wenn ich jetzt noch das eine Datum oder die andere Angabe nachschlagen müsste, mithin eine halbe Stunde um auf einer DIN-A 4 Seite alle Antworten vorzunehmen. Und wäre das jetzt eine halbe Stunde nur für Herrn Prinz? Ich glaube kaum, denn alle diese Fragen musste sich die Verwaltung doch ohnehin stellen! Die eine oder andere Frage war sogar von existentieller Bedeutung: Wer meldete wann den Schaden? Ich fragte zuletzt, warum die Versicherung nicht ohnehin alles zahlte? Das könnte einer der Gründe sein: Verspätete Meldung. Davon abgesehen, sind doch gerade die Fragen nach der Gesundheit der anvertrauten Kinder von sich selbst genügender Wichtigkeit. Und selbst wenn man nun Bedenken hätte, dass Fehler gemacht wurden, die sogar gesundheitliche Auswirkungen haben könnten. Müsste man dann nicht erst recht antworten, sei es nur, um mitzuteilen, dass man hier erst genau prüfen müsse, um nicht durch übereilte Aussagen zusätzliche Ängste zu schüren und Haftungsgrundlagen zu schaffen.

Statt dessen wird Herr Prinz hingehalten, vorgeführt. Aber welche Überlegungen und Zurückhaltungen lassen die Verwaltung UND die Stadtverordneten schweigen? Letztere wissen spätestens seit dem vorvergangenen Freitag, dass Herr Prinz seit dem 6.5. und inzwischen drei Erinnerungen auf Antwort wartet. Anfang Dezember hatte Herr Ruppert, der persönlich am 30.09. die Beantwortung zugesagt hatte, die Frechheit besessen, Herrn Prinz darum zu bitten, Kopien zu übergeben, damit man der Sache nachgehen und jetzt aber wirklich zügig antworten zu können. Und? Hat es Antwort gegeben? Fragen Sie sich das wirklich? Meine Antworten auf die Fragen sind daher nun wie folgt und dafür benötigte ich keine 5 Minuten:

  1. Das wissen wir nicht. Offenbar wurde bereits in 2008 Schimmel entdeckt (upps!).
  2. Aus der Zeitung. Glauben wir zumindest. Offiziell ist eigentlich nie jemand informiert worden.
  3. Die Eltern? Was haben die denn damit zu tun? Die gehen doch da nicht zur Schule!?
  4. Das wissen wir genau: Nie. Warum?
  5. Die Schulaufsicht? So etwas gibt es?
  6. Gleichzeitig oder nacheinander? Wieviele Räume hat das Gymnasium eigentlich?
  7. Ach, wissen Sie, Schule stinkt doch den Schülern und Lehrern immer.
  8. Wie, was, wo? Ehrlich, keine Ahnung, was da genau gemacht wurde.
  9. Steht das in der Gemeindeordnung? Egal, Herr Haack sagt: Alles im grünen Bereich.
  10. Wann endet die Vertragslaufzeit PPP?
  11. Schimmelbefall ist so ein großes Wort.
  12. Ja. Die medizinische Beurteilung durch den Hausmeister hat das eindeutig ergeben.
  13. Bis auf die lächerliche Kleinigkeit von knapp 300.000€ hat alles die Firma Kind übernommen. Sind die der Betreiber?

Wollte im Bundestag "gegen rückwärts gewandte Politik alter konservativer Männer" kämpfen. Hat nicht geklappt. Nun nimmt sie Rücksicht auf alte konservative Männer. Klappt vielleicht besser.

Wenn Sie das für Satire halten, möchte ich Ihnen noch Folgendes erzählen: Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfuhr, hat es am 3. Mai 2010 ein Telefonat mit der für das Gymnasium Schwarzenbek zuständigen Ministerialdezernentin, Frau Monika Obieray (Bündnis 90/Die Grünen) gegeben. Darin ist Frau Obieray dringlich gebeten worden, eine Information der Eltern zu veranlassen. Die Antwort Obierays, bevor sie unvermittelt auflegte, soll wie folgt gewesen sein: „Wissen Sie, man muss auch an das Image des Betreibers denken.“ Aha, das Ministerium muss also Rücksicht nehmen auf die BAM Deutschland AG und/oder die Jörn Kind Gebäudemanagement GmbH & Co. KG?

Wie gesagt, ich war nicht dabei, aber ich kenne die Dame und überraschen würde es mich nicht. Die erinnert als Aufsicht, denn das ist sie, an Herrn Haack: Als ich damals Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Schulleiter und den stellvertretenden Schulleiter in zusammen fast 100 Fällen erhob, hörte ich kurz darauf: Alles geprüft, alles in Ordnung. Es ist anscheinend immer so einfach. Und dass das Image des Betreibers wichtiger, als die Gesundheit unserer Kinder ist, beweist Herr Ruppert mit jedem Tag, den er diese Fragen unbeantwortet lässt, mithin seit 221 Tagen.

 

Jörn Kind Gebäudemanagement GmbH & Co. KG

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