Drei Chinesen mit dem Kontrabass

Das Ehepaar Mischke fordert also Bestandsschutz. Dem entsprechenden Artikel der Bergedorfer Zeitung ist allerdings nicht zu entnehmen, wie aktuell dieser Fall ist. Ich lese etwas von einem Nutzungsänderungsantrag aus 2006!? Tatsächlich wäre es schon ein gewisser Irrsinn, ein seit 60 Jahren stehendes Haus nun abreißen zu müssen. Allerdings steht es ja noch. Von wann datiert denn diese Aufforderung zum  Abriss? Und ist die Strafe von 4.500€ vielleicht auch seit 2006 angedroht, aber bis heute nicht ausgesprochen? Darf das Haus bzw. der Anbau also doch stehen bleiben, aber eventuell nicht bewohnt werden? Wie auch immer, der Artikel der BZ wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Sollte das Gebäude genutzt werden dürfen, wäre eine Strafe von 4.500€ statt Abriss schon okay, meine ich, denn wie sollte man den Folgen wehren, wenn man in den Anfängen großzügig ist? Genau das scheint mir jedoch hier das Problem zu sein.

Erste Pläne des Handelszentrums wurden jetzt bekannt

Denn vielleicht hat man Herrn Behrendt und seinem Bauvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Eiscafés Venezia doch ein wenig zu schnell die entsprechende B-Plan-Änderung besorgt? Dort war der Bestand bereits durch Brand vernichtet und es stellte sich heraus, dass das Gebäude so gar nicht hätte stehen dürfen! Wie man hört, berufen sich die Mischkes nun auch folgerichtig auf dieses Genehmigungsverfahren.  Ich monierte hier im Blog bereits, dass solche und ähnliche Tagesordnungspunkte, bei denen es wirklich um etwas geht, auf die Schnelle durchgewunken werden und man lieber nutzlose Debatten führt. Vielleicht hätte man also hierüber auch zwei Takte debattieren können, verehrte Stadtverordnete? Vielleicht ist das aber auch nur alles Teil eines Masterplanes, die alsbald anstehende Genehmigung für den babylonisch anmutenden Handelspalast des großen Zhu in den vielen Genehmigungen nicht so herausragen zu lassen, wie sein Trumm sich anschickt, genau das zu tun. Wenn wir Herrn Behrendt und gerechterweise jetzt auch den Mischkes und wer weiß wem noch, B-Plan-Verstöße heilen und genehmigen, wie wollten wir einen etwas aus dem Rahmen fallenden Bebauungsplan dem fernöstlichen Investor verweigern?

Nachdem wir, wie ich fürchte, vielleicht noch nicht die entsprechende Genehmigung, sicher aber uns selbst bereits verkauften, steht das auch gar nicht mehr zur Debatte. Schon gar nicht in der Stadtverordnetenversammlung. Dort ist, soweit ich weiß, ohnehin noch nie ein Wort über China gefallen. Weder wurden die Reisen kostenmäßig oder inhaltlich problematisiert, noch die Empfänge und Geschenke. Die Städtepartnerschaft wurde genau so wenig diskutiert wie das Investitionsabkommen. Schwarzenbek soll sein Gesicht dramatisch verändern und die Stadtverordnetenversammlung schweigt!? An die stupende Arroganz der (ehemals) großen Parteien habe ich mich längst gewöhnt, aber wo sind denn zu diesem Thema die evtl. auch gemeinsamen Anträge und Vorstöße der FWS, FDP und Grünen? Da können Sie noch so viele Leserbriefe zum Haushalt schreiben, lieber Herr Schröder, und auf den Zugzwang der SPD verweisen. Wenn von den Kleinen nicht mehr kommt, als unverbindliche Anträge auf gemeinsame Arbeitsgemeinschaften zur Innenstadtentwicklung, dann haben auch die versagt.

Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied! (Goethe)

Geben Sie es ruhig zu: Noch mehr Angst als um Schwarzenbek haben Sie um Ihre Truppen. Bloß nicht zu früh Hosiannah oder Kreuziget rufen! Beim Haushalt ist das jetzt Wurscht, den rettet eh keiner mehr. Aber aus dem hässlichen Hecht Handelszentrum könnte ja ganz eventuell doch noch ein kapitaler Karpfen werden. Dann möchte man nicht derjenige gewesen sein, der durch zu lautes Geschrei die Fische verscheuchte, nicht wahr? Und deshalb wird grundsätzlich erst geschrien, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Hinterher lässt sich trefflich um Verantwortung streiten. Ist es wider Erwarten gut gegangen, hat der Erfolg viele Väter. Überwiegen am Ende aber eben doch die Nachteile, so wie es nach Lage der Dinge zu befürchten steht, dann tut man halt wieder so, als wenn man außer Heulen und Zähneknirschen  nichts tun konnte. Und auch das natürlich nur im Verborgenen, denn man konnte doch unmöglich bereits im Vorwege einen wenn auch noch so unwahrscheinlichen Erfolg gefährden! Ich weiß schon, warum ich Angeln nie so recht leiden konnte, vom Fischen im Trüben und den Fußangeln in der Politik ganz zu schweigen.

3 Responses to Drei Chinesen mit dem Kontrabass

  1. Wolfgang Lauter says:

    Müssen wir Schwarzenbeker uns wirklich auf die Chinesen freuen, nur weil Bismarck seine Freude daran gehabt hätte? Ich bin fest davon überzeugt: „Ja!“ oder „Nein?“. Warum?
    1. Wenn sie an der Möllner Straße bauen, muss der bestehende Bebauungsplan ja nur von „Schwimmbad auf Gewerbe“ und von „Jugendherge auf Hotel“ geändert werden. Und da es sich hier (wie natürlich auch auf der „Fettewiese“) um einen „Vorhabenbezogenen B-Plan“ handelt (wie auch beim Schwimmbad) wird dieser natürlich vom Investor bezahlt. Die Stadt hat da keine Kosten zu übernehmen, oder etwa doch?
    2. Der Standort zu 1. hätte natürlich auch den Vorteil, dass EDEKA neben russischen auch chinesische Spezialitäten ins Soriment nehmen könnte.
    3. Und die Erfolgsgeschichte geht lt. Wochendend Anzeiger noch weiter. Jetzt ist nicht mal mehr die Rede von „bis zu“ sondern von 1.000 Arbeitsplätzen, die der (chinesische) „Mann vor Ort“ schaffen soll.
    4. Aber vorher muss Schwarzenbek noch einige Hausaufgaben machen. Auch das ist natürlich überhaupt kein Problem, weil dies ja die „Schwarzenbek Marketing GmbH“ übernehmen kann. Doch huch, das soll ja eine GmbH ohne Mitarbeiter werden. Wer macht dann wohl diese Hausaufgaben?
    5. Und wenn diese Hausaufgaben gemacht sind, stürzen wir uns ins chinesische Nachtleben in der Innenstadt. Die Stadt könnte den Ritter-Wulf-Platz ja umbenennen in „Platz des himmlischen Friedens“, damit auch die Schwarzenbeker dort abends stolz ihre Rassehunde zeigen können. Das wird die Stadt völlig verändern. Und vielleicht werden dann auch eines abend Liu Xiaobo dort sehen, nachdem er seinen Friedensnobelpreis aus Oslo abgeholt hat.
    6. Irgendwie kann einem schon „心惊肉跳“ um unsere Stadt. Denn haben wir nicht gerade erlebt, wie das mit der Gewerbesteuer ist. Hat sich denn wirklich schon mal jemand ernsthaft damit beschäftigt, ab wann bzw. ob überhaupt bei dieser Investition Gewerbesteuer für die Stadt abfällt?

  2. Matthias Borchelt says:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar! Obwohl ich ahne, dass Sie nur rhetorisch fragten, möchte ich sicherheitshalber noch einmal festhalten, dass ich wirklich nichts dagegen hätte, wenn das Thema zumindest in der Stadtverordnetenversammlung ausdiskutiert worden wäre. Hätte sich dort eine breite Mehrheit für Städtepartnerschaften und Investitionsabkommen, für Standorte und Ausmaße dieses Zentrums und für die sich ergebenden Konsequenzen gefunden, stünde es einem Demokraten schlecht zu Gesicht, wenn er dann noch maulen wollte.

    Ansonsten habe ich mich sehr über Ihre konstruktiven Gedanken gefreut. Die Umbenennung des Ritter-Wulff-Platzes liegt offenbar auf der Hand, denn darüber hatte ich hier auch schon nachgedacht. Was die Gewerbesteuer angeht, habe ich bislang noch nie auch nur eine einzige konkrete Zahl oder auch nur eine Idee vernommen, woher diese Steuer stammen soll. Wenn dem Projekt im Januar/Februar noch immer nachgegangen wird, werde ich dazu ein paar Fragen in der StvV stellen und wie üblich keine Antwort bekommen. In punkto Demokratie können unsere chinesischen Freunde dann wieder viel von uns lernen.

    Wäre China übrigens pfiffig gewesen, hätten Sie den Konfuzius-Preis an Julien Assange von WikiLeaks verliehen. Dann hätte ich uns gerne stottern gehört. Allerdings wäre einer wie Assange in China vermutlich längst mit einem Genickschuss geehrt worden.

  3. Ich habe den Artikel auch gelesen, und mich herzlich amüsiert.
    Rassehunde, Nachtleben auf chinesisch,…
    allerdings habe ich dann den Artikel unter „Satire“ im Kopf abgelegt.
    Ein Irrtum??
    Kaum vorstellbar, denn einen Artikel der satirischer ist, ist mir auch in diesem
    Blog noch nicht begegnet.
    Denn dort wird ja der komplette Umbau Schwarzenbeks in ein Satelliten-Peking
    angedacht, inklusive Umerziehung der Ureinwohner (Esst mehr Fisch!)

    Und das wird auch noch enthusiastisch gefeiert!
    Der gute alte Bismarck dem das angeblich gefallen soll- er wird im Sarkopharg
    rotieren!
    er konnte anfangs mit Kolonien die von den Deutschen gefordert wurden nicht viel
    anfangen.
    Das die Chinesen aber aus seinem geliebten Sachsenwald eine chinesische Kolonie
    auf deutschem Boden machen- undenkbar!
    Nein meine lieben Blogfreunde, das muss einfach Satire gewesen sein…..

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