Denken Sie nicht an einen bunten Elefanten!

Sie werden gebeten, das nicht zur Kenntnis zu nehmen

Ja, es mag Hinweise geben, die auf die grundsätzliche Existenz vielfarbiger Rüsseltiere hinweisen, aber es besteht kein Anlass, jetzt etwa verstärkt Ausschau danach zu halten, noch fortwährend an farbenfrohe Elefanten zu denken. Der Gedanke an diese Tiere könnte zu einer veränderten Lebensweise führen und das wäre evtl. genau im Sinne derer, die Sie an gefärbte Elefanten denken lassen wollen. Also tun Sie es nicht! Sollten Sie jedoch auch nur geringfügige Anzeichen solcherart mehrfarbiger Dickhäuter bemerken, sagen Sie bitte sofort Bescheid und wenn es noch so fadenscheinige Hinweise sind. Bis dahin aber denken Sie einfach nicht daran!

"Ein bunter Haufen sagen Sie? Und die haben getrötet?"

Ich will einräumen, dass es eine im wahrsten Sinne des Wortes mörderisch schwere Frage sein kann, ob man die Bevölkerung über die drohende Gefahr eines bevorstehenden Attentates informiert. Tut man es, betreibt man eventuell unverantwortliche Panikmache. Lässt man es bleiben, setzt man sich dem Vorwurf aus, ebenso unverantwortlich seine Fürsorgepflicht zu verletzen. Aber so wie jeder Chirurg im Zweifel anstelle seines narkotisierten Patienten eine mitunter lebenswichtige Entscheidung treffen muss, so muss auch ein Innenminister – und müsste erst recht eine Kanzlerin, wenn sie denn nicht wieder einmal abgetaucht wäre! – zur Not sein Wissen für sich behalten, mindestens solange es so nebulös ist, wie es derzeit scheint. De Maiziere und erst recht Merkel müssen es einfach ertragen können, das ist Teil ihres Jobs.

„Zugegeben, ein schmaler Grat, doch gerade bei erhöhter Terrorgefahr darf die Information der Bevölkerung nicht zu kurz kommen. (Report Mainz vom 22.11.2010)“

Stattdessen delegieren sie die Entscheidung, wie man nun am besten auf die unklare Bedrohung reagiert, an mich! Der Innenminister zwingt mich zu einem Glücksspiel, zu einer Art russischem Roulette. Er fordert mich auf, nicht in Panik zu verfallen, aber rüstet seine Schutzbefohlenen mit kugelsicherer Weste und schweren Waffen aus. Im Bewusstsein eigenen Personenschutzes sagt er, wir ließen uns unseren Lebensstil nicht nehmen. Aber der Reichstag wird jetzt für Besucher gesperrt.

Keine Panik, Federvieh, ich schau euch nur beim Picken zu.

Lieber Herr de Maiziere, ich bin Familienvater und meine Kinder fragen mich, ob es denn nun lebensgefährlich sei, Weihnachtsmärkte zu besuchen. Sie entschieden, mich vor einer offensichtlich ernsthaften Bedrohung zu warnen, ohne mir jedoch Ihre Informationen zu geben. Finden Sie das fair? Ich finde das verantwortungslos, denn genau das versuchen Sie zu erreichen: Sie wollen die Verantwortung nicht tragen, jedenfalls nicht allein. Ganz offensichtlich hat Ihre Kanzlerin Sie allein gelassen und daher nehmen Sie jetzt einfach mich mit ins Boot. Aber ich rudere nicht für Sie. Ich gerate hiermit offiziell in Panik und werde mit Hamsterkäufen, Verbarrikadierung und Meidung jeglichen gesellschaftlichen Lebens reagieren. Und ich fordere alle anderen auf, ebenso zu reagieren! Melden Sie sich krank, wenn Sie können und lassen den Innenminister und die unsägliche Frau Merkel erkennen, wie ein Hühnerhaufen reagiert, wenn man die Silhouette eines Raubvogels in die Sonne hält.

Weniger bierernst und daher noch besser zu lesen, ist übrigens dieser Artikel.

9 Responses to Denken Sie nicht an einen bunten Elefanten!

  1. Alles hat ja auch sein Gutes.
    Hysterie erzeugt Angst, und wer Angst hat läßt sich gern
    überwachen.
    Ich bin doch gern gläserner Bürger wenns hilft.
    Ich bin sogar der Meinung Vorhänge vor Schlafzimmern
    zu verbieten.
    Denn man ehrlich, wer nichts zu verbergen hat wird gar nicht
    mitbekommen das gespannert äh Datensammlung betrieben
    wird.
    Offiziell wird Deutschland ja am Hindukusch verteidigt, aber wir
    Eingeweihten wissen ja das Deutschland der Hauptfeind ist.
    Verdächtig ist erstmal jeder der Gardinen oder Internetanschluß hat.
    Der kann im Zweifel ja seine Unschuld beweisen.
    Beim Wasserboarding oder so.

    • Matthias Borchelt says:

      Danke für deinen Kommentar! Das erinnert mich an den Bundestagsabgeordneten (ich weiß leider nicht mehr, wer das war), der ganz aufgeregt vom Rednerpult wetterte, man wolle doch nicht den gläsernen Bürger, sondern nur den gläsernen Verbrecher! Das sind dann so diese Momente, wo ich mich nur noch ganz leise irgendwo hinsetze und tief durchatme. 😉

  2. Eckhard Schäfer says:

    Am vergangenen Dienstag (16.11.2010) zeigte SAT 1 zur besten Sendezeit den Film: „Die Frau des Schläfers“. Wie selbstverständlich wurde darin u.a. auch ein sprengstoffbegürtelter Islamist auf einem Weihnachtsmarkt gezeigt. Einen Tag später dann die Terrorwarnung der Bundesregierung. Solche Zufälle gibt es nun mal im Leben. Und ehrlich gesagt, so eine Warnung hat ja auch was für sich. Man denkt nicht mehr so viel an Stuttgart 21, Castor-Transporte, Laufzeitverlängerungen und Bankenkrisen. Ja, Ja SAT 1 immer einen Schritt voraus.

    • Matthias Borchelt says:

      Auch wenn man sich gefährlich in den Grenzbereich zur Paranoia begibt, so sind mir manche Zufälle auch gar zu zufällig. Es lohnt sich auf jeden Fall, solche Zufälligkeiten zu beobachten und spätestens bei Wiederholung misstrauisch zu werden. Vielen Dank für Ihren Kommentar.

  3. Ballutschinski says:

    Ein beruhigtes Hallo nach Schwarzenbek,

    und nur kurz zur aktuellen Gefährdungssituation. Unser BMI hat ja eine Internetseite und der heutige Aufmacher, bzw. die Topmeldung um 9.00 Uhr heute früh war/ist:

    „Cunewalde übergibt de Maizière oberlausitzer Weihnachtsbaum“

    (Guckst Du: http://www.bmi.bund.de/cln_165/DE/Home/startseite_node.html)

    Da bleibt nur zu hoffen, dass der Weihnachtsbaum und die überbringenden Lausitzer Märchenzwerge auf etwaige Islamismusbomben körpergescannt wurden und dem Herrn Minister ein frohes Fest unter friedlich brennenden Kerzen zu wünschen.

    Ach ja, auf der Internetpräsenz kann man den Wortlaut der Terrorankündigung vom 17.11. seitens Herrn de Maiziere auch finden. Ein Update dazu nicht. Auch aktuelle Verhaltensanweisungen für Weihnachtsmarkt oder Remmidemmi Besucher? Fehlanzeige. Aber eine Entgelttabelle für TVöD Bund 2010 ist zu finden. Na immerhin.

    • Matthias Borchelt says:

      Hallo Herr Ballutschinski,

      wenn ich ehrlich bin, hatte ich ja auf einen Essay aus Ihrer Feder gehofft, denn wenn ich allein die Formulierung der „auf etwaige Islamismusbomben körpergescannte(n) Märchenzwerge“ lese, weiß ich, was ich an Ihnen habe. Die relative Ignoranz der Maiziere’schen Website (und die mir von Ihnen zugetragene totale Ignoranz der Website der Kanzlerin) befördert nur meinen Verdacht, dass hier ganz andere politische Ziele verfolgt werden.

  4. Ballutschinski says:

    Nachtrag: Das sind die Top Schlagworte des Bundesinnenministeriums:

    • Neuer Personalausweis (Priorität 5 von 5)
    • Körperscanner (Priorität 4 von 5)
    • TVöD (Priorität 3 von 5)
    • DIK (Priorität 3 von 5)
    • Luftsicherheit (Priorität 5 von 5) *
    • Beschäftigten-Datenschutz (Priorität 5 von 5)
    • Waffenrecht (Priorität 5 von 5)
    • Deutsche Einheit

    *Die Luftsicherheit wegen der Anschläge vom 11.9.2001

  5. Wir haben den Herrn Innenminister vermutlich nur falsch verstanden.
    Kann in der Hitze des nicht vorhandenen Gefechts schon mal passieren.
    Er har eben einen subtilen Redestil (Keine Panik/rennt um euer Leben!)
    und weiß natürlich das die Terroristen längst hier sind und ihr grausames
    Werk tun.
    Aber ander als wir 9/11 Verwöhnten das glauben.
    Die gehen genau so subtil vor wie unser Innenminister.
    Hier folgt also der exclusive Beweis das sie mitten unter uns sind und das
    sehr erfolgreich:

    Tote durch Terror Deutschland 2010: 0
    Tote durch Verkehrsunfälle : 4.160
    Tote Anschläge 9/11 : 2.792

    Zahlen sagen mehr als Worte und so bekommen diese ein ganz anderes
    Gewicht.
    Eigentlich meinte der Innenminister das wir vorsichtig bei Ampeln in
    Nähe von Weihnachtsmärkten sind, der Reichstag gesperrt wurde weil
    es durch Gaffer immer wieder zu Unfällen kommt und bewaffnete Polizisten
    nur der Unfallflucht vorbeugen sollen.
    So, und nur so, bekommt alles einen Sinn.
    Denn sinnlose Worte wird ein Innenminister doch nicht an uns richten.

    • Matthias Borchelt says:

      Erinnert mich an „Eine deutsche Behörde macht keine Fehler“, was ein Freund von mir einst zu hören bekam, als er sich wegen fehlerhafter Bescheide beschwerte. 😉 Aber natürlich ist es wahr, dass die Wahrscheinlichkeit, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen extrem gering und daher fahrlässig ist, davor zu warnen, solange man nur derart fadenscheinige Hinweise hat. Ein Anrufer oder meinetwegen zwei aus den Reihen der mutmaßlichen Terroristen? Und die sind vertrauenswürdig? Eben noch hielten wir Anschläge durch diese Personen für möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, und nun sind sie verlässliche Quellen? Am schlimmsten finde ich eigentlich, wie wenig Intelligenz den Bürgern zugetraut wird.

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