Buddha bei die Fisch!

Wenn ich den Bericht im heutigen Gelben Blatt lese, kriecht auch mir ein heiligmäßiger Schauer das Rückgrat entlang. Es muss wirklich „ein ganz besonderer Moment“ gewesen sein, der Herrn Dr. Tjan dann auch folgerichtig nur flüstern ließ. „Er sieht die Lagepläne jetzt zum ersten Mal“ wird er zitiert. „Ehrfürchtig“ hat er dann wohl auch noch ein „Nur nicht unterbrechen“ gehaucht, bevor er dann, so stelle ich mir das jedenfalls vor, vollständig von seinen Gefühlen übermannt, schluchzend auf die Knie sank. Vermutlich soll diese Beschreibung auch mir die sakrale Aura dieses Augenblickes verdeutlichen, aber tatsächlich verführte sie mich nur zu einem schiefen Grinsen.

Verschone er mich mit Einzelheiten, ich vertraue blind auf Feng-Shui

So war das also, als Außen Hui Zhu zum allerersten Mal die Lagepläne des „mutmaßlichen Standortes“ vorgelegt wurden. Natürlich konnte er, der ja alles in einem ganz und gar profanen Laufschritt erledigt, sofort erste Entwürfe in diesen Plan einzeichnen und obwohl der Standort bislang nur gemutmaßt wird, „fehlen nur noch Kleinigkeiten“ bis zur Unterschrift unter die Grundstücksverträge. So wird nun jedenfalls Herr Thiede zitiert.

Ich soll also glauben, dass ein Milliarden schwerer Investor, der seit ca. 18 Monaten mit dem Ankauf eines Grundstücks neben der Firma Fette liebäugelt, welche diesen Deal ja auch anbandelte, der den Stadtverordneten bereits erste Baupläne vorlegte, der Besuche und Gegenbesuche inszenierte, der eine Dependance gründete und seit Monaten einen Angestellten im Rathaus beschäftigt, der mit allen Politikern des Landes charmiert, der 1.000 deutsche und 300 chinesische Angestellte beschäftigen will, dass dieser Tycoon in der letzten Woche zum ersten Mal den Lageplan in der Hand hielt? Und obwohl er sich angeblich noch nicht einmal für das Grundstück selbst entschieden hat, fehlen laut Thiede nur noch Kleinigkeiten?

Wie weiland in der DDR: Immer brav I-A sagen!

Wen versucht man hier eigentlich für dumm zu verkaufen? Aber wenn dort Märchen erzählt werden können, dann steht der blackbekblog dem nicht nach. In meinem Märchen, welches selbstverständlich auch nur erfunden ist, besteht eine der fehlenden Kleinigkeiten in der Zustimmung der Stadtverordneten zur Änderung des B-Planes. Wir möchten uns erinnern, dass Herr Ruppert sich in dem Investitionsabkommen verpflichtete, schnellstmöglich Baurecht zu schaffen und da fragen sich Max und Moritz natürlich, wie er das machen soll, wenn noch völlig offen ist, was und wo gebaut werden soll!? Wir erinnern uns ebenfalls, wie schnell der Sieben-Meilen-Stiefel-Zhu zu bauen beginnen wollte und das, obwohl er noch nicht einmal wusste, wo, noch was, noch ob er die Genehmigung dafür bekommt. In meinem Märchen gibt es solche Märchen natürlich nicht. In meinem Märchen gibt es nur einen Esel, der, wenn man ihn am Nasenring durch die Manege führt, eine B-Plan-Änderung ausspuckt. Und weil man sich des Esels ziemlich sicher ist, hat man vorher schon mal alles durchgeplant, um dann möglichst zügig die Tinte zu trocknen.

Solche Chuzpe machte auch mich sprachlos, nur schwiege ich nicht vor Verzückung, sondern wäre starr vor Entsetzen. Aber hören wir nicht auf Märchen! Arbeiten wir daran, möglichst alle Umstände komplett aufzuklären und das Geschäft transparent zu machen. Die Gerüchte, die durch die Stadt gehen, reichen von Korruption über Bestechung, von Vorteilsannahme bis zur Nötigung, von Kopplungs- bis zu Scheingeschäften. Hier tut lückenlose Aufklärung Not und daher freue ich mich, dass jetzt wenigstens schon mal ein/e Stadtverordnete/r auf meine Fragen antwortete. Zwar lassen die Antworten nichts Gutes befürchten, aber greifen wir dem Ergebnis nicht vor. Ein wenig Spannung darf ja auch sein.

3 Responses to Buddha bei die Fisch!

  1. P. Planck says:

    Aufgeschreckt durch die gleichermaßen einseitige und glorifizierende ( -und damit unreflektierte) Berichterstattung über das „künftige[ ] Tor nach China“ machte ich mich daran, Hintergrundinformationen über Herrn Zhu, seine Unternehmungen und sein pol. Engagement (NPCSC) ausfindig zu machen. Die Recherche ist zwar noch wenig gewinnbringend gewesen und auch noch nicht abgeschlossen, aber ich bin über diese zumindest auf Ihren Blog aufmerksam geworden. Nicht nur vor dem Hintergrund eben dieses Themas ist es ein äußerst erfrischender Lichtblick, dass es einen kritischen Blog mit dem Fokus „Schwarzenbek“ gibt. Die bisherigen Artikel zur ‚̶S̶̶c̶̶h̶̶w̶̶a̶̶r̶̶z̶̶e̶̶n̶̶b̶̶e̶̶k̶̶-̶̶C̶̶h̶̶i̶̶n̶̶a̶̶-̶̶C̶̶o̶̶n̶̶n̶̶e̶̶c̶̶t̶̶i̶̶o̶̶n̶̶’̶ ‚China-Schwarzenbek-Connection‘ spiegeln -mit außergewöhnlicher Treffsicherheit- meine (und gemutmaßt: die angemessene) kritische Perspektive wieder, welche den lokalen Medien (und Politikern!) verlorengegangen zu sein scheint!
    Neben dem Bildblog wird nun auch der Blackbekblog zur regelmäßigen Pflichtlektüre für mich werden. Weitere Empfehlungen diesen Blog zu verfolgen wurden bereits versendet. Ich hoffe ich finde neben meiner Diplomarbeit die Zeit hin und wieder Produktives zum Thema beizusteuern….
    Weiterhin viel Erfolg!

    Hochachtungsvoll,
    P.Planck

    P.S: „Handelszentrum für Schwarzenbek: Alles im Laufschritt“ als Titel des Berichts vom 23. November ist übrigens schon für sich genommen als (zutreffende) Diagnose interpretierbar: „alles im Laufschritt“ – in keiner PR-Abteilung / in keiner Unternehmens-Pressemeldung wäre zu einer solchen Formulierung gegriffen worden … – kritisch-rationale, durch Bürgerbeteiligung und mehrdimensionale vergleichende Abwägungsmomente gekennzeichnete und eben daher demokratisch legitimierte Entscheidungsprozesse sehen anders aus und werden daher auch anders benannt. Man stelle sich vor, eine Flughafenerweiterung od. eine BASF-Chemie-Werksgründung würde den Bürgen medial mit der Überschrift „Alles im Laufschritt“ verkauft……

    • Matthias Borchelt says:

      Vielen Dank für den Kommentar! Ihre Empfehlung scheint angekommen, denn gestern verzeichnete ich tatsächlich ungewöhnlich viele Besuche. Ihr Postskriptum fand ich übrigens besonders interessant, denn tatsächlich kommt man einigen Sachverhalten bereits durch die verräterische Sprache auf die Spur. Dem Normalbürger bleibt nur meist nicht mehr, als nachzufragen, um dann zumeist abgespeist zu werden. Und wenn dann die Presse auch noch versagt, können Politik und Wirtschaft ungeniert agieren. Aber vielleicht tut sich ja doch etwas, wenn die Schamlosigkeit immer weiter zunimmt.

  2. Reiner says:

    Toll – der Sachsenwald als neue Heimat für chinesische Millionäre!

    Schöne Geschäftsidee:
    Da hat man sich in China schwer die ersten Millionen verdient und lebt permanent in der Angst, dass die Partei einem wieder alles wegnimmt.

    Doch jetzt gibt´s eine Lösung:
    Einfach 250.000 Euro in Schwarzenbek investieren, ein paar Leute einstellen und nach drei Jahren ist die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland da.

    Also – haltet schön eure Villen fest: Dank Mr. Zhu und seinen 300 Millionären wird´s bald richtig bunt im Sachsenwald!

    Hierzu zwei nette Artikel:

    http://www.faz.net/s/Rub8D05117E1AC946F5BB438374CCC294CC/Doc~E1C7FF23385FF41049716586F7A898421~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    http://www.faz.net/s/RubBEFA4EA6A59441D98AC2EC17C392932A/Doc~E85A98E76A68D4C65B5A9CE5DDD0B0240~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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