Spricht für sich selbst

Zum heutigen Artikel der Bergedorfer Zeitung

Ich habe keine Ahnung, ob Elke Richel sich ebenfalls über die Wahlwerbung ihres eigenen Blattes in Sachen Andreas Thiede geärgert hat, oder ob sie aus eigenem Antrieb nun ihrerseits für Friederike Betge trommeln wollte. Jedenfalls haut sie in ihrem heutigen Artikel in der Bergedorfer Zeitung ganz ordentlich auf die Pauke. Zwischen den Zeilen spürt man förmlich den Ärger über die Koalition zwischen den alteingesessenen Parteien und dem politischen Nobody Thiede. Sind die Elogen auf den Wirtschaftsförderer aus Schwarzenbek nun kritischer zu sehen, als das unverblümte Empfehlungsschreiben für Frau Betge?

Tatsächlich gibt es einen wesentlichen Unterschied. Thiede ist ein unbeschriebenes Blatt, auf welches CDU, SPD und FDP nun die tollsten Erfolge malen, die es zukünftig mit ihm geben soll. Auch der vielgepriesene China-Deal ist schließlich 1. noch längst nicht gelaufen, 2. nicht nur hinsichtlich der Begleitumstände fragwürdig, sondern auch 3.  im Grunde nicht Thiedes Baby.  Mag sein, dass er ein fürsorglicher Stiefvater des Projektes wurde. Auch will ich gerne unterstellen, dass er insgesamt einen vernünftigen Job gemacht hat. Aber als Lichtgestalt taugt er deswegen (noch) nicht.

Der zusammen gebastelte Kandidat: Ein Wunschbrunnen

Und daher betrachte ich die Artikel über ihn als Schaumschlägerei: Aus geringer Substanz wird vermittels viel Wind eine große Blase geformt. Die Werbung für das chinesische Projekt – noch ist ja nicht einmal das Grundstücksgeschäft gelaufen – wird in der Werbung für Herrn Thiedes Kandidatur als Beweis seiner Fähigkeiten herangezogen. Das ist so arg dünn, dass es schon durchsichtig ist.

Ganz anders die PR für Frau Betge: Der begeisterte Tonfall mag ähnlich klingen. Jedoch ist diese Kandidatin kein Hohlgefäß, in welches Erwartungen und Wünsche als vermeintlicher Inhalt gegossen werden, sondern offenbar ein Füllhorn aus eigener Kraft. 36 Projekte, so weiß Frau Richel zu berichten, habe die Lauenburgerin seit 2007 angeschoben und dafür 320.000 € an Fördermitteln eingeworben. Ihre bisherigen Leistungen sind also zähl- und messbar und sprechen für sich selbst. Man muss sie nur sehen wollen.

Keine Angst, Jungs, die Zigarre dürft ihr behalten!

In ihrem Artikel über den ebenfalls von Frau Betge angeschobenen Workshop „Jugend für Vielfalt“ beschreibt die Redakteurin sehr anschaulich, wie es engagierten Frauen wohl häufiger ergeht: Der amtierende Bürgermeister reagierte skeptisch, ob es überhaupt genügend Nachfrage für einen solchen Arbeitskreis gebe. Das kommt mir bekannt vor. Als meine Frau sich bei der Gründung der Schwarzenbeker Tafel für eine Räumlichkeit engagierte, musste sie sich von Herrn Delfs anhören, sie möge hinterher nicht allzu enttäuscht sein, wenn keiner zum Essen käme.

So ticken die alten Quadratschädel, vorzugsweise im ländlichen Raum. Die weichen, die sozialen Themen, die überlässt man notgedrungen den Frauen. Wenn es aber um das Amt des Herrn Bürgermeisters geht, dann kopulieren, sorry: koalieren die Burschenschaften, ach, wieder falsch: die Parteien. Der gegenseitigen Abneigung zum Trotz unterstützen sie lieber eine unbeleckte Wundertüte von außerhalb, als eine gestandene und erfolgreiche Kommunalpolitikerin aus ihren Reihen. Die Kastrationsangst scheint bisweilen absonderliche Formen anzunehmen.

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