Muss noch gewählt werden?

Zwei Meter fallen aus dem Rahmen

Nein, wenn es nach den beiden ehemaligen Volksparteien CDU und SPD und der Bergedorfer Zeitung geht, dann führt an dem „Hoffnungsträger Andreas Thiede“ als neuem Bürgermeister Lauenburgs kein Weg vorbei. Spätestens wenn jetzt auch noch die FDP die Verständigung auf diesen Kandidaten mit ihrer Vorstellung „vom gemeinsamen Handeln in der Lauenburger Kommunalpolitik“ als erfüllt sieht, scheint der Drops so gut wie gelutscht. Nun will ich Herrn Thiede nicht zu nahe treten, aber was macht ihn eigentlich zum Hoffnungsträger? Vor seinem wesentlichen Beitrag „zum Erfolg der Verhandlungen mit den chinesischen Investoren“ war er keineswegs der Superstar der Wirtschaftsförderung. Und wenn wir ehrlich sind, wurde auch dieser vermeintliche Coup eher von der Firma Fette, der chinesischen Unternehmerin Pupin Wang und dem in dieser Frage seit Jahrzehnten rührigem Dr. Tjan eingefädelt, als von dem „Zwei-Meter-Mann“ Thiede.

Aber befördern tut er das Geschäft, das ist wohl wahr. Ich fürchte, er fördert es mit allen möglichen Tricks und Mauscheleien, die es eben benötigt, um es wie geschmiert durch die politischen Instanzen zu bringen.

"Politikverdrossenheit" war das Wort des Jahres 1992

Jedenfalls habe ich nicht den Eindruck, als wenn es Herrn Thiede ein großes Bedürfnis wäre, zwischen Politik und Verwaltung zu trennen, Cäsar zu geben, was Cäsar gebührt. Für die in Schwarzenbek angeblich groß geschriebene Transparenz und Bürgerbeteiligung steht Herr Thiede für meine Begriffe jedenfalls nicht. Und daher wundert mich gar nicht, wenn jetzt eine Partei nach der anderen den Mann ganz prima findet.

Die Lauenburger/innen sind aufgerufen, sich genau zu überlegen, ob sie auch in Zukunft außen vor bleiben wollen. Sie sollten darüber nachdenken, warum die drei Parteien Thiede wollen und warum der auch unbedingt Kandidat der Parteien sein will! Die Bürger/innen müssen wissen, ob sie auch in den kommunalen Fragen immer wieder die Parteiinteressen und die Karrierewünsche von deren Mitgliedern berücksichtigt sehen wollen. Schlimm genug, dass die Parteien den Staat zur Beute gemacht haben. Wenigstens die Kommunen sollten vom Volk zurück erobert werden.

Daher und als klitzekleines Gegengewicht zur unverhohlenen Wahlwerbung der angeblich überparteilichen Zeitungen gebe ich hier die ebenso unverhüllte, offizielle Wahlempfehlung des blackbekblog ab: Wählen Sie

Energisch, einsatzfreudig und erfahren. Seit Jahren in und für Lauenburg tätig: Friederike Betge

Friederike Betge! Die macht sich nicht nur seit Jahren – auch und gerade ehrenamtlich – um Lauenburg verdient, sondern weiß, wie man Gelder organisiert, ohne das öffentliche Interesse zu verkaufen. Denn das kann jeder. Frau Betge kann offensichtlich mehr. Die Lauenburger/innen sollten sie das tun lassen.

Andreas Thiede steht für die alte Machart der Verquickung von Wirtschaft, Politik und Verwaltung, bei der der Bürger eher stört. Mit Frau Betge wählte man eine Bürgerin an die Spitze der Verwaltung. Ihre Unabhängigkeit zeigte sie zudem darin, dass sie nicht etwa als Grüne in den Wahlkampf zieht, sondern eine persönliche, individuelle und unabhängige Kandidatur betreibt. Mal sehen, ob die Lauenbürger/innen noch über genügend Selbstachtung verfügen, sich nicht von den Parteien einen Bürgermeister vorschreiben und vorsetzen zu lassen. Außer einem willfährigen Bückling vor einem chinesischen Manchester-Kapitalisten von kommunistischen Gnaden hat der Mann nichts geleistet, was ihn quasi automatisch zum Retter Lauenburgs qualifizierte.

3 Responses to Muss noch gewählt werden?

  1. Eckhard Schäfer says:

    Herr Borchelt, warum gerade jetzt – in einer Zeit, in der harmonisches Heimatgefühl in lauenburgischen Städten und Dörfern wieder Fuß fasst? Man geht wieder fair und sachlich miteinander um. Nun ja, wer nicht spurt, wird mal eben mit Drohungen und Schikanen auf den Pfad der Tugend zurückgeführt. Kurzum Harmonie aller Orten. So auch in der Stadt Lauenburg, wo sich die drei tragenden Säulen gewachsener lauenburgischer Demokratie allen Parteiquerelen zumTrotz auf den Kandidaten Andreas Thiede einigten. Ein Leuchtturmprojekt gelebter Konsens-Demokratie. Wenn man den überparteilichen und über alle Maßen kritischen lauenburgischen Medien in ihrem Gleichklang Glauben schenken darf, ist dieser Kandidat pfiffig, fleißig und kompetent, schlichtweg ohne Makel. Und das, obwohl er keine behütete Kindheit hatte. Da sollten wir doch alle froh sein, dass er seinen Weg gemacht hat und nicht als krimineller Jugendlicher scheiterte, dem am Ende womöglich noch der Führerschein hätte entzogen werden müssen. Herr Borchelt bedenken Sie bitte auch, dass die zukünftige Wirtschaftsmetropole Schwarzenbek einen Zugang zum Wasser braucht. Wer wäre diesbezüglich als Botschafter Schwarzenbeks besser geeignet? Und was wäre so schlimm daran, wenn zukünftig Dschunken das Stadtbild Lauenburgs unter dem Rufer zierten? Warum also versuchen Sie mit ihrer Kritik das Weltbild so vieler aufrechter lauenburgischer Demokraten zu zerstören?

  2. Matthias Borchelt says:

    Ich bekenne mich schuldig. Wissen Sie, der Herr Moldenhauer aus Schwarzenbek hat das schon ganz richtig erkannt, als er einmal von der Kanzel, Verzeihung: vom Rednerpult in der Stadtverordnetenversammlung wetterte, ich wäre ja wohl nur neidisch. Auf was genau habe ich nicht verstanden, aber ertappt habe ich mich allemal gefühlt. Und jetzt mit den Chinesen oder dem Bürgermeisteramt verhält sich das vermutlich genau so. Die Kritik nährt sich aus Missgunst und Neid, denn gibt es eine andere Antriebsfeder? Das ist schon so, wie mir letztens eine erregte Schwarzenbeker Bürgerin vorhielt: Sie schreiben diesen Blog doch nur, um Beachtung zu finden. Ich fragte nach: „Sie meinen tatsächlich, ich schriebe das, damit die Leute das lesen?“ Angesichts ihres triumphalen Gesichtsausdruckes schlich ich mich beschämt von hinnen.

  3. Moin,
    na dann schäme ich mich wenn auch fremd mit.
    Fremdschämen kommt mir eh oft in den Sinn seit ich diesen Blog lese.
    Das sie diesen Blog dann auch noch öffentlich machen!?
    Da könnte man ja gleich den Buchdruck erfinden!
    Haben sie denn nichts gelernt? Sie schreiben doch sonst auch von
    verschlossenen Türen, Klüngel, und Schlimmerem.
    Nehmen sie sich ein Beispiel!
    Ordnung ist das halbe Leben sagte Großmutter, und aufwiegelnde
    Bürger bringen nur Unordnung.
    Was wenn die dann Fragen stellen?
    Vielleicht sogar denkend ihre Stimme abgeben?
    Dann haben wir den Salat, und womöglich einen bunten,
    keinen einstimmigen.
    Ein bisschen mehr Verantwortung also, sonst sind sie schuld wenn
    die Wahlen auch geheim bleiben.
    Ausser dem Vorher abgesprochenen Ergebnis natürlich.
    Schwarzenbek oder Lauenburg sind ja nicht Peking, jedenfalls
    noch nicht.
    Da wird wenigstens noch das Volk vor sich selber geschützt!
    Ihre nunmehr linientreuen Artikel erwartend,

    S. Müller

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