HANDELSZENTRUM

Wie dumm kann man sein, ...

…überschreibt der aktuelle Sonntags-Kurier seinen entsprechenden Artikel und vermutlich hängt es Ihnen auch hier aus dem Hals heraus, dass es kein anderes Thema zu geben scheint. Je nun, handelt es sich eben um „die größte ausländische Investition“ in Schläfrig-Holstein seit der Völkerwanderung. Was mich jedoch erneut stolpern und schreiben lässt, ist das noch einmal aufgegriffene Zitat des Landtagsabgeordneten Markus Matthießen (CDU):

„Ich hatte eine andere Vorstellung von dem Land. Ich dachte an jeder zweiten Ecke gibt es eine Garküche mit Hunden und Schlangen, aber es ist dort alles sehr modern und sauber“.

Entweder kann jeder Dummbeutel Landtagsabgeordneter werden oder Herr Matthießen will sich selbst und uns etwas vormachen. Es kann ihm doch nicht entgangen sein, dass ungefähr 1 Milliarde Chinesen unterhalb der Armutsgrenze vegetieren. Und er weiß doch ganz genau, dass man auf einer solchen Reise nicht die Elendsviertel präsentiert bekommt. Wie der Name schon sagt, besichtigte die Schwarzenbeker Schafherde lediglich die Ausstellungsräume (engl.: showroom) und nicht etwa die Produktionsstätten. Und ganz abgesehen davon, werden in Deutschland Schweine, Kühe und Hühner aus Tier-Konzentrationslagern gefressen, was geschätzt 3 Milliarden Menschen auf der Welt ganz hübsch ekeln dürfte. Kann das irgendeine Bedeutung haben?

...wenn er das Maß der Dinge ist?

Soll man nun zu Gunsten des Landtagsabgeordneten annehmen, dass seine Worte von Unbildung und Dummheit geprägt sind, auch weil ansonsten der Zynismus kaum erträglich wäre? Und wenn ja, sind alle Landtagsabgeordneten so gefährlich naiv oder haben Ruppert & Co. in weiser Voraussicht den Dümmsten herausgefischt? Aber hat nicht auch der Landesvater sekundiert? Nun gilt Käpten Iglo landläufig nicht als der Hellste, aber so blöd ist der Mann nun auch wieder nicht. Der äußert sich nur über Schleswig-Holsteins möglichen Profit aus solchen Geschäften und weniger über das saubere China. Sicher, nicht weniger zynisch, aber eben auch nicht ganz blöd.

Die Absicht der Geschäftemacher und der Altpapierbedrucker ist offenkundig: Man will vorsorglich aller Kritik begegnen, ob das nun die moralische, die wirtschaftliche, die rechtliche oder auch die politische Ebene betrifft:

  • China ist viel sauberer und demokratischer, als man denkt. Außerdem gibt es kaum Militär, dafür aber viele bunte Hochhäuser und noch mehr grinsende Menschen.
  • China ist keine Konkurrenz, denn die Billigtextilien werden ja nach „Europa“ verkauft und dafür kaufen 300 chinesische Manager von 300 chinesischen Firmen Häuser und Hochwertiges in Schwarzenbek.
  • China kommt sowieso und wenn wir es nicht machen, dann entstehen die 1.000 Arbeitsplätze und die Millionensteuern anderswo.
  • Es gibt mehrere mögliche Areale für die Ansiedelung und daher ist die Vermittlertätigkeit der Stadtwerke (mit entsprechender Provision) auch nicht anrüchig.
  • Die Stadtverordneten waren nicht nur von Beginn an eingeweiht, das Geschäft war auch nur dank ihrer weisen Voraussicht und entsprechender Beschlüsse möglich.

Schwarzenbeker Transparenz: Klarer Blick auf den Nebel. Einzig Rupperts Rakete ist zu erkennen und im Hintergrund die chinesische Startrampe.

Aber ist das auch so? Wie viele grinsende Chinesen gibt es außerhalb der Sonderwirtschaftszonen? Wo und unter welchen Verhältnissen werden die hier auszustellenden Heimtextilien hergestellt? Wird tatsächlich nicht nur eine einzige Firma angesiedelt, nämlich die ETC (European Textile Corporation)? Wieviele „Manager“ wird die konkret in der 1. Stufe beschäftigen und wie viele Arbeitsplätze für Einheimische konkret beim Startschuss geschaffen haben? Zu welchen anderen Standorten standen wir in Konkurrenz und was mussten wir an Gegenleistung erbringen? Welches zweite mögliche Areal gibt es? Erhält die Stadt tatsächlich Geldleistungen des Investors im Vorwege einer zu beschließenden B-Plan-Änderung? Welche Stadtverordneten waren dahingehend informiert, dass nicht nur verbindliche Abkommen vereinbart, sondern sogar Verträge geschlossen werden? Welche Stadtverordneten wissen, dass im Vorwege und/oder in Verbindung mit einer B-Plan-Änderung Geldleistungen des Investors an die Stadt? Und vor allem anderen: Welche verbindlichen Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung gibt es? Wann wurden die getroffen und was beinhalten die?

Es geht hier nicht darum, ob man eine chinesische Investition gutheißt oder nicht. Auch ich kann nicht in die Zukunft schauen und weiß daher nicht, ob die Geschäftemacherei mit China einen Wandel zum Positiven bringt oder nicht. Es geht darum, ob diejenigen, welche sich so sicher zu sein scheinen, dass die geplante Ansiedelung positiv ist, diese mit aller Macht und unter Missachtung von Transparenz und vielleicht sogar von Recht und Gesetz durchzudrücken versuchen. Darum geht es! Alles andere ist Geschmackssache.

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