Augias ist ein Dreck dagegen

 

Ganz recht, ‚Alleinstellungsmerkmal‘ bedeutet natürlich auch, dass die Chinesen in der Menschenrechtsfrage auf sich allein gestellt sind.

Am vergangenen Mittwoch war nun also auch noch Torsten Geerdts in der chinesischen Außenhandelsdependance Schwarzenberg-Cen-Baker, um den ungeheuerlichen Erfolg der Nachfolger Marco Polos abzufeiern. Torsten wer? Ach, den kennen Sie nicht? Genau deshalb war er ja nun auch gestern in der Bergedorfer Zeitung und ist heute in den Lübecker Nachrichten zu bestaunen. Und Herr Ruppert grinst sich eins, denn auf diese Weise ist auch er täglich mit seinen 50 Millionen Arbeitsplätzen im Gespräch. Es kommt schon gar nicht mehr darauf an, ob oder wie viele von denen wirklich zustande kommen, die Botschaft ist vermutlich in den Schädeln drin. Bestimmt finden sich aber auch noch ein paar Provinzpolitiker zum Gratulieren und „der Investor“ soll ja auch schon nächste Woche kommen. Dann stehen wieder 1.000 Arbeitsplätze in der Zeitung und so läppert sich das eben.

"Nickender Esel" werden diese Pumpen in England genannt

Das „Handelszentrum“ aber kommt bestimmt. Warum sollte es nicht? Alle Rädchen sind geschmiert, die Maschine ist kaum mehr aufzuhalten. Die B-Plan-Änderung ist so gut wie gekauft, Verträge wurden geschlossen, im Rathaus (!) residiert ein Angestellter des Herrn Zhu und fungiert vermutlich auch noch als offizieller Dolmetscher. Und weil die nachträgliche Vermittlung und Verprovisionierung eines längst verabredeten Grundstücksgeschäftes zwischen Fette und Zhu wohl doch zu anrüchig wäre, zauberte man ein zweites „mögliches“ Areal herbei, das nur leider keiner kennt (warum konnte das eine genannt werden, das andere aber nicht?). Von Käpten Iglo bis runter zu völlig unbekannten (und unwichtigen) Knatterchargen lässt sich die Politik feiern. Hier gibt es also im Grunde kein Zurück mehr und das wird die Parkinson-Fraktion freuen: Kein Grund, das Dauernicken zu unterbrechen.

"Die normative Kraft des Faktischen kann selbstverständlich auch dazu führen, dass Unrecht zu Recht wird"

In puncto Jugendtreff – und nicht nur da! – wird ebenfalls der „Schwarzenbek Way“ eingeschlagen: Zunächst wartet man bzw. mauschelt nur heimlich im Verborgenen, bis Eile geboten ist. Alternativ kann man Eilbedürftigkeit natürlich auch künstlich erzeugen. Dann holt sich der Bürgermeister im Ältestenrat oder Hauptausschuss einen wenig greifbaren Handlungsauftrag, der möglichst unverbindlich dargestellt, dafür aber möglichst verbindlich vollzogen wird. Wenn er sich kümmern soll, dann kümmert sich der ehemalige Kämmerer so gründlich, dass die von ihm angestrebte Lösung auch als einzig mögliche, mindestens als einzig sinnvolle erscheint. Und die ist dann nur noch in der Stadtverordnetenversammlung abzunicken.

Aber nun überlegen Sie einmal, ob Sie als Stadtverordneter am 26.11.2010 die Verlegung des Jugendtreffs in die Compeschule ablehnten, weil das ja nun einmal ein alter Hut ist, dass die Ansiedelung solcher Jugendeinrichtungen in unmittelbarer Nachbarschaft oder sogar in einem Schulgebäude eine ganz schlechte Idee ist. Aber was wäre die Folge Ihrer Ablehnung? Kiefaber kann noch immer nicht bauen oder der Jugendtreff wird auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Und so wird hier eben Politik gemacht. Und die Dackel wackeln natürlich auch deshalb im Takt, weil sie so üppig dotiert und hofiert werden. Außerdem hat es noch jeder Fraktionsvorsitzende geschafft, sich mit der Zeit mit willfährigen Jasagern zu umgeben. In der Mehrzahl der Fälle funktioniert das und die wenigen Querköppe kann man gut ertragen, zumal einstimmige Ergebnisse auf Dauer auch ein wenig sozialistisch anmuteten. Und so läuft alles wie geschmiert.

Na, Herr Schlie, hier finden Sie natürlich kein chinesisches Gold!

Apropos schmierig: Der Herr Innenminister Schlie war doch auch in Schwarzenbek!? Der wollte sich zwar keine chinesischen Orden und Ehrenzeichen an die Brust heften (lassen), sondern nur den Saustall der örtlichen CDU ausmisten, ist doch aber ebenso unzweifelhaft wie unverdient der höherrangige Politiker als Torsten … wie war dessen Name noch? Warum las ich also noch nichts über Schlies Einsatz als Herkules von Swattenbeek? Ist der Stall wirklich so verdreckt?

Übrigens und nur am Rande und auch nur, weil Schlafmütze Schirmacher mein Lieblingspolitiker ist: Spätestens Anfang 2009 war das Thema Jugendtreff virulent und seine damalige Wählervereinigung hatte den drohenden Umzug in eine Schule bereits zum Thema gemacht und zu verhindern gesucht. Das waren ja aber auch noch „Bürger für Bürger“. Heute ist der Mann nur noch grün wie ein Frosch. Und als solcher hatte er Mitte des Jahres sich selbst in Szene gesetzt und ist laut quakend herumgehüpft, weil der Beschluss des Hauptausschusses zum Ausstieg aus der Städtefreundschaft ihm nicht ausreichte. Für den Einstieg in die Freundschaft mit einem Unrechtsregime scheinen andere Maßstäbe zu gelten?

6 Responses to Augias ist ein Dreck dagegen

  1. Ein aufrechter Christdemokrat says:

    Saustall? Das ist eine Beleidigung für die Schweine – denn die suhlen sich in ihren eigenen Fäkalien, weil die Natur es so vorgesehen hat.
    Gerber, Moldenhauer und Co. tun es, weil der große Bwana es ihnen befiehlt.

  2. Eckhard Schäfer says:

    Apropos Schlie: Der lauenburgische CDU-Kreis-Cäsar und Fleißindikator ist doch nun hinreichend bekannt dafür, dass er erst aus der Deckung kommt, wenn er sich zu allen Seiten rückversichert hat. Wenn die Messe dann gelesen ist, schlägt er sich pressewirksam im Stil eines postmortalen Klugscheißers auf die Seite der Mehrheit.
    In Schwarzenbek scheint auch sein schlichtes Motto: „Wer die Geschlossenheit stört, muss außen vorbleiben.“ nicht zu greifen. Wenn es um mehr als eine Person geht, mag er auch mit der Analyse, wer denn nun die Geschlossenheit stört, überfordert sein.
    Andererseits dauert das anwaltliche Stanzen eines Textbausteines und dessen Sprechautomatisierung nun mal seine Zeit, denn Spontaneität ist nun mal nicht seine Sache.

  3. Ein aufrechter Christdemokrat says:

    Herr Schäfer: Würden Sie sich frisch und spontan geben, wenn Sie geschätzte 150 kg Lebendgewicht mit sich herumschleppen müssten?

    Wie dem auch sei: Die Chancen, dass Schlie spätestens 2012 aus dem Innenministerium herausrollt, stehen gut.

  4. Bin neu hier says:

    Ihr habt ja alle Riesenprobleme im schleswig-holsteinischen Hinterland…..Schwarzenbek, wo ist das überhaupt?

    Wen schert es,was ein „aufrechter Demokrat“ oder „Eckart Schäfer“ so von sich geben?

    xxx-zensiert durch den Blogbetreiber-xxx

    Von den anderen Nicks und geistigen Ergüssen dieses ehrenwerten Bloggers mal ganz zu schweigen.

    Und, die anstehenden Wahlen in SH lassen als Konstellation nur die CDU-Beteiligung zu, es ist nur die Frage mit wem? Definitiv wird dort auch der Schlie im Kabinett eine gewichtige Rolle spielen!! Ihr werdet es erleben.

    • Matthias Borchelt says:

      Ich habe das dort zensiert, wo Sie sich persönlich über die Kommentatoren auslassen und nicht darüber, was die schreiben.

      Was Herrn Schlie angeht, musste für den 2005 ein Posten erfunden werden und zwar der eines Staatssekretärs für Verwaltungsmodernisierung und Entbürokratisierung im Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein, weil man ihn irgendwie belohnen und ruhigstellen musste. Spätestens mit der Berufung zum Innenminister wurde deutlich, dass wirklich jede/r Parteikarriere machen kann, wenn er oder sie nur lange genug die richtige Fahne in den richtigen Wind hängt. Aber das ist hier nicht das Thema. Mittlerweile wurde auch über die Entmistung des CDU-Stalles geschrieben: Das Großreinemachen blieb aus, man sucht jetzt neue Marionetten für den Vorstand. Auch dieser Vorgang beweist, dass es in Schleswig-Holstein zum guten Ton gehört, nur von hinten durch das Brustbein zu schießen. Die direkte Konfrontation ist nicht gewünscht, weil eher lästig, spätestens wenn unvereinbare Gegensätze aufeinandertreffen. Dissens ist etwas, was nicht ausgehalten wird. Schade.

  5. Pingback: Der unanständige Innenminister «

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