Danke, Francke!

Wieso ‚Francke‘, könnten Sie fragen. Am Freitag hat doch der vom Sparkassenchef so geadelte Frank „Das-hat-noch-keiner-geschafft“ Ruppert den Vertrag mit Zhonghui Zhu unterzeichnet und nicht die SPD-Frontfrau!? Schon wahr, aber eins nach dem andern:

Peter-Harry Carstensen

Vorgestern schrieb ich, bissig und selbstverständlich satirisch überzogen, vom ‚Förderer der Prostitution‘ und setzte damit Andreas Thiede vielleicht zu hart zu. Jedenfalls war ich kurz davor, das umzuformulieren, abzuschwächen, wie Sie hier auch unschwer merken. Doch gestern las ich dieses Zitat von Käpten Iglo Carstensen: „Wir müssen uns mehr anpreisen. Wenn die Braut verheiratet werden soll, müss sie hübsch gemacht werden“. Genau! Und dabei gilt dann auch die alte Bauernregel:  Bist du spitz wie Nachbars Köter, wird gepoppt; bereut wird später. Und „eingefädelt“ hat diese öffentliche Preisgabe eben der städtische Wirtschaftsförderer. Die Frage bleibt, wer am Ende oben liegt.

Frank Ruppert

Wieder einmal sah ich mich also nicht nur bestätigt, sondern von der Wirklichkeit übertroffen. Und auch was den Rest des gestrigen Hofberichtes angeht, wurde für mich immer deutlicher, dass König Ruppert jetzt auch Kaiser von China ist, wenn er kraft Amtes die vertragliche Verpflichtung eingeht, „binnen kürzester Frist für das Gelände“ (an der Grabauer Straße) „einen Bebauungsplan auflegen“ zu lassen. „Da hat sich die Cina-Reise doch richtig gelohnt“, stößt nun auch die LN ins gleiche Horn. Während die Bergedorfer natürlich auch pflichtschuldig erneut die 1.000 Arbeitspätze wiederkäut und dabei nur leicht zurückhaltend im Konjunktiv verbleibt (‚könnten entstehen‘), zitiert die Lübecker unkommentiert den Unternehmer und der will „mindestens 1.000 Arbeitsplätze“ schaffen. Damit auch jeder begreift, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt und wer es ist, druckt die LN neben Rupperts Foto: „Kommt mit vollen Händen aus China zurück“. Nur ein Ferkel wie ich kann das zweideutig finden.

Dieser Weihnachtsmann erwartet nun jubelnd „Disponenten aus ganz Europa“, Landrat Krämer einen „gewaltigen Schub für die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises“, der CDU-Landtagsabgeordnete und Bankkaufmann Markus Matthießen „Strahlkraft für die ganze Region Südholstein“ und uns Peter-Harry will sich, wie gesagt, noch mehr anpreisen. Geil, dachte ich, die sind so geil auf Geld und Macht, die würden es mit jeder treiben. Und dabei natürlich, wie der offenbar von einer Ohnmacht in die andere taumelnde Ratzeburger Bürgermeister Rainer „Das-gibt-es-doch-gar-nicht!“ Voss die Menschenrechte immer hübsch im Hinterkopf behalten.

Auch bereits geplant: Das neue Stadttor an der Grabauer Straße

Darf man so öffentlich wie schamlos gewerbliche Unzucht betreiben? Muss denn nicht vorher wenigstens pro forma der Souverän gefragt werden oder will man zum wiederholten Mal auf die normative Kraft des Faktischen setzen und die Dackel hinterher bestätigend wackeln lassen? Immerhin ist sich auch Ruppert sicher: „Schwarzenbek wird sein Gesicht verändern“. Und die Füße vielleicht auch, wenn sich Herr Krützmann vom gleichnamigen Schuhhaus fragt, ob er nun mehr kleine Schuhe einkaufen muss. Welche Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung ließen den Bürgermeister Verträge unterzeichnen und Verpflichtungen eingehen? Wird hier nicht frech an der Selbstverwaltung vorbei regiert?

Und daher der Titel dieses Artikels, denn das scheint gar nicht der Fall zu sein. Ich fürchte, dass der Bürgervorsteherdarsteller, die (auf den Fotos!) notorisch unterbelichtete Politmarionette Beckmann, nirgends zitiert wird, liegt einfach daran, dass er nichts zu sagen hat. Die SPD-Fraktionsvorsitzende, der Vorsitzende heißt Siepert, aber wiegt nur bedeutungsschwer mit dem Kopf, diese Frau Francke also, die weiß das alles und findet das auch gut so: „Wenn das Projekt so realisiert wird, wie die chinesische Delegation es uns dargestellt hat, wird Schwarzenbek sich stark positiv verändern.“

Die SPD-Fraktionschefin

Mit ihrem damaligen Geschwätz von wechselnden Mehrheiten und dank ihres mangelnden Mutes zur Übernahme der Verantwortung hat Frau Francke nach der Wahl 2008 dafür gesorgt, dass der krachende Wahlverlierer Delfs nicht nur Vorsitzender des Haupt- und Planungsausschusses bleiben durfte, sondern jetzt in China verkündete: „Auf diesen Erfolg haben wir lange hingearbeitet“. Ich darf daraus wohl schließen, dass alles von langer Hand vorbereitet und im Grunde längst beschlossen war? Entweder im Ältestenrat oder in den vielen nicht-öffentlichen Sitzungsteilen, die dann auch nicht so recht protokolliert und über die dann zwangsläufig kaum berichtet wird? Ach, das glaube ich weniger. Dafür sind zu viele Schwätzer in der Stadtverordnung, das wäre schon durchgesteckt worden. Nein, das wurde irgendwo in sehr ausgewähltem Gremium gemauschelt und nun wird es durchgedrückt. Notfalls lässt man wieder so lange abstimmen, bis das Ergebnis passt.

Laut Herrn Delfs haben die intensiven Bemühungen der Schwarzenbeker Verwaltung bei den Chinesen nachhaltig Eindruck hinterlassen. Und dann folgt in den Lübecker Nachrichten mein Zitat des Wochenendes im Originalton Delfs:

„Chinesen lieben klares und verlässliches Verhalten ihrer Partner und wollen Wege geebnet haben.“

Großartig! In der chinesischen Übersetzung heißt ‚geebnet‘ natürlich ‚platt gemacht‘, aber nun wollen wir nicht pingeliger sein, als der weggesperrte chinesische Friedensnobelpreisträger.

Das Rathaus Schwarzenbeks wurde bereits vorausschauend im Stil eines chinesischen Handelszentrums errichtet. Im Vordergrund eine symbolische Darstellung der Vorbereitung eines weiteren Deals. (Copyright: Siehe Link!)

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