Augsburger Puppenkiste für Erwachsene

Ich fürchte, genau so läuft das in der Kommunalpolitik: Die Günstlingswirtschaft blüht und gedeiht. Man nehme einen versierten Politprofi, der sich nicht nur mit den örtlichen Gegebenheiten, sondern auch mit Kungelei, Mauschelei, Durchstecherei und Nepotismus bestens auskennt. Dieser versammele um sich eine Schar mehr oder weniger erleuchteter Vasallen, die vor allem eines wollen: einen Posten. Solcher garantiert nicht nur ein nettes, steuerfreies Nebeneinkommen von bis zu 7.000 € jährlich, sondern auch eine gewisse Wichtigkeit im Staate Protz.

Wer erinnert sich nicht der Tränen, die ein ganzes Schwimmbad füllten?

Kämen nun ein paar Störenfriede hinzu, die so etwas wie einen freien Diskurs auf der Basis objektivierbarer Argumente mit abschließender Mehrheitsentscheidung als wesentlich erachteten, dann entzöge man sich dieser Auseinandersetzung ganz einfach. Dabei kann man sich getrost auf seine Getreuen verlassen, die ja ansonsten fürchten müssten, selbst vom Fleische zu fallen, wenn es ihrem Wirtstier an den Kragen ginge. Notfalls verzichtet man komplett auf so etwas wie demokratische Strukturen, trifft sich nur noch in Hinterzimmern (dort wird auch Sitzungsgeld gezahlt) und stimmt dann ab wie vorher ausgekungelt. Wird man erwischt, lügt man einfach so frech wie gedruckt.

Was passiert als nächstes?

Das Problem: Der weniger interessierte Zuschauer neigt, zumal in Schleswig-Holstein, noch immer der Auffassung zu, dass jedes Amt von Gott gegeben und im Zweifel der Amtsinhaber immer ein bisschen mehr recht hat, als der Störenfried. Es bleibt wohl dabei: Bei schlechten Nachrichten wird immer noch lieber der Bote aufgeknüpft.

Daran musste ich denken, als ich jetzt über die Posse in der CDU Schwarzenbeks las. Und mich erinnert fühlte an die Vorgänge in der Wählervereinigung Bürger für Bürger vor einem Jahr. Deren damaliger Fraktionsvorsitzender nahm schließlich sogar Reißaus, als selbst seine Lügen nichts mehr halfen. Er gründete eine neue Fraktion und dort sitzen er und seine Spezis nun wieder in aller Ruhe mit ihren Posten und Pöstchen, ihren Aufwandsentschädigungen und Sitzungsgeldern.

Herr Delfs nimmt nicht Reißaus und das ist leider das Positivste, was man über ihn sagen kann. Denn ein Feigling ist er doch: Obgleich zweifellos ein Urgestein der Schwarzenbeker CDU und seit gefühlten 50 Jahren in herausgehobenem Amt und Funktion, maßgeblicher Bestimmer und Entscheider in der Schwarzenbeker Politik, seit ich sie verfolge und laut Eingeständnis Rupperts der Koch, für den er kellnert, will er doch nur ein ganz kleines Licht sein. Denn was sagt er dazu, dass ihm gerade der gesamte Vorstand seines Ortsverbandes mit Vehemenz um die Ohren fliegt? Was denkt er, wenn eine Abstimmung in die Hose geht, weil er ausnahmsweise fehlt? Wie beurteilt er den Fauxpas, als er versehentlich falsch abstimmte und alle seine Lemminge ihm auf diesem Pfade folgten? (Natürlich wurde die Abstimmung wiederholt – wo denken Sie hin?)

Das wahre 'zoon politicon'

Richtig: Er hat damit gar nichts zu tun. Denn das ist bei ihm Methode. Was immer in Schwarzenbek schief geht und das ist bekanntlich nicht wenig, hat mit ihm doch gar nichts zu tun. Er hat doch nicht nur in der CDU seine Vasallen installiert, sondern auch in den anderen Fraktionen und achtet peinlich genau auf übergreifende Mehrheitsentscheidungen. Solange Herr Delfs Vorsitzender des zusammengelegten Haupt- und Planungsausschusses und des Prüfungsausschusses und sein kongenialer Kollege Moldenhauer Vorsitzender des Finanzausschusses bleiben dürfen, wird gern und großzügig geteilt (Zitat Schirmacher: „Der CDU verdanken wir unsere Plätze!!!!!“).

Hm, wie war das? Metapher?

Und gegen diese parteiübergreifende Allianz politischer Profiteure ist kein Kraut gewachsen. Wozu auch? Die Verwaltung profitiert ja auch. Die Politik wird in der Küche des Ältestenrates gemacht, der Rest ist Erlebnisgastronomie. Selbst die Tatsache, dass der Kellner am Ende die Rechnung präsentiert, scheint den Koch nicht zu stören, denn die Rechnung zahlen am Ende alle. Damit hat Herr Delfs im Grunde auch nichts zu tun. Wenn man noch einen Grund für Politikerverdrossenheit sucht, dann kann man ihn in Herrn Delfs finden. Kaum je war ein Rücktritt überfälliger, kaum je hat sich ein Politiker derart überlebt, wie dieses Politkrokodil Schwarzenbeks. Leider findet sich aber anscheinend keiner der Kasper bereit, die Keule auszupacken.

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