Arthur (Or The Decline And Fall Of The British Empire)

Ja, ich muss bekennen, dass ich die Kinks des Ray Davies nie so recht zur Kenntnis nahm. Ray war ja tatsächlich ein kauziger Typ und hatte die Ausstrahlung eines im Leben zu kurz gekommenen Buchhalters und die 10millionenfach abgedudelte Lllllola konnte ich schon nach dem dritten Mal nicht mehr hören, was sicher dem Song, ganz sicher dem Inhalt Unrecht tat. Ja, ich muss das jetzt bekennen…

Der kauzige Ray Davies

Und warum überkommt mich dieser Zwang, wo doch die Glanzzeit der Band mindestens 30 Jahre zurück liegt? Ganz einfach, weil mir durch Zufall erst jetzt ein Album begegnete, in welches ich mich vermutlich auch ob seiner Schrullen verliebte, ganz sicher aber wegen der hervorragend abwechselnd groovenden und dann wieder Brit-poppigen Mucke, den teilweise witzigen Texten und des coolen Gesangs eines hier extrem relaxten, in seinem Schaffen offenbar zu recht überaus selbstsicheren Ray Davies. Wow, da ist mir etwas entgangen, der ich nur das fast zeitgleich erschienene Meisterwerk Tommy von The Who  seit Ewigkeiten kenne (und liebe), aber vermutlich eben nur, weil es kommerziell so sehr viel erfolgreicher war und von Ken Russel später in noch höhere Sphären geführt wurde.

Dieses Juwel der Kinks blieb mir jedoch verborgen und ich vermute (befürchte), dass mir generell die Kinks eben nicht präsent waren/wurden, da sie wegen einer Auseinandersetzung mit der amerikanischen Musikergewerkschaft in den Staaten jahrelang nicht aufgeführt wurden. Erst mit Lola wurde das anders und vermutlich kennt das deswegen auch jede/r. Dabei ist Arthur um Längen besser und damit meine ich fast das komplette Album. Nur weniges ist etwas uninspirierter (z.B. Drivin‘), die meisten Songs zeigen Davies als Songwriter auf der Höhe von Lennon & McCartney.

Das sehe nun nicht nur ich so, sondern wird von vielen so eingeschätzt, jedoch eher basierend auf Songs wie Waterloo Sunset und anderen, die sich nicht auf diesem Album finden. Tatsächlich war ich auch davon überrascht (und beschämt), wie viele dieser 60er-Jahre-Hits ich kannte, aber nicht den Kinks zugeordnet hatte. Auch finde ich die meisten dieser eingängigen Popsongs ganz nett, aber sie erreichen nicht das herrlich Schräge, Schrullige, Ausgeflippte, welches der Bandname verspricht und in Decline and Fall of the British Empire auch hält.

The Kinks: Arthur

41 Jahre zu spät, aber deshalb um so nachdrücklicher möchte ich dieses Album denjenigen  Spätergeborenen empfehlen, die ähnlich wie ich, die „British Invasion“ der Sixties nicht in ihrer ganzen Wucht mitbekamen (bis auf die Beatles, Stones und Who), da man eben erst in den späteren Siebzigern und frühen Achtzigern pubertierte und adoleszierte. Wenn man – wie ich auch – die als allzu brav verkannten Beatles erst spät(er) entdeckte und deren Einfluss realisierte, wenn man eher auf vermeintlich Komplexeres wie Pink Floyd oder Härteres abfuhr, dann sollte man sich nicht nur mit den Kinks, sondern auch mit anderen verkannten Bands der Sechziger beschäftigen und erkennen, dass und was die im Bereich des Pop bereits alles ablieferten. Viel mehr geht – bis heute – gar nicht.

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