Ab heute wird wieder zurückgetreten

Vor wenigen Tagen weinte sich ein HSV-Mitglied an meiner virtuellen Schulter aus. „Was will der mir als Pauli-Fan erzählen, das mich nicht vollkommen kalt ließe?“, fragte ich mich. Aber dann musste ich doch aufhorchen: „Brandstifter hat der uns genannt, das musst du dir mal reinziehen!“ Seine Stimme überschlug sich vor Empörung. Nun weiß ich nicht mehr, ob es der mediokre Hoffmann oder der katzbuckelnde Becker gewesen sein soll. Mich lehrte es zwei Dinge:

  • a) Schwarzenbek, Schilda, HSV: alles eine Mische
  • b) Jeder taugt zum Brandstifter

Stalin

a) In Amt und Würden kann man den letzten Dreck anrichten, man ist immer „für“ das Objekt der Begierde. Die Kritiker sind immer „gegen“, vulgo: Nestbeschmutzer. So einfach und so stalinistisch ist das.

b) Der selbe Typ, der sich als Supporter in seiner Ehre getroffen fühlte, hatte mich noch vor wenigen Wochen als „Zecke“ geschmäht, als ich kein gutes Haar am Hoffmanneken Pis lassen wollte, nachdem der den Wasserwerfer Guerrero eben nicht im übertragenen Sinne, sondern tatsächlich auflaufen ließ.

Ich?

„Tröste dich“, versuchte ich es dennoch freundlich, „mir ist es in Schwarti an der Knatter ähnlich ergangen. Auch ich war ein Supporter, arbeitete ebenso aktiv, wie ehrenamtlich mit, setzte mich ein für meinen Club und dafür, was ich für das Beste für meinen Verein hielt. Und am Ende war auch ich ein Brandstifter, ein Nestbeschmutzer, ein „rotten neighbour“, Neid- und Streithammel, vor Gericht gezogen und durch die Polizei entfernt.

„Und“, fragte er, „was hast du gemacht?“ „Aufgegeben“, achselzuckte ich, „was denn sonst?“ „Pffft“, ließ er seine Verachtung deutlich durch die Zähne pfeifen: „Du Modefan!“

Tja, was soll ich sagen? Der Mann hatte recht. Auch wenn ich die geradezu religiöse Verzückung vieler Fußballfans für „ihre“ Clubs seltsam finde, so hatte ich tatsächlich „meiner“ Stadt mein Interesse, die Zuneigung entzogen, als es für mich zu unbequem wurde. Okay, ich hatte mich vom Zuschauerrang auf das Spielfeld locken lassen und bin dort locker ausgespielt worden. Aber warum sollte ich deswegen die Geschehnisse nicht wieder von der Tribüne aus anschauen und kommentieren dürfen?

You'll never walk alone!

Nein!

Sollen sie Nestbeschmutzer nennen, wer gegen den Gymnasiumsneubau ist und stattdessen die schrittweise Renovierung bei zeitweiliger Auslagerung von  Unterricht in Containerklassenzimmer vorschlägt, um die Stadt vor der Pleite zu bewahren. Heute ist die Stadt pleite, der Neubau ist nicht dicht und die großzügige Auslagerung in Container steht kurz bevor. Verbockt hat es unsere Laienspielgruppe!

Und von solchen Leuten lasse ich mich Modefan nennen? Also schön, aber ab heute wird wieder zurückgetreten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: