S.A. beklagt Pluralismus

Ob Gelber Blog, ob Schwarzes Blatt, wo man auch hinschaut: Meinung, Meinung, Meinung…

Ist das nicht schrecklich? Und auch so unübersichtlich. Was kann man glauben? Wem kann man glauben? Soll man überhaupt etwas glauben? Wäre es da nicht beruhigend, wenn es eine Art „Amtliches Bekanntmachungsblatt“ gäbe? Nach dem Motto, was da drin steht, ist amtlich und was amtlich ist, was von der Obrigkeit kommt, das darf man unbeleuchtet glauben. Wenn da drin steht, dein Nachbar sei ein seltsamer, primitiver Dilettant, der wie ein trotziges Kleinkind halb anonym Allem immer nur mit unwahren Tatsachenbehauptungen widerspräche, dann wäre das doch hilfreich zu wissen.

Und da es quasi amtlich ist, bedarf es auch keines Beleges mehr. „Ein deutsches Amt macht keine Fehler“, hörte ein Freund von mir unlängst in einer Behörde. Genau. Aber mal ehrlich: Glauben Sie das? Bevor Sie jetzt aber weiterlesen, möchte ich, dass Sie genau wissen, mit welchem Abschaum Sie es hier zu tun haben, also bitte informieren Sie sich jetzt:

Aus der aktuellen Ausgabe

Aus der aktuellen Ausgabe des S.A. (siehe Seite 8)

Ich will gar nicht erst damit anfangen, wie man hier tatsächlich widerliche Internetseiten mit diesem Blog gleichsetzt, natürlich nicht ohne genüßlich aus den Seiten zu zitieren und quasi eine Gebrauchsanleitung zu geben, damit auch jeder der dort offenbar verleumdeten Schwarzenbekerin auf die vermeintliche Spur kommt, nein. Mir reicht, dass ein Bezahlblättchen mir unter dem Kürzel „cw“ vorwirft, „halb anonym“ zu bleiben. Mir reicht, dass ein Meinungsblatt die Meinungsfreiheit, ein Werbeträger die Pressefreiheit beklagt. Ich finde es großartig, einfach nur „Verleumdung“ zu schreien und dafür jeden Beleg schuldig zu bleiben. Schließlich genieße ich die Chuzpe, einen anonymen Pranger halb anonym anzuprangern und im gleichen Atemzug zur Denunziation aufzufordern. Ich befürchte, all das hätte sogar Julius Streicher zur zweifelhaften Ehre gereicht.

Hier jedenfalls, liebe Leserinnen und Leser, bekommen Sie auch weiterhin ausschließlich Meinung gesagt. Meine Meinung, es sei denn sie wäre namentlich anders gekennzeichnet. Wobei ich natürlich auch dafür im Zweifel verantwortlich bin. Deshalb stehe ich ja auch mit vollem Namen und meiner Anschrift hier drin. Das ist offenbar so anonym, dass sogar schon die Halunkenpostille bei mir anrufen konnte, um sich über meine Meinung zu beschweren. Wenn Sie das auch wollen, wenn Ihnen meine Meinung nicht passt, wenn Sie eine andere Meinung kundtun wollen, dann tun Sie das. Gleich hier. Sie haben jede Freiheit. Auch wenn Einige diese Freiheit offenbar gerne exklusiv für sich beanspruchen wollen.

4 Responses to S.A. beklagt Pluralismus

  1. Ruben Ballutschinski says:

    Ich weiß nicht, ob es stimmt, was ich kürzlich auf einer öffentlichen Latrine in Lübeck las, dass die Redakteure eines Anzeigenblattes in Schwarzenbek ihren Beruf schwänzen und ständig in die Kissen heulen würden, weil selbst Bürger, die sich wie trotzige Kinder benähmen und kein ordentliches Impressum schreiben könnten, mehr Aufmerksamkeit bekämen als sie selbst.

    Aber Klosprüche zu glauben, sie auch nur im Konjunktiv zu zitieren und weiter in die Öffentlichkeit zu tragen, wohlmöglich noch mit Photo und Adresse, das ist ein Stil, den nur Menschen pflegen, bei denen ich befürchte, dass sie auch davon träumen, wieder Hexen zu verbrennen oder mittels eines Mobs einem unliebsamen Bürger, weil einem selbst die Argumente fehlen, die Fresse zu polieren und dabei selbst in Deckung zu bleiben.

    Nein, einen Stil zu pflegen, wie er in Deutschland vor über sechzig Jahren gang und gäbe war oder schlicht gesagt: Scheißhausparolen in die Welt zu setzen, unterstelle ich niemals nie nicht, auch den Gelben Blättern nicht.

    Obwohl – mit Verlaub – gesagt werden muss, dass dank eines Redakteurs vom gelben Blatt, – denn eine Internetseite mit dem Titel rotten neighbours hätte mir mein Verstand und mein Anstand verboten, jemals anzuklicken, geschweige denn durchzulesen, – weiß ich nun die Adresse einer Frau in Schwarzenbek, die gerne „sexelt“. Da ich immer schon gern wissen wollte, welch verklemmter Geist und welche Vorgartenzwergsphantasie sich hinter diesem Verb verbirgt, werde ich die Dame mal mit dem gelben Blatt unterm Arm, besuchen gehen.

    Es ist schon wirklich ein kluger Kopf dieser Redakteur, weil es doch eher schwierig oder schier unmöglich ist, die schmierigen Geschichten in der Provinz zu finden oder den intelligenteren Berichterstattern endlich das Handwerk zu legen, und er darauf gekommen ist, den kleinen Geistern und schlichten Gemütern den Weg dorthin zu weisen, wo sie nach Herzenslust denunzieren können. Bravo!

    Wenn man kein Big Brotherhood hat, dann animiert man halt – selbstverständlich unter moralischem Vorbehalt – ein ganzes Dorf dazu, sich gegenseitig in die Unterhose zu schauen. Hach, das wird ein Spaß, nicht wahr?

    Feuer zu legen, ohne löschen zu müssen und auch noch daran zu verdienen, ja das ist guter, braver, deutscher Journalismus. Wenn dann eine Familie abgebrannt ist, können die Anständigen ja wieder aufstehen – sofern sie nicht verbrannt oder vor Scham gestorben sind. Scheiß drauf, oder?

    Ruben Ballutschinski

  2. Ich musste gerade nicht lange überlegen, Ihnen den Rücken zu stärken, indem ich einen Kommentar hinzu füge:

    Lieber Herr Borchelt, schreiben Sie weiter Ihre Meinung!
    Ich, als politisch denkender Mensch vertrete naturgemäß eine Meinung. Diese Meinung ist mir ganz eigen, und „das ist auch gut so“. So haben auch Sie Ihre Meinung und Ansichten. Und diese ist nicht immer meine. Dennoch benötige ich – wie auch jeder andere ehrhafte und gradlinige Mensch – eine Gegendarstellung meiner persönlich gedachten Position. Also jemanden, der auch einmal eine andere Position bezieht. Andere Meinungen lassen mich nachdenken. Das eine mal lasse ich mich umstimmen, das andere mal wird meine Position durch schwache Gegenargumente nur gestärkt. Lange Rede, kurzer Sinn: Pluralismus und demokratisches Grundgut eben!

    Nun – niemand muss immer Ihrer Meinung sein und muss schon gar nicht Ihre Form der Wortwahl und satierischen Darstellungsweise schön finden. Ich mag Ihren Stil zu schreiben, auch wenn es mal ein Thema betrifft, bei dem ich ganz und gar nicht Ihrer Meinung bin.

    Wie aber schon erwähnt, muss sich jeder auch an der Meinung des anderen „reiben“, um sein Profil des Denkens zu schärfen. Hier eingeschnappt zu sein, bringt gar nichts. Dann schreiben Sie nämlich genau das hier rein ;o)

    Das Medium des Internets ist in dieser Form des Bloggens nicht sehr alt. Sicher erscheint es dem einen oder anderen befremdlich und wenig greifbar. Dennoch steigt die Zahl der Leser/innen stetig. Aber wenn mir als Leser an Ihrer Meinung etwas nicht gefällt, dann kann ich das doch ebenso veröffentlichen und die Gegenposition beziehen. …ist ganz einfach, wie man sieht ;o)

    Auch ich werde nun diese Tage wieder angesprochen werden, warum ich hier „meinen Senf“ dazu gebe. Hier wird dann auch teilweise global verurteilt, ohne zu differenzieren, was und wie ich es kommentiere. Aber so ist es nunmal.

    Menschen, die Ihre Meinung sagen, werden tatsächlich versucht an die Seite zu drängen. Zumindest werden Sie genau dafür kritisiert. Ich jedenfals möchte nicht als stumpfer Parteisoldat meine Hand heben, nur wenn es ein Vorsitzender tut. Wenn dieser Fraktionschef dann einmal versehentlich falsch die Hand hebt und alle Lemminge wie instinktgesteuert in den Abgrund springen, indem ihre Hand mit nach oben geht, läuft etwas falsch. Aber diese Menschen werden nie kritisiert werden und es wird auch nie darüber berichtet werden. Die, die eine andere, eine persönliche Meinung vertreten, werden hingegen an den Pranger der Kritik gestellt. Das Problem ist scheinbar ein gesellschaftliches.

    Bleiben Sie streitbar Herr Borchelt!
    Ihr Meinung trägt dazu bei, dass darüber gesprochen wird. Wird über Sie gesprochen, sind Sie interessant. Sind Sie interessant, hört man Ihnen zu. Das ist doch großartig!

    Im Übrigen kann ich den Vergleich mit der US-Internetseite „Schlechte Nachbarn“ nur für mich persönlich verurteilen!
    Blogs, wie auch z.B. lauenburg-von-unten.de benötigen wir, damit Politik nicht hinter verschlossenen Türen gemacht, sondern in die Bevölkerung gertragen wird! Jeder kann hier seine Gegendarstellung veröffentlichen, sodass eine rege Diskussion entsteht. Das wäre in meinen Augen wünschenswert.

    Martin Leverenz

  3. „Ich jedenfalls möchte nicht als stumpfer Parteisoldat meine Hand heben, nur wenn es ein Vorsitzender tut. Wenn dieser Fraktionschef dann einmal versehentlich falsch die Hand hebt und alle Lemminge wie instinktgesteuert in den Abgrund springen, indem ihre Hand mit nach oben geht, läuft etwas falsch.“

    Ich muss mich an dieser Stelle einmal selbst korrigieren:
    Der obige Kommentar entstand, ohne, dass ich das gesamte Gelbe Blatt gelesen hatte: Als ich es dann, nachdem ich zu Hause war, lesen konnte, stellte ich fest, dass doch über das „Abstimmungsverhalten“ einer Fraktion berichtet wurde.
    Ich greife diesen Punkt erneut auf und stelle für mich und den Leser fest, dass es am Autor eines Artikels liegt, ob eine persönliche Meinung verfasst wird oder Tatsachenberichte sachlich wieder gegeben werden. Hier einmal der Dank an die Qualität der Autorin des Artikels „Kreisel oder Ampel“ Seite 3!

    Zugleich prangere ich aber nochmals den Artikel an, der den blackbekblog bösartig mit der Seite „rotten neighbours“ vergleicht. Mir erscheint der Artikel als billiger Revangeversuch, für die eine oder andere Kritik am Gelben Blatt. Es geht hierbei nicht darum, ob die Kritik von mir geteilt wird oder nicht! Es geht darum, dass es meiner Ansicht nach höchst unprofessionell erscheint, derartig Meinung zu veröffentlichen, ohne diese als Kommentar zu kennzeichnen.

    So lesen Sie doch selbst noch einmal nach und vergleichen Sie die Autoren: Der Artikel „Ampel oder Kreisel“ vom Autor des Negativartikels zum Blog hätte direkt die CDU-Fraktion angegriffen und infrage gestellt, wie sich der eine oder andere Stadtverordnete über sein Gewissen hinweg für Fraktionszwang höchster Güte entscheidet. Stattdessen gab der Artikel einen Tatsachenbericht wieder – ganz sachlich und professionell! Der Leser soll sich ein Urteil bilden und nicht der Autor, der seine Meinung aufzwingt, indem er polemisch schreibt. Hier wäre eine Arbeitgeberwechsel zur Zeitung mit den vier großen Buchstaben anzuraten.

  4. Matthias Borchelt says:

    Ich stimme Ihnen zu, lieber Herr Lewerenz, was die Sachlichkeit des von Ihnen erwähnten Artikels angeht. Und ich finde es wichtig, dass Sie in bester Voltaire’scher Tradition darauf hinweisen, dass man Meinung nicht teilen muss, um doch dafür einzustehen, dass sie gesagt und geschrieben werden kann.

    Was SIe ansprechen, fällt mir leider beim Gelben Blatt immer wieder unangenehm auf: Hier wird als Zeitung verbrämt, was nach eigener Auskunft nicht einmal dem Presserecht unterliegt, keine Redaktion unterhält und wie ich fürchte, eingesendete Artikel ohne eigene Recherche veröffentlicht. Das Gelbe Blatt ist keine Zeitung i.e.S., ist weder unabhängig, noch überparteilich, sondern ein Anzeiger, ein Werbeblatt, welches durch lokale Berichterstattung aufgepeppt wird, damit es auch einen gewissen Interessereiz ausübt und nicht sofort in die Altpapiertonne wandert.

    Nur ist diese Berichterstattung häufig auch Meinung und unterscheidet sich daher nur in einer Weise von diesem Blog: Ich für meinen Teil bin unabhängig von allen wirtschaftlichen oder sonstigen Interessen. Ich bin ganz sicher unausgewogen, subjektiv, hin und wieder polemisch, ironisch, satirisch, sarkastisch, bisweilen arg uninformiert und leider viel zu häufig auf dem falschen Dampfer. Aber ich diene dabei wenigstens keinem fremden Herren. Ich habe nichts gegen Meinung, im Gegenteil. Nur muss sie bitte als solche auch gekennzeichnet werden. Bislang ist dieser Artikel nicht namentlich gekennzeichnet und stellt daher die Meinung des Schwarzenbeker Anzeigers und aller seiner Mitarbeiter dar. Das zeigt wohl zur Genüge, wes Geistes Kind man dort ist. Pluralismus scheint dort jedenfalls kein Ideal zu sein.

    Wie dem auch sei. Ich habe dem Schwarzenbeker Anzeiger einen Leserbrief geschrieben, nachdem mir telefonisch versichert wurde, dass man selbstverständlich auch kritische Leserbriefe abdrucke. Das will ich sehen, bevor ich es glaube.

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