Noch Fragen?

Meine Freunde, die ungekrönten Könige des gepflegten Zitats von der gelben Rundschau, haben erneut zugeschlagen:

Wie steht es eigentlich um die von einem Privatinvestor geplante Sportschwimmhalle für Schwarzenbek? Kommt sie, kommt sie nicht?“

So werden gleich „ einige “ Schwarzenbeker zitiert. Abgesehen davon, dass man erneut Äußerungen vermutlich schlicht erfindet, frage ich mich, warum die Zeitung eigentlich nicht zugeben mag, dass sie selbst fragt. Ich fürchte, das kann nur zwei Gründe haben:

  • Man mag nicht selbst fragen, weil man sich die Sympathien nicht verscherzen möchte, oder, was wahrscheinlicher ist,
  • der Artikel erscheint wieder einmal wie bestellt.

Will sagen, man möchte etwas unter das Volk bringen, will Fragen beantworten, die keiner gestellt hat, also lässt man sie stellen. Hand aufs Herz, kämen Sie auf die Idee, besorgt nach einem Projekt zu fragen, von dem Sie gerade einmal einen Monat nichts gehört haben? Wenn ja, hätten Sie wortwörtlich nach der „Sportschwimmhalle“ gefragt? Egal, lassen wir das, wie es sein mag. Jedenfalls kommt die Frage zupass, denn – so setzt der Artikel fort – wenn keiner was weiß, der große Vorsitzende weiß Bescheid: alles voll im Soll. So kann diese Gelegenheit prima genutzt werden, um der geneigten Leserschaft diverse Botschaften unterzujubeln:

  • Der Hauptausschuss tagt, sogar mehrfach in diesen Tagen und im Gegensatz zum Kulturausschuss!
  • Die Stadt hat alles getan, der Ausschuss tut gerade alles, damit am 2. September Flächennutzungs- und Bebauungsplan beschlossen werden können!
  • Auch der Kreis hat sein Okay gegeben!
  • Sogar schon „ erste Anfragen für die geplante Wohnbebauung “ habe es gegeben!

Letzteres findet die gelbe Altpapiersammlung so „ offensichtlich “, dass man das offensichtlich einfach mal unbelegt hinschmieren darf. Vermutlich haben da die selben  „ Einigen “ gefragt, die man eingangs zitierte. Was die gefragt haben? Na, vielleicht so etwas wie: „Wer will eigentlich ein Eigenheim direkt an einer Sportschwimmhalle und dem dazugehörigen Parkplatz kaufen?“ Das fragte ich mich jedenfalls einige Male und daher darf ich das auch in Anführungszeichen setzen.

Mitarbeiter des Morlock-Ministeriums

Mitarbeiter des Morlock-Ministeriums

Aber sogar Herr Delfs weiß von Fragen zu berichten: Fragen von „ Behörden, die mit den Gütern unter der Erde zu tun haben “! Hui, etwa das Morlock-Ministerium, die Bergbaubehörde und das Kartoffelkreisamt? Bleibt leider unklar, leider auch, welche Fragen da gestellt wurden. Nun denn, wenigstens scheint es nicht mehr um die besorgte Frage des Herrn Prinz zu gehen, die die Stadtverordneten seit Wochen im Herz bewegen: Das heiße Wasser scheint vorhanden und grundsätzlich auch oben ankommen zu wollen. Nun geht es darum, dass es wieder hinunter muss, also wenn es nicht mehr so heiß ist: „ da kann es noch Fragen geben “.

Und die fragt man sich jetzt? Nachdem man in aller Eile allem zugestimmt hat, damit – das war die entscheidende Prämisse! – der Bau bis Ende des Jahres so weit gediehen ist, dass auch die Photovoltaikanlage installiert und in Betrieb genommen und auch bereits der erste Strom ins Netz abgeliefert wurde, um den dann für x Jahre garantierten, hohen Preis zu erzielen. Das war die conditio sine qua non, das war das Totschlagargument, welches weitere zeitraubende Überprüfungen verbot.

Und da soll es jetzt noch offene Fragen hinsichtlich der Einleitung des Wassers geben? Na, herzlichen Glückwunsch. Da kann auch nicht verwundern, dass die Fragerei im nicht-öffentlichen Teil stattfinden soll, allerdings mit der dümmsten Begründung, die ein Mensch sich nur ausdenken kann: „ da einige neue Stadtverordnete dabei sind, die in aller Ruhe ihre Fragen stellen und sich informieren sollen “. Ist das die neue Transparenz? Muss man das noch kommentieren?

Mir ist das alles zu blöd geworden. Auf einmal sind wir „ sportlich ambitionierte Europastadt “. Eben noch wollten wir die Buschkoppel für einen Euro an den nahezu bankrotten Sportverein verticken, dessen ehemaliger Vorsitzender jetzt mit über die Stadtkasse bestimmen darf, nachdem er die leere Vereinskasse offenbar nicht mehr mit ansehen konnte, jetzt sind wir sportlich ambitioniert. Daher stammt dann wohl auch der Gedanke an den Rentnersportplatz. Ewig und zwei Tage hühnert man über das neue Sportkasino mit zumutbaren Sanitäranlagen, jetzt hat man über 20.000 € für Spielzeug über.

madmedea, siehe Link

Author: madmedea, siehe Link

Zugegeben, die Pläne für den Olympiastützpunkt sind noch recht vage…

Und daher liegt die Betonung jetzt auch auf SPORTschwimmhalle und der Herr Delfs sieht schon haufenweise Olympioniken in und aus dem Stützpunkt Schwarzenbek, weil doch Olympia am Freitag beginnt und er sich vermutlich demnächst um die Ausrichtung bewerben will. Nein, Sportschwimmhalle deshalb, weil sich darüber auch prima vorbauen lässt. Bei Eilentscheidungen etc. pp. stand immer das Spaßbad, die Schwimmhalle für die Bürger im Vordergrund. Jetzt, wo es noch Fragen gibt, die lästigerweise zu beantworten sind, wo durch den Einspruch des Herrn Böttel (lesen Sie gerne auch hier nach) und andere Unwägbarkeiten, die einem Schnellschuss eben so anhaften, evtl. das ganze Projekt zum Flächköpper mutiert, da ist es eine Sportschwimmhalle, ein Olympiastützpunkt, halt mehr Renommee, als Freizeitwert, der etwa verlustig ginge.

Und Schuld daran wären die Bundeseinleitbehörde und Herr Böttel. Nicht der Herr Delfs und schon gar nicht das gelbe Blöd. Die berichten nur über Fragen, die stellen keine. Ich habe auch keine mehr. Aber einen Vorschlag hätte ich noch: Wenn dann am 12. August die neuen Stadtverordneten in aller Ruhe ihre Fragen gestellt und ihre Informationen gesammelt haben, gibt es dann auch in aller Ruhe eine Presseerklärung darüber, welche Fragen das waren und welche Antworten gegeben wurden? Ja, prima, das habe ich mir gedacht.

One Response to Noch Fragen?

  1. [offener Brief & Pressemitteilung von heute]

    Stadt Schwarzenbek – Haupt- und Planungsausschuss
    Dem Ausschussvorsitzenden

    Antrag zur Änderung der Tagesordnung zur Sitzung am 12.08.2008

    Sehr geehrter Herr Delfs,

    hiermit beantragt die FWS-Fraktion die Übernahme der Tagesordnungspunkte
    10. 8. Änderung des F-Plans (gemäß Vorlage)
    11. B-Plan 57 „Strangen Kamp“ (gemäß Vorlage)
    12. Nachnutzung Grundstück Hamburger Straße „ehemals Shell-Tankstelle“ (Kenntnisnahme) &
    13. Erweiterung eines Verbrauchermarktes (Kenntnisnahme)

    vom nicht-öffentlichen in den öffentlichen Teil der Ausschusssitzung.

    Begründung:

    Die Tagesordnungspunkte 10. bis 13. beinhalten weitestgehend baurechtliche Belange mit einem, nach Einschätzung der FWS-Fraktion, hohen Grade an öffentlichem Interesse. Diesem öffentlichen Interesse können wir nur transparent in einem öffentlichen Teil der Sitzung des Haupt- und Planungsausschuss begegnen. Die Bürgerinnen und Bürger Schwarzenbeks haben ein Recht, zu erfahren, was zu ihrem Umfeld im Stadtgebiet baurechtlich beraten und beschlossen wird. So wie der Tagesordnungspunkt 6. (B-Plan 55 „Lupuspark“) im öffentlichen Sitzungsteil aufgenommen worden ist und abgehandelt werden wird, kann es unserer Meinung nach keinen Grund geben, die Öffentlichkeit in Bezug auf die o.g. Tagesordnungspunkte 10-13 auszuschließen.
    Die Tatsache, dass sich neue Stadtverordnete als Mitglieder im Haupt- und Planungsausschuss befinden und in einem nicht-öffentlichen Sitzungsteil die Gelegenheit bekämen, Fragen zu Problemstellungen zu stellen, ist als Begründung für den Ausschluss der Öffentlichkeit nicht ausreichend.

    Mit freundlichen Grüßen
    E. Schröder – Vorsitzender FWS-Fraktion

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