Billigflieger

So wie der Klingelton dem Pawlowschen Hund den Speichelfluss, so löst die tägliche Zeitungslektüre zunehmend Brechreiz aus. Nein, dieses Mal meine ich nicht Schwarzenbek, obwohl die Fortsetzung des Wahlkampfes mit anderen Mitteln, die uns vollmundig als Rückkehr zur konsensualen Sachpolitik angekündigt wurde, natürlich alles andere als witzig ist.

Es sei jedem selbst überlassen, ob er den Kreisverkehr der FWS, den Rentnersport der CDU oder das verspätete Tuten der FDP ins Horn der Sommerpause inhaltlich unterstützt, aber das kann doch nicht die Antwort auf das Wahlergebnis sein! Ich habe es gleich gesagt, dass „wechselnde Mehrheiten“ keine Basis für vernünftiges Arbeiten sind, sondern eher zu einem Feuerwerk der Eitelkeiten führen. Zumal wenn Anträge gestellt werden, die bestenfalls populistisch sind und auf deren Annahme man ernsthaft doch gar nicht setzt.

Oder will die CDU wirklich mehr als 20.000 € für einen Rentnerspielplatz ausgeben? An wievielen Tagen im Jahr würde der wohl von wievielen Menschen genutzt werden? Für mich ist das Effekthascherei beim Seniorenbeirat in der klammheimlichen Hoffnung, dass die Mehrheit den Blödsinn schon ablehnen wird. Angeblich soll die Idee bei einer Radtour durch Schwarzenbek entstanden sein. Da ist man dann also konsequent an dringenderen Baustellen vorbeigefahren.

Aber ich wollte ja gar nicht über Kommunales sprechen, sondern über den Billigflieger bei der Lufthansa. Bonze Bsirske hat kein Broblem damit, seine Bonusmeilen ausgerechnet während des Arbeitskampfes einzulösen. Als wenn das nicht schon zum Reihern reichte, melden sich wie auf Gongschlag die Speichler von Union und FDP und empören sich pflichtschuldig, sabbern etwas von Anstand und Moral und fordern Selbstsubstrahierung.

Wo endet die Hansa, wo ist nur noch Luft?

Konturen verschwimmen: Wo endet die Hansa, wo ist nur noch Luft?

Auch wenn es dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt, dass sich ein Gewerkschafter im Aufsichtsrat von der Firma korrumpieren lässt, die er beaufsichtigen soll, so ist doch festzuhalten, dass Bsirske nicht rechtswidrig handelte. Wenn verurteilte Straftäter, die sich am Gemeinwohl gütlich taten, hernach im Bundestag zum Maßhalten aufrufen, dann finden die Herrschaften von Union (engl. für Gewerkschaft  😉 ) und FDP das völlig in Ordnung. Wie ich Herrn Geis hier zitierte, so haben die ohnehin alle ganz eigene Vorstellungen und zum Gesetz ohnehin eine spezielle Beziehung. Ihre eigenen Flick-schustereien sind maximal Kavaliersdelikte.

Bevor nun jemand auf den Gedanken käme, dass ich hier etwa die Gewerkschaften oder generell das Mitte-Links-Lager verteidigen wollte, kein Gedanke! Es ist ja ebenso wenig überraschend, wie gleichwohl widerwärtig, dass SPD und Grüne (deutsch für verdi  😉 ) ganz schweigsam reagieren. Und bezeichnend finde ich, dass Herr Bsirske sich meldete und den Flug jetzt bezahlen will, weil er „die Brisanz, die dieser Flug in der öffentlichen Wahrnehmung ausgelöst hat, unterschätzt“ habe. Und das sei falsch gewesen. Nur das. Da ist er kein Frosch und doch quakt er sogleich weiter, dass auch Vertreter der Anteilseigner Freiflüge bekämen und nutzten. Der schämt sich nicht. Noch jemand Fragen?

Wenn das Liebermann-Zitat nicht für Wichtigeres reserviert wäre, so gälte auch hier, dass man gar nicht so viel fressen kann, wie man kotzen möchte.

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