Das Bestellblättchen

Wie auf Bestellung setzt das gelbe Umsonstblättchen seine Wohlfühl-Artikelserie über Norddeutschlands modernste Schule fort: Unfassbar eigentlich, aber „trotz modernster Ausstattung “ gibt es dort noch „den einen oder anderen Wunsch der Gestaltung „.  Denn offenbar sind die vollmundig als Lernateliers beworbenen Räume „nur mit bunt lackierten Stühlen “ ausgestattet. Und das ist dann die modernste Ausstattung?

Vermutlich schon und die Theorie dahinter wird gleich mitgeliefert:

Offenen Unterricht im Lernatelier zu ermöglichen war mein Ansatz „,

wird der „Schulkoordinator “ zitiert.

Lernatelier

Lernatelier

Und offener Unterricht findet danach in offenen, kaum möblierten Räumen statt? Nein, nein, ein Lehrerarbeitsplatz sollte es dann doch schon noch sein, der wurde bei aller Modernität offenbar nicht mitgeliefert. Also greift man zur Selbstinitiative und baut mit den Schülern und dem Stadtjugendpfleger und „der örtlichen Tischlerei “ (welche nicht einmal namentlich genannt wird) einen Lehrerarbeitsplatz, den man gesehen haben muss: Offen, kommunikativ, weg vom Frontalunterricht, hin zu den Schülern gewandt.“ Auf dem Foto – erkennbar Marke Eigenbau, wie befürchteterweise der gesamte Artikel – sieht man leider nur einen Trumm von einem erhöhten, tresenartigen Arbeitsplatz mit erweiterter Deckung.

Na gut, jedem das Seine. Und die ebenso bekannte, wie gefürchtete Schwarzenbeker Arithmetik gibt es gratis dazu: Das Ganze koste wieder einmal geradezu nichts. Ich will hier gar nicht in Abrede stellen, dass die unbekannte Tischlerei vermutlich tatsächlich etwas gespendet hat, was nicht von der Allgemeinheit bezahlt wird. Aber wenn hier wieder der Eindruck erweckt wird, als kostete der Spaß „die Schule “ lediglich 10 % (Juchhu!), dann ist das doch die reinste Augenwischerei! „Die Schule“ ist der Schulträger und das sind Sie und ich. Die Stadtjugendpflege, das ist auch unser Geldbeutel. Die Förderung von 1.700 € durch das Land, wo mag die wohl herkommen? Ach was, schau mal einer an.

Jan Vermeers "Melkmeid"

Jan Vermeers "Swattenbeeker Melkmeid"

Aber es ist doch für Bildung, für Jugend, für Zukunft!, höre ich schon wieder die Rufe. Wer kann denn nur gegen so etwas sein, warum muss man das denn mies machen? Nun, ich bin eben ein ängstlicher Mensch. Ich fürchte, die beiden Räume bleiben einfach nur 2 große Räume, welche ohne konzeptionelle Grundlage „nach Wunsch von den Klassen für jeglichen Unterricht belegt werden können „. Mir graute bei dem Gedanken, wenn sich die eine oder andere Lehr- oder Leitungskraft, die sich in der Artikelserie des willigen Freiblättchens so prima profiliert, in gar nicht ferner Zukunft in anderen Schulen wiederfände und das vielleicht gar der Sinn der Übung wäre. Meine große Sorge ist, dass dieser Wunder- und Prachtbau am Ende die “ Schnapsidee “ bleiben wird, die der Schulleiter von Beginn an darin sah. Denn die Kardinalfrage ist immer noch offen: Wer braucht den teuren Kasten und vor allem: Lohnte das den Aufwand?

Aber ich schweife ab. Lesen Sie sich den Artikel in der gefälligen Gazette durch. Erkennen Sie den journalistischen und/oder redaktionellen Ansatz,  der diese Annonce in ihrer Machart von der auf Seite 8 (Klima schützen und Geld sparen) unterscheidet, dann mailen Sie mir und gewinnen die damals aufwändig erstellte und offenbar bis heute ungenutzte Präsentationsmappe für die Lernateliers für das Einwerben von Sponsorengeldern. Kleiner Tipp: Das Wort beginnt mit A und findet sich links oberhalb des Textes. Keine Ursache.

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