Klassenteiler

Prima, was so ein einzelner, besorgter Papi alles erreichen kann. Zumindest Medienecho, wie sich heute in den Lübecker Nachrichten zeigt:

Geesthacht/Ratzeburg – Der Hilferuf eines besorgten Vaters aus Geesthacht hat jetzt Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen erreicht. Karsten Steffen, Geesthachter CDU-Fraktionsvorsitzender, klagt in seinem Brief an den Landesvater über die Reduzierung von Klassen am Otto-Hahn-Gymnasium und an der Ratzeburger Gelehrtenschule. Es fehle an Lehrern.“ (Zitat: Lübecker Nachrichten, 24.07.2008 – siehe Link)

Kreiselternbeirat

Kreiselternbeirat

Als der Kreiselternbeirat vor über einem Jahr bereits Unterschriften sammelte, als der Landeselternbeirat vor Monaten bereits einen Offenen Brief an die Ministerin schrieb, da war Karsten Steffen offenbar noch nicht besorgt. Aber jetzt, wo der örtliche Schulleiter ihm in einem Rundbrief schreibt, dass er nun wohl den bereits seit einiger Zeit gültigen Klassenteiler von 29 auch einhalten muss, um die Stundentafel halbwegs einhalten zu können, da wacht Herr Steffen auf. Und mit ihm die Lübecker Nachrichten. Guten Morgen, meine Herren!

Landeselternbeirat

Landeselternbeirat

Mittlerweile hatte Frau Erdsiek-Rawe längst reagiert und 150 weitere Stellen exklusiv für Gymnasien angekündigt. Das fiel ihr relativ leicht, da das ja keine neuen, sondern nur durch Schulzusammenlegungen frei gewordene Stellen sind, aber immerhin. Das Ganze ähnelt ohnehin einer Schmierenkomödie. Die Schulen tun immer gerne so, als bekämen sie zu wenige Planstellen und das Ministerium nimmt gerne die Schulleitungen in die Pflicht. Darum jetzt noch einmal vereinfacht für die ganz Blöden im Land (also offenbar fast alle):

Das Ministerium

  • hat eine bestimmte Anzahl von Planstellen zur Verfügung;
  • kennt die Stundentafel (manche behaupten sogar, die erstellen sie selbst);
  • kennt die Anzahl der Schüler/innen auf den jeweiligen Schulen;
  • beherrscht die Grundrechenarten.
Mengenlehre

Mengenlehre

Und dann werden die vorhandenen Stellen verteilt und dadurch ergibt sich zwangsläufig ein bestimmter Klassenteiler und darum wächst der auch bei Bedarf.  Setzen Sie den Klassenteiler einfach auf 35, haben wir sofort eine Lehrerschwemme. Reduzieren Sie ihn auf 20 und der Stundenausfall wird dramatisch. So weit verstanden?

Gut, jetzt kommt noch ein kleiner Gag: Die Schulen bekommen in aller Regel sogar mehr Planstellen zugewiesen, als sie nach dem Teiler benötigten, denn es gibt auch noch Sonderzuweisungen. Und noch ein Schmankerl oben drauf: Fast alle Schulen stellen einfach mehr Lehrer ein, als sie nach der Zuweisung dürften und die werden auch nicht als Sklaven gehalten, sondern bezahlt. Tja, da staunen Sie. Das glauben Sie nicht? Schauen Sie einmal hierher:

Personalzuweisungsverfahren 2007 und 2008

Quelle: Personalzuweisungsverfahren 2007 und 2008

Wie Sie sehen, hat außer Schwarzenbek jedes Gymnasium im Kreis im Laufe des vergangenen Schuljahres mehr Planstellen besetzt, als es zu Beginn des Schuljahres zugewiesen bekommen hatte: Geesthacht und Wentorf je fast drei, Ratzeburg eine und Mölln bescheidene 0,3. Nur das Gymnasium Schwarzenbek, dessen Schulleiter in der Lübecker zitiert wird, dass ihm eine bis anderthalb Planstellen fehlen, forderte dennoch 1 Planstelle weniger ab, als er gedurft hätte. Das ist ebenso erstaunlich wie der Umstand, dass er dennoch keine Klassen zusammenlegen will. Wenn man dem aktuellen Rundbrief dieses Hauses glauben darf, hat man ja aber auch im nächsten Jahr 6 Planstellen mehr, aber heißt das nun 52,1 oder 53,1 oder sogar 54,6. Oder sind netto 6 Lehrer mehr gar nicht 6 Planstellen, weil das wieder Teilzeitkräfte sind? Egal, die können sowieso, was andere nicht können. Zusammen mit Mölln ist man ja auf den Trichter gekommen, dass der 60-Minuten-Divisor nicht nur den Quotienten verkleinert, sondern auch den Dividenden vergrößert und dafür muss man schon echt verdammt gut rechnen können. Kein Wunder, dass die am Ende mehr Zeit haben und die Schüler/innen an anderen Schulen aus deren Sicht massiv überlastet werden.

Ja, Schulleiter, das ist schon so eine Spezies für sich. Da verkündet man, dass Klassen zusammengelegt werden müssen und zwar „durch nicht zugewiesene Lehrerstellen“ und dann verschwindet man in die Sommerferien. Gelogen ist es zudem, denn zugewiesen sind genügend Stellen. Das Problem ist einzig der Klassenteiler. Wenn ich als Schulleiter den beständig unterschreite, dann habe ich natürlich zu wenig Lehrkräfte. Also muss der Klassenteiler runter. Das wäre die zentrale Forderung, denn alle anderen Vorwürfe spielen dem Ministerium schön in die Karten, da sie einfach zu widerlegen sind.

Kilroy war immer schon vorher da

Kilroy war immer schon vorher da

Allerdings – und das sollte auch bedacht werden – haben wir immer weniger Schüler und die Lehrer, die wir heute einstellen und leider ja noch immer verbeamten, werden wir morgen nicht mehr los. Ist also die Politik der Zusammenlegung von Schulen und Klassen mittel- bis langfristig nicht richtiger? So kurz wie die Herren Oberstupidiendirektoren sollte man in der Frage jedenfalls nicht springen, sondern den Mund abputzen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Achtet zum Beispiel Ihr örtlich zuständiger Schulleiter wenigstens darauf, dass die kleinsten Klassen den meisten Unterrichtsausfall haben? Wird das Personalverteilungskonzept mit den Eltern abgesprochen? Nicht? Na, dann ist nach O-Ton Erdsiek-Rawe an der Schule grundsätzlich etwas nicht in Ordnung, denn das ist die Mindestvoraussetzung guter Zusammenarbeit.

Haben Sie das gehört, Herr Steffen? Oder schlafen Sie bereits wieder? Na, dann gute Nacht bis zum nächsten Rundschreiben Ihres Schulleiters. Eine Frage hätte ich allerdings noch: Ist zufällig eines Ihrer Kinder von der Zusammenlegung betroffen? Oder ist das alles sowieso nur Wahlkampf? Denn das ist doch nun ein alter Hut, dass Ihre Klientel für Gymnasien und die Fraktion Erdsiek-Rawe für Gemeinschaftsschulen kämpft.

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