Black is beautiful?

Herr und Frau Knopp

Herr und Frau Knopp

Von Ruben Ballutschinski

Mein elefantös-ungerechtes, weil anderen Danebenbenehmern nie verzeihendes Gedächtnis, ließ mich jüngst beim Googeln über meinen Zweitlieblingshistoriker nach Knopp stolpern.  Fast hätte ich alter Knochen mir das Hüftgelenk gebrochen, als ich mich immer tiefer bücken musste, um noch die letzte Perle des Strategiepapiers „Moderner bürgerlicher Konservativismus“ (alle Zitate siehe dort) herauszufischen. War es die Mühe und das Risiko wert? Ich fürchte nein, denn diese Präambel hätte mich schon zu Beginn warnen müssen.

Nach Jahren der Beliebigkeit und des Relativismus von Rot-Grün entsteht mitten in der Gesellschaft ein neuer, starker Wunsch nach dauerhaften Orientierungen. Die Union ist die einzige Kraft, die darauf glaubwürdige Antworten geben kann.

Phil-Hip?

Phil-Hip?

Als historisch interessiertem Laien verschlägt es mir die Sprache ob dieses Schmisses. Dieser Streich steht quasi an der Spitze, an der Wange dieses Strategiepapiers. Verfasst haben es (et al.) der Söder von Stoiber und der Junge Mann von der Jungen Union: Philipp Missfelder – Historiker und Hüftgelenksverweigerer für Trümmerfrauen.

Bereits der Titel des Papierchens ist für einen jeden echten Konservativen eine Zumutung: Konservativ und modern geht kaum zusammen und richtig schlecht wird jedem Liebhaber der Kreutzzeitung und preußisch Schwarz-weiß, wenn es gleich im ersten Satz heißt:

Liberal, sozial und bürgerlich-konservativ – das sind die Wurzeln der Union.

Herr Mann

Herr Mann

Ach was? Nach moderner Farbenlehre wäre liberal Gelb, sozial Rot und konservativ Schwarz. Der Verweis auf das Bürgerliche soll mich wahrscheinlich lehren, die Wurzeln der Union nicht im Konservativismus der preußischen Junker zu suchen. Sondern im Bürgertum eines Thomas Manns? Wie dem auch sei, die Farben, die hier in den Topf geworfen werden, sind nicht beliebig, sondern zielen darauf ab, es allen recht zu machen und weiter: es sind Begriffe wie gewaltige Auffangbecken: sozial, liberal, bürgerlich und konservativ. Ein politischer Erstklässler und Lehrling der Mengenlehrezauberkunst erkennt sofort: da passt fast alles rein. Nur die Faschisten, Kommunisten, Gestikulanten und Tumultanten bleiben außen vor.

Das also ist die Wurzel jener, die der Beliebigkeit den Kampf ansagen wollen? Interessant. lib, soz und b-kons sind die separaten Mengen des Unionisten. Spontan fällt mir der unvergessene Erich Mielke ein mit seinem Satz: „Ich liebe Euch doch alle!“ und darum geht’s dann auch:

Es geht um die Frage: Wohin steuert Deutschland? Wenn die Union bei dieser Wahl über 40 Prozent erzielen will, braucht sie die politische Mitte. Sie muss aber vor allem auch ihre Stammwähler mobilisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sie auch für heimatverbundene Patrioten, überzeugte Christen und wertbewusste Konservative die politische Heimat bleiben. Rechts von der Union darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben.

Man lasse sich nicht täuschen, denn nicht das Wohin? ist entscheidend sondern das Wieviel?. Vierzig plus X ist das Ziel und dafür ist man bereit die konservative Teilmenge Bürgerlich-Konservativ erheblich auszudehnen: auf heimatvertriebene, Quatsch: erdverbundene Nationalkonservative, die vor lauter Ekel vor der Demokratie auch einen richtig Braunen ins Amt heben würden, überzeugte Christen – womöglich aus Fulda -, die Abtreibungskliniken am liebsten in die Luft jagten, Minarette nur im Miniatur-Format dulden, und berufstätige Frauen brennend gerne scheitern sähen, sowie die wertbewussten Konservativen, nein, dass sind nicht die bürgerlich Konservativen, es sind die schwarzen Grünen. Vergraulte wie der ÖDP-Gründer Herbert Gruhl oder Heiner Geißler, der gerne mit seiner ATAC-Mitgliedschaft kokettiert, also diejenigen, deren Abneigung und Angst vor dem reinsten Wirtschaftsliberalismus, vor der Bestie der freien Marktwirtschaft, im Amokfall bis zur Brechung der Zinsknechtschaft und dem Abfackeln von Kaufhäusern – beileibe kein Privileg des roten Andreas – geht.

Ein Konservativer?

Ein Konservativer?

Nebenbei bemerkt, frage ich mich gerade ob nicht nur ein Passagierflugzeug, sondern wie viel Wert-Konservatismus in den einstürzenden Symbolen der globalisierten Wirtschaft steckt? Oder will hier jemand behaupten in Bin Laden und den orthodoxen Muslimen stecke nichts, was sich auch als Konservatismus deuten ließe? Kardinal Meisner, dieser wahre Christ, der uns eine Botschaft überbrachte, die jeden Taliban zu Tränen rührte, dass  Kunst und Kultur ohne Gottesverehrung zu entarten drohen, dieser Kardinal ist wahlberechtigt. Gehört auch er in die weit geöffnete Schnittmenge von Söder und Missfelder?

Wie ich befürchtete ist die Umarmung so weit, dass sich der folgende Text wie ein honigklebriges Sowohl-als-auch, als ein Einerseits und Andererseits, kurzum als ein: broschürentextartig glatt gegelter Autoverkäufer präsentiert:

Der Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung bedeutet für unsere Politik: Der Mensch darf die Natur für sich nutzbar machen. Er hat zugleich aber auch die Verantwortung, die Erde zu pflegen und für kommende Generationen zu erhalten.

…diese Werte erhalten die Bürger jenseits des Politischen. So ist der Glaube zwar eine sehr persönliche Angelegenheit, er hat aber mitunter erhebliche öffentliche Auswirkungen. Menschliche Teilhabe, die Achtung der personalen Würde oder auch eine Friedensbotschaft enden nicht an der Kirchenpforte.

Christlich-abendländische Werte sind Grundlage unserer Leitkultur. Dies ist kein Ausdruck mangelnder Toleranz. Es wirft vielmehr die Frage auf, ob die vorbehaltlose Anerkennung des Anderen nicht erst der Prüfung an den eigenen Werten bedarf. Anders gesagt: Nicht jedes Lebens- oder Gesellschaftsmodell verdient es, im Zeichen der Pluralität gleichermaßen gefördert zu werden. Die aus dem christlichen Menschenbild entstandenen Menschenrechte sind universell gültig und dürfen nicht in Frage gestellt werden.

Zu schlechter Letzt:

Unsere bürgerlich-konservative Politik lehnt eine ideologische Technologiefeindlichkeit ab, verfällt aber auch nicht in einen blinden Technologiewahn. Für uns ist der Mensch als Teil der Schöpfung dazu verpflichtet, diese zu bewahren und zu erhalten. Wenn der Mensch in die Natur eingreift, muss es dafür gute Gründe geben. Dies gilt auch für die Grüne Gentechnik. Hier sollte man sehr sensibel vorgehen.

Butter bei die Fische? Weit gefehlt. Finden die eine Moschee in der Vorstadt jetzt akzeptabel? Finden die Klonen toll oder pervers, Atomkraft unersetzlich? Die Öffnung ist halt so sehr gedehnt, dass alles auch schön hineinpasst.

Beim zweiten Mal wird dann aber doch geküsst...

Jedem wie er mag - aber mit Zunge kostet extra

Beliebigkeit ist das Reiz- und Stichwort für Söder und Missfelder, doch außer Hülsen, Wortgeklingel und Arschgewackel im Stile einer Bordsteinschwalbe ist ihrem Strategiepapier, dass sich wie eine Anleitung zur politischen Prostitution liest und alle Vorurteile Konservativer vor Politik derart bestätigt, dass die Autoren genauso gut wie kürzlich dumme grüne Jungen auf die Fahne hätten pissen können. Aber was hätte ich auch Anderes erwarten sollen von einem, der künstliche Hüftgelenke gegen Zweitstimmen verkauft?

Immerhin erkennen die Autoren den einen oder anderen Zusammenhang richtig:

Ein überdehnter (sic) Staat ist kein starker Staat, sondern ein schwacher Staat.

Die Amtsprache ist Deutsch. Wer hier lebt, sollte sie verstehen können. Wer sie spricht, muss sich nicht rechtfertigen, nicht verstanden zu werden. Wer eine andere Sprache spricht, braucht sich nicht zu wundern, unverstanden zu bleiben. Wer das nicht versteht, braucht eine Leitkultur.

2 Responses to Black is beautiful?

  1. Nun … die bürgerliche Union ruhte schon immer auf folgenden drei Säulen:
    – christlich-sozial
    – liberal
    – konservativ

    Ein „Moderner bürgerlicher Konservativismus“ – wie ihn die Autoren dieses Strategiepapiers fordern steht letztendlich im Widerspruch zu zwei der drei christdemokratischen Säulen, wobei ein solcher ideologischer Widerspruch weniger katastrophal ist als die derzeitige Politik der Union die inhaltlich wie ein schmelzender Käse auseinander läuft. Gerade in den letzten Jahren frage ich mich wohin die CDU überhaupt will, mal trägt die Politik christlich-konservative Züge, mal überholt man die SPD links und innenpolitisch werden alle liberalen Grundsätze über Bord geworden, statt dessen wird unsere Freiheit durch autoritäre Gesetze eingeschränkt. Ist das noch die bürgerliche Volkspartei CDU von Adenauer und Erhard?

  2. PS: mal sollte Konservativ nicht mit Strukturkonservativ (wie es z.B. die Postkommunisten sind) verwechseln. Konservativ und Moderne schließen sich nicht aus 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: