…ist es wirklich schon so spät?

„Wer hat an der Uhr gedreht…?“ fragt Herr Jürgensen in der heutigen Ausgabe der Lauenburgischen und antwortet selbst: „Am Gymnasium dauert die Stunde bald 60 Minuten“.

Wie wir durch den Bürgermeister bereits wissen, hat Schwarzenbek seine ganz eigene Wahrnehmung der Zeit: Wo 100 Jahre Vorbereitung eine Eilentscheidung erzwingen, wird natürlich auch eine Last-Minute-Aktion als frühzeitige Reaktion angesehen und verkauft. Aber das Gegenteil ist wahr, lieber Herr Jürgensen, so sehr ich Ihre Berichterstattung auch schätze.

Das Gymnasium Schwarzenbek reagiert als eines der Letzten im Lande, nur eben als eines der Wenigen, die die bisherige Schulstunde auch zu einer Zeitstunde machen. Die Diskussion darüber haben die meisten vergleichbaren Schulen (vulgo: die Gymnasien im Kreis) deutlich früher begonnen und – wenigstens was Schulkonferenz und Schulelternbeirat beitrifft – auch inhaltlich intensiver geführt. Wenn aber zutrifft, was der pädagogische Koordinator in Schwarzenbek von sich gibt, dann werden in Wentorf, Geesthacht und Ratzeburg die Schülerinnen und Schüler ab dem nächsten Schuljahr „massiv überlastet“. Starker Tobak!

 Aber das ist natürlich Unfug und ich denke, das weiß der Mann auch. Wenn bereits 60-minütige Schulstunden epochale Verbesserungen ermöglichen, was müssen dann erst 90 Minuten bringen?! Und folgerichtig wird auch in diesem Artikel bereits von Doppelstunden gesprochen, nur das die dann eben sogar 120 Minuten andauern (und natürlich zu noch einmal besseren Ergebnissen führen).

Was für ein Quark! Selbstverständlich muss man auf die neue Herausforderung reagieren und bei künftig annähernd 20 % mehr Unterricht pro Woche ist auch eine neue Systematik und Didaktik zwingend, weshalb ja auch das Bildungsministerium ganz allgemein neue Unterrichtsformen fordert – völlig unabhängig von der Zeitstruktur im Einzelnen.

Während nun aber ein Doppelstunden- (90 min) oder ein Mischmodell (45 / 90 min) Übergangszeiten erlauben, müssen sich die Lehrkräfte beim 60-Minuten-Modell sofort komplett und radikal umstellen. Da kann es kaum wundern, dass in Mölln hauptsächlich Schüler und Eltern für die Zeitstunde waren. In Schwarzenbek war das etwas anders: Die Lehrerkonferenz war unentschieden, Schüler und Eltern favorisierten das Doppelstundenmodell. Die Schulkonferenz ist davon natürlich unabhängig und hat nun also für die 60 Minuten votiert.

Also bitte, dann werden wir in der modernsten Schule Norddeutschlands ab dem nächsten Schuljahr auch den modernsten Unterricht erleben. Falls nämlich nicht, wenn Lehrkräfte etwa der irreführenden Aussage des Dr. Brademann folgen, sie hätten jetzt „eine Viertelstunde mehr Zeit“, dann schadet die neue Zeitstruktur mehr, als sie nutzt. Denn auch wenn aus 1 Stunde nun eine Stunde wurde, die Quadratur des Kreises steht noch aus.

Aber das schafft das Gymsbek auch noch. Wer nach nur 4 Jahren Vorbereitung auf das Ganztagsangebot bereits so überraschende Ideen wie Hausaufgabenbetreuung (durch Schüler – gegen Bezahlung) und geradezu revolutionäre Gedanken wie die Fortsetzung der bestehenden Arbeitsgemeinschaften ausbaldowert hat, dem ist so Einiges zuzutrauen! Da kann man sich dann beruhigt auch noch Zeit lassen mit der Einstellung eines Ganztagskoordinators. Der hat ja praktisch gar nichts mehr zu tun.

P.S.: Wenn Sie die Unterschiede zwischen den Modellen interessieren, schauen Sie doch einmal, was das  dazu ins Netz stellte.

 

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