Heißes Wasser oder heiße Luft?

Herr Prinz hat in der Einwohnerfragstunde einmal mehr eine interessante Frage gestellt: Kann es wirklich sein, dass in nur 1.000 Meter Tiefe 70° heißes Wasser fließt? Er meint nein und mit ihm meint das offenbar ein von ihm befragter Geothermie-Experte. Wir gewöhnlichen Sterblichen können nur in unser Lexikon schauen und erstaunt nachlesen, dass grundsätzlich in 1.000 m Tiefe nicht mehr als 30° Celsius mehr als im Mittel an der Oberfläche sein können. Hoppla.

So muss es ja nicht gleich zischen.

Nun gibt es bei Wikipedia aber auch diesen Satz:  Der norddeutsche Raum verfügt geologisch bedingt über ein großes Potential geothermisch nutzbarer Energie in thermalwasserführenden Porenspeichern des Mesozoikums in einer Tiefe von 1000 bis 2500 m mit Temperaturen zwischen 50 °C und 100 °C.  Aber selbst in Neustadt-Glewe musste man offenbar deutlich über 2 km in die Tiefe gehen, um auch nur mit Wasser zu kochen. Wie man also in Schwarzenbek unter dem Acker ohne Probebohrung in so geringer Tiefe so warmes Wasser festgestellt haben will, verstehe ich jetzt auch nicht mehr.

Statt diese Information in ihrem Herzen, sollten die aktiven Politiker das in ihren Köpfen bewegen. Ohne heißes Wasser bliebe das Schwimmbad nämlich nur heiße Luft und man hätte einem cleveren Investor in Rekordgeschwindigkeit Baugrund verschafft. Welche andere Nutzung scheint für die Halle vorstellbar? Denn der Rohbau wird ja wohl entstehen, um die Photovoltaikanlage zu installieren und den Strom gegen Festpreis ins Netz einspeisen zu können. Oder hat Herr Prinz hierzu etwa ähnlich verunsichernde Anregungen zu machen? Mir wird ganz kalt.

2 Responses to Heißes Wasser oder heiße Luft?

  1. Rein theoretisch betrachtet kann die Hummel nicht fliegen…

    Die Firma AQUABEK GmbH hat eine geothermische Kenntnisstandsanalyse von der Firma Geothermie Neubrandenburg GmbH anfertigen lassen. Diese betrachtet alle im Umfeld jemals gemachten Bohrungen ( siehe http://www.aquabek.de/galerie ). Diese Kenntnisstandsanalyse war so vielversprechend, dass eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung der Geothermie am Standort der geplanten Schwimmhalle in Auftrag gegeben wurde. Es kostet sehr viel Geld, die Daten der Bohrungen zu kaufen, Kenntnisstandsanalysen und Machbarkeitsstudien durchführen zu lassen. Wir bitten deshalb um Verständnis, dass wir die Ergebisse nicht kostenlos Mitbewerbern zur Verfügung stellen oder veröffentlichen können.

    Der Städtebauliche Vertrag der Stadt Schwarzenbek mit der Firma AQUABEK GmbH verhindert die vom Autor unterstellte Grundstücksspekulation.

    Eine journalistische Recherche kann bei Wikipedia anfangen, sollte da aber nicht aufhören. Manchmal sind ja Betroffene bereit, Journalisten Hintergrundinformationen zu geben, die aus Wettbewerbsgründen nicht veröffentlicht werden sollten, aber geeignet sind, Erkenntnisse zu gewinnen, die es dem Journalisten gestatten ehrverletzende Unterstellungen zu vermeiden.

    Rainer Hartmann, Schwarzenbek 21.06.2008

  2. blackbek says:

    Das ist doch eine Antwort. Ehrverletzend wollte ich hier bestimmt nicht werden, kann das auch nicht erkennen. Als Laie wunderte ich mich nur mit Herrn Prinz, war aber bislang (und bin es noch) davon ausgegangen, dass kein Investor in ein Luftschloss investieren würde. Mir geht es ja nur darum, dass die Köpfe und nicht die Herzen bewegt werden. Beim Neubau der Schule wurden Kritiker immer nur mit dem Hinweis auf Jugend, Bildung und Zukunft abgemeiert und der Sonderausschuss musste irgendwann mit den Köpfen wackeln und bekennen, dass man ja nur eine Laienspieltruppe sei. Und Herr Delfs betont bei jeder Gelegenheit, dass er sich auf die Gutachten verlasse. Recht hat der Mann, was soll er auch sonst tun. Als Bürger darf ich also hoffen, dass es entsprechende Gutachten gibt und die auch gegengelesen werden.
    Jeder wünscht sich hier ein Schwimmbad und Ihnen gutes Gelingen. Kritische Fragen müssen trotzdem erlaubt sein und Sie haben jetzt ja auch geantwortet. Vielleicht liest Herr Prinz das auch und freut sich dann wieder vorbehaltlos auf das Schwimmbad. Ich denke, bei der Stadtverordnetenversammlung hatte er (und ich mit ihm) das Gefühl, nicht einmal für voll genommen zu werden. Und das ist nicht die Bürgernähe, die ja auch Herr Ruppert vor der Wahl versprochen hatte. Ihnen danke ich für die Antwort und entschuldige mich, wenn ich über das Ziel hinausgeschossen bin.

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